Meine Top 15-Neuerscheinungen auf dem Alpinliteratur-Markt:

Natürlich ist die Liste der im Handel erhältlichen Bücher zu alpiner Literatur fast endlos. Und selbstverständlich ist die Fülle der neu veröffentlichten oder aufgelegten Bücher ebenfalls riesig. Daher gibt es hier stets nur eine kleine Auswahl an neuen Büchern, die sich dafür aber auch sicher lohnen dürften. Natürlich liegt auch hier der Schwerpunkt gemäß meinem eigenen Interesse auf den großen Bergen der Welt. (Sortierung: innerhalb des Erscheinungsjahres in der Reihenfolge der Rezension.)
Übrigens: weitere Besprechungen kann man - nach Jahren sortiert - hier suchen.

Links zu den letzten 15 Buchbesprechungen:

 

Deutscher Alpenverein: "Alpin-Lehrplan 6: Wetter und Orientierung" nach oben!

Broschur, 160 Seiten, ISBN 978-3-8354-1837-0
Preis: 30,00 €, blv-Verlag 2018.

Vor der allmählich näher rückenden Wander- und Hochtourensaison 2018 bringt der blv-Verlag den DAV-Alpin-Lehrplan 6 "Wetter und Orientierung" in 3., durchgesehener Auflage heraus. Ein ebenso wichtiges wie heikles Thema: wieviele Bergunfälle mit manchmal tödlichen Folgen könnten vermieden werden, wenn die Aktiven mehr Kenntnisse über das Wetter bzw. die Wetterentwicklung und die Orientierung im Gelände gehabt hätten?

Der Lehrplan 6 widmet sich diesen Themen ausführlich: zunächst werden auf 50 Seiten die notwenigen Grundlagen zum Verständnis des komplexen Themas "Wetter" gelegt: Luftdruck, Aufbau der Atmosphäre, Niederschlag, Temperatur und Wind sind wichtige Grundbegriffe. Doch auch Basiswissen für den Umgang mit Wetterkarten und das Zustandekommen von Tief- und Hochdruckgebieten werden auch für den Laien verständlich erklärt. Weitere knapp 30 Seiten erörtern Großwetterlagen wie z.B. den berühmten Föhn oder die gefürchteten Berggewitter und gehen auf grundsätzliche Klimagrößen in den Alpen ein. Das Kapitel "Wetter und alpine Gefahren" setzt sich mit dem wichtigen Thema der Wettervorhersage auseinander. Nicht jene, die man im Radio hören kann, sondern jene, die man anhand von Naturbeobachtungen machen kann. Hier gibt es wertvolle Tipps für das richtige Verhalten bei Starkregen, Nebel, Gewitter ect.
Auf gut 40 Seiten schließlich erhält der Leser alle wissenswerten Infos über die Orientierung mit Karte & Kompass, Höhenmeter & GPS. So macht die Tourenplanung daheim - egal ob analog mit der Karte oder digital am Rechner - richtig Spaß.

Der gut verständliche und doch nicht unwissenschaftliche Stil zieht sich durch das gesamte Buch, erläutert auch über die vielen farbigen Abbildungen. Eine sehr angenehm zu lesende Lektüre, die sich ausdrücklich nicht an in diesem Bereich wissenschaftlich Vorgebildete richtet. Ein wenig Vorwissen schadet freilich nicht, wenn es um das schnelle Verständnis der Fachtermini geht. Doch das versteht sich bei diesem Thema meiner Meinung nach von selbst.

   

Messner, Reinhold: "Berge versetzen" nach oben!

Broschur, 192 Seiten, ISBN 978-3-8354-1842-4
Preis: 20,00 €, blv-Verlag 2018.

Der Titel "Berge versetzen" ist ein Klassiker unter Messner vielen Werken, die er in den vergangenen etwa 50 Jahren publiziert hat: die Erstauflage erschien 1993, nun liegt, 25 Jahre später, die 9. Auflage vor: der Untertitel hat sich geändert, doch passt freilich noch immer: "Credo eines Grenzgängers" hieß es einst auf dem Buchtitel, nun wurde daraus "Risiko-Management in Perfektion" - beide Mottos dürften sich in Messners Fall wundervoll ergänzen. Messner lässt in zwölf ausgewählten Kapiteln sein erfolgreiches Leben, durch welches sich Niederlagen und Triumphe gleichermaßen ziehen, am Leser vorbeiziehen: sei es die erstmalige Durchsteigung der Rupalwand am Nanga Parbat 1970, die wagemutige Besteigung eines Achttausenders in nur einem 2-Mann-Team 1975, die Erstbesteigung des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff 1978, die Doppelüberschreitung zweier Achttausender 1984, die Durchquerung der Antarktis 1989/90 und Grönlands 1993 und und und...

In allen Texten, in allen Kapiteln, die teils im Tagebuchformat, teils im Fließtext geschrieben sind und dem Leser so eine gewisse emotionale Nähe zum Geschehen ermöglichen, wird eines deutlich: hätte Messner nicht die Eigenschaft, Risiken ins Kalkül ziehen zu können, instinktiv auf drohende Gefahren und Notlagen reagieren zu können und sich auch oft genug als Expeditionsleiter durchsetzen und eine Gruppe leiten zu können - er wäre nicht der erfolgreichste Bergsteiger des 20. Jahrhunderts geworden. Auch insofern passt der neue Untertitel des Buches durchaus ausgezeichnet.
Das Buch fasziniert nicht nur wegen der toll geschriebenen Seiten (dass Messner ein guter Erzähler - in Schrift und dem gesprochenen Wort - ist, weiß jeder, der ihn schon einmal live erleben durfte) und der vielen, oft ganz- und doppelseitigen Bilder, sondern weil bei der Lektüre eines klar wird: welche ungeheure Triebfeder hinter dem Menschen Reinhold Messner und seinem alpinen Lebenswerk steckt. Mit solcher Motivation, mit solchem Engagement für eine Sache, für ein Ziel, lassen sich tatsächlich, auch im eigenen Leben, "Berge versetzen".

   

Messner, Reinhold: "Wild" nach oben!

Hardcover, 312 Seiten, ISBN 978-3-397318-1
Preis: 20,00 €, S. Fischer-Verlag 2017. Nähere Infos auf der Verlagsseite.

Die dramatische Geschichte der Shackleton-Expedition 1914 ist bekannt: Shackleton und seine Mannschaft wollen die Antarktis durchqueren. Dann beginnt das Drama: die "Endurance", ihr Schiff, wird vom Packeis zerquetscht, Mannschaft und Material können, nebst einem Rettungsboot, gerettet werden. Nachdem man monatelang per Eisscholle am Rand der Antarktis entlang driftet, rettet sich die Mannschaft schließlich auf ein kleines Eiland, "Elephant Island" - ein kleiner, unbewohnter, sturmumtoster und kalter Flecken Erde. Shacketon entschließt sich, mit einigen Mannen Hilfe zu holen. Der Rest der Mannschaft, 22 Mann, bleibt unter der Führung von Frank Wild zurück: einen arktischen Winter lang müssen sie in Dunkelheit, Kälte und Verzweiflung überleben und planen mehrfach den kollektiven Selbstmord. Nur die Persönlichkeit Frank Wilds hält letztlich die Gesamtmannschaft am Leben und zusammen. Dank ihm überlebt die Mannschaft das, was im Klappentext als schlimmstes Gefängnis der Welt beschrieben ist; welches es zweifellos war.
Zu guter Letzt kann Shackleton, dem die Überfahrt nach Südgeorgien gelingt, eine Rettung organisieren, die am 30.08.1916 die Mannschaft auf Elephant Island erreicht. Alle dort Gebliebenen überleben!

Diese wahre, ungeheuerliche Geschichte ist sicher eine der Lieblings-Abenteuergeschichten von Reinhold Messner, der das Schicksal der Mannschaft um Frank Wild schon in vielen TV-Sendungen sichtlich berührt erzählt hat. Kein Wunder also, dass Messner endlich diese dramatische Geschichte voller Emphatie nacherzählt und sie dadurch sehr persönlich wirken lässt. Messner kennt Entbehrung, kennt Kälte, kennt die Antarktis und eben auch die Geschichte der Endurance-Expedition 1914 bis 1917. Dabei ist der bedeutenste Abenteurer unserer Zeit wie kein Zweiter in der Lage, die vielleicht unglaublichste Geschichte, die die großen Entdecker für uns bereithalten, hundert Jahre später wieder wach werden zu lassen. Mit dem zeitgnössischen Bildmaterial entsteht so ein großartiges Dokument einer Geschichte, die an sich zu unglaublich ist, um wahr zu sein.

   

Hoffmann, Michael: "Alpin Lehrplan 2: Klettern - Technik, Taktik, Psyche" nach oben!

Broschiert, 192 Seiten, ISBN 978-3-8354-1764-9
Preis: 30,00 €, blv-Verlag 2017. Nähere Infos auf der Verlagsseite.

Die Alpin-Lehrpläne des DAV sind seit Jahren eine feste Instanz in der lehrenden Alpinliteratur. Inzwischen gibt es derer sieben Bände und so wurde auch dem Mountainbiking ein Band eingeräumt. Das Thema "Klettern" ist freilich die größte Sparte und wird daher in zwei Bände dividiert: im ersten Teil geht um die nötige Ausrüstung und Sicherung, der vorliegende zweite Teil widmet sich dem Klettern selbst: "Technik, Taktik, Psyche" heißt es im Untertitel, doch auch Trainingsmethoden und wichtige Aspekte der Ökologie werden vermittelt.
Der Lehrplan richtet sich sicher nicht nur an den Bergführer oder Übungsleiter, sondern an jeden, der sich aktiv dem Klettersport verschreibt. Wenngleich das Buch keinen Kletterkurs im Fels ersetzen kann, so ist es hier eine wertvolle Ergänzung: nachdem die Grundlagen gelegt sind, wird das Buch rasch sehr konkret: Text und Bildfolgen ergänzen sicher hier großartig, wenn es um klettertechnische Details geht: wie setze ich den Fuß beim Reibungsklettern? Wie und in welchem Gelände stütze ich mit Foothook durch? Was ist bei der Gegendrucktechnik zu beachten? Wie halte ich den Körper beim Sturz? Usw. Biomechanische Vor- und Nachteile werden hier ständig erörtert und abgewägt.
Im Bereich "Taktik" geht es um wichtige Begriffe wie Speed, Bouldern, Toprope, Tourenplanung. Auch hier gibt der Autor Michael Hoffmann viele wertvolle Tipps & Hinweise.
In "Psyche" werden Möglichkeiten der Stressregulation, Konzentrationssteigerung und zum Einsatz positiver Energie vorgestellt, um dem Faktor "Angst" entgegen zu wirken.
Nachdem das Kapitel "Kondition" freilich mehr zu bieten hat als Wolfgang Güllichs legendäres Campusboard wird abschließend in "Ökologie" kritisch hinterfragt, ob ein Biwak am Wandfuß, Magnesia ect. wirklich immer sein muss (bzw. überhaupt erlaubt ist).
Der Lehrplan liegt nunmehr in der 4., neu bearbeiteten Auflage vor und ist auf den neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse gebracht. Er ist damit ein unverzichtbares Werkzeug in der autodidaktischen Ausbildung bzw. in Begleitung zu einem Kletterkurs des Alpenvereins.

   

Strauß, Andrea & Andreas: "Hochgefühl Höhenweg" nach oben!

Hardcover, 168 Seiten, ISBN 978-3-7654-6549-9
Preis: 30,00 €, Bruckmann-Verlag 2017. Nähere Infos auf der Verlagsseite.

Hoch über den Tälern wandern und wandeln, mit Blick auf hunderte Gipfel - ein Traum eines jeden Bergwanderers. Es muss nicht immer der große Gipfel sein, Höhenwege sind seit jeher beliebte Wanderziele: sie verbinden Hütten miteinander, überschreiten doch auch hohe Gipfel oder gar ganze Gebirgskämme und liefern so eine Vielzahl von Tourenmöglichkeiten. Das bergbegeisterte Autorenpaar stellt in ihrem Buch 37 Touren vor, die zweifellos Hochgefühle aufkommen lassen. Unter den Touren, die sich auf den nördlichen Alpenrand mit Allgäuer Alpen, Wetterstein, Karwendel, Rofan, Mangfallgebirge usw. konzentrieren sind prominente Touren wie der Heilbronner Weg, der Jubiläumsgrat, der Wilder Kaiser-Steig, die Watzmann-Überschreitung, der Mittenwalder Höhenweg und andere Unternehmungen zu finden. Doch auch die Zentral-Ostalpen sind mit einigen Vorschlägen wie der Überschreitung des beliebten Schönbichler Horns über den Berliner Höhenweg, der Gosaukamm-Umrundung und dem "Pinzgauer Spaziergang" vertreten.

Alle Tourenvorschläge verfügen über einen Steckbrief mit allen wichtigen Infos, einer Karte mit Wegverlauf, Höhenprofil und neben der kurzweilgen Beschreibung auch über wunderschönes Bildmaterial - da wird einem die Wahl nicht leicht gemacht. Eine kleine Vorauswahl ist über die Kategorisierung in "leicht", "mittel" und "schwer" möglich. Eine schöne, bunte Mischung, wobei die meisten Touren "leicht" oder "mittelschwer" sind. Viele Touren lassen sich durch Wegfall der jeweilig eingebauten Bergbahnen entsprechend verlängern. Das ist für jeden Höhenwegfan etwas dabei! Hochgefühle kommen bereits bei der Lektüre, beim Schmökern in diesem schönen Buch auf, mit dem sich doch die Tourenplanung für das nächste Höhenweg-Abenteuer kurzweiliger und spannender gestalten lässt. Praktisch hierzu sind nicht zuletzt die GPS-Tracks, die man sich auf der Verlagswebsite downloaden kann.

   

Moro, Simone: "Nanga im Winter" nach oben!

Hardcover, 287 Seiten, ISBN 978-3-7022-3623-6
Preis: 24,95 €, Tyrolia-Verlag 2017. Nähere Infos auf der Verlagsseite. Website des Autors: www.simonemoro.com

1953 wurde der Nanga Parbat als dritter Gipfel der vierzehn Achttausender bestiegen. Es war der legendäre Alleingang des Hermann Buhl. In den folgenden elf Jahren wurden alle übrigen Achttausender erstmals bestiegen, so dass es in der Folge galt, sich den großen Wänden dieser Berge zu widmen. 1970 wurde die höchste Steilwand der Erde, die Rupalwand des Nanga Parbat erstdurchstiegen. Es waren die Brüder Reinhold und Günther Messner, denen dies im Rahmen einer deutschen Expedition gelang. Die tragische Fortsetzung dieser Besteigung, es war die dritte Besteigung des Berges, ist hinlänglich bekannt.
Die Königsdisziplin des großen Achttausender-Bergsteigens ist sicher die wegen der extremen klimatischen Verhältnisse schwere Winterbesteigung. In den 80er Jahren konnten polnische Alpinisten sieben nepalesische 8000ererstmals im Winter besteigen, erst 2011 gelang der erste Karakorum-Achttausender. Simone Moro zwischen 2005 und 2011 drei Winter-Erstbesteigungen verbuchen. Mit dem Winter 2015/16 standen nur noch der Nanga Parbat und der K2 aus.
Natürlich gelingt ein solch extremes Vorhaben in aller Regel nicht im ersten Versuch. Es braucht – wie im Untertitel des Buchtitels zu lesen ist – „Ehrfurcht, Geduld und Willenskraft“. Diese Charaktereigenschaften braucht es zweifelsohne nicht nur direkt am Berg, sondern auch, um die Motivation eines zweiten, dritten Anlaufs aufrecht zu erhalten. Warum überhaupt auf solch hohe Gipfel? Warum dann noch bei derart eisigen Temperaturen, orkanartigen Winden? Schlafentzug, Hunger, hüfthoher Schnee, manchmal die Umkehr kurz unterhalb des Gipfels (2008 brach Moro nur 200 m unterhalb des Broad Peak-Gipfels ab). Warum? Es braucht eine enorme innere Motivation für all das. Simone Moro hat die schriftstellerischen Fähigkeiten, dem Leser seine große Faszination mitzuteilen, den Leser emphatisch werden zu lassen. Wir dürfen Simone Moro beim großen Bergsteigen zuschauen, ihn bei Triumph und Leid begleiten – 1998 kamen beim Versuch einer Winterbesteigung der Annapurna seine beiden Begleiter Anatoli Boukreev und Dimitri Sobolev ums Leben. Mit wechselnden Partnern versucht sich Moro dreimal im Winter am Nanga Parbat und wird im Februar 2016 endlich belohnt: der Gipfel gelingt!
Gemeinsam mit dem 16-seitigen Bildteil gelingt Simone Moro ein faszinierendes Buch des ganz großen Bergsteigens - der magische Nanga Parbat in der härtesten Jahreszeit! Ein ganz besonderes Bergbuch von und über einen Ausnahme-Alpinisten und seine Expeditionen an einem Ausnahmeberg.

   

Carrel, François: "Alexander und Thomas Huber" nach oben!

Hardcover, 264 Seiten, ISBN 978-3-89029-483-4
Preis: 22,00 €, Malik-Verlag 2017. Nähere Infos auf der Verlagsseite.

Thomas und Alexander Huber sind zwei exzellente Extremkletterer und das seit Jahrzehnten, doch zumeist redet man immer nur von den Huberbuam. Zum einen sind sie nun einmal Brüder, zum anderen sind ihnen viele ihrer bahnbrechenden Unternehmungen als Brüderpaar gemeinsam geglückt. Wenngleich beide Huberbuam auch viele Expeditionen und Kletterprojekte mit anderen und wechselden Partnern durchgeführt haben. François Carrels Buch über das Kletterpaar erschien 2017 in der französischsprachigen Originalausgabe und liegt nun, etwas gekürzt, auch in deutscher Sprache vor. Das Buch erzählt von den ersten Anfängen der Brüder, vom Vater, der gerne Bergführer geworden wäre, der aber daheim im strengen Elternhaus nicht verstanden wurde. Der Vater wiederholt bei seinen eigenen Kindern nicht den Fehler, sondern fördert und unterstützt die beiden Bergbegeisterten und so ist der weitere Weg vorgezeichnet. Idole wie Hermann Buhl, Kurt Albert oder Wolfgang Güllich, letztere „Kletterpäpste“ in den 70er und 80er Jahren, beeinflussen Stil und Motivationen der beiden heranwachsenden und sich rasch entwickelnden Kletterer.

All das, der weitere alpine Lebenswerk der jungen Jahre bishin zu spektakulären Unternehmungen wie der vorübergehende Speed-Rekord an der „Nose“ des El Capitan (wo auch so manch andere irrwitzige Tour gelang), der Zweitbesteigung des Ogre, der free solo-Durchsteigung der „Bellavista“ an der Großen Zinne, der Erstdurchsteigung der Südwand des Latok II, der ersten freien Begehung von "Bavarian Direct" am Mount Asgard auf Baffin Island – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen – lässt uns François Carrels Buch in zwölf spannenden Kapiteln miterleben. Gemeinsam mit dem tollen Bildmaterial und der guten Idee, eine gemeinsame Timeline durch vier Jahrzehnte Huberbuam-Klettern zu zeichnen, wird das sehr kurzweilig zu lesende Buch zu einem großartigen Gesamtwerk über die Brüder Thomas und Alexander abgerundet. Ein spannendes Buch zu zwei der ganz großen Bergsteiger, die auch gemeinsam noch so manchen Plan haben... The show must (and will) go on.

   

Auer, Hansjörg: "Südwand" nach oben!

Hardcover, 272 Seiten, ISBN 978-3-89029-480-3
Preis: 20,00 €, Malik-Verlag 2017. Nähere Infos auf der Verlagsseite.

Hansjörg Auer, Jahrgang 1984, gehört zur absoluten Weltelite der Sportkletterer. Erstbegehungen bis zum Grad 8b+, Wiederholungen bis 8c+ gelangen dem Österreicher und seine schweren Unternehmungen brachten ihn zum Beispiel ins Yosemite Valley, nach Patagonien, Baffin Island, in die nahen Dolomiten usw. Auer ist studierter Mathematiklehrer - wohl auch ein Grund für seine sachliche Herangehensweise und seine bisherigen großen Erfolge.
Einem breiteren Publikum bekannt geworden ist Hansjörg Auer 2007 mit seiner bahnbrechenden Free Solo-Durchsteigung der Route "Weg durch den Fisch" an der Marmolata-Südwand: 37 Seillängen, bis 7b+. Free Solo! Sein bisheriges, dem Buch namensgebendes kletterpsychologisches Meisterwerk, was ihm aus aller Welt hohe Achtung zukommen ließ!
Schwere Neurouten und gar Erstbesteigungen wie am Kunyang Chhish (7400 m) 2013 folgten in den kommenden Jahren. Viel Erfolg, aber auch Schicksalsschläge wie 2015, als nach der Erstdurchsteigung der Nilgiri-Südwand in Nepal der Freund Gerry Fiegl zu Tode stürzt.

Über all das und mehr berichtet Hansjörg Auer mit authentischer, offener Sprache in seinem Buch "Südwand". Mit Intelligenz und Witz erzählt Auer von seinem alpinistischen Werdegang, von Menschen, die ihn auf diesem Weg begleitet und beeinflusst haben, von seiner Motivation, sich ständig derartigen Grenzerfahrungen stellen zu müssen. Auer sucht das eigenverantwortliche , kalkulierbare Abenteuer und das auch oft in abgelegensten Bergregionen. Dabei ist freilich auch Platz für gescheiterte Expeditionen, wie an der noch undurchstiegenen Nordostwand des Masherbrum, die 2014 das sehr starke Trio aus Hansjörg Auer, David Lama und Peter Ortner zurückwieß. Doch auch in heimischen Bergen gelingen schwierigste Unternehmungen, wie 2013 bei der ersten Winterdurchsteigung des "Schiefen Risses" an der Sagwandspitze im Zillertal, ebenfalls durch das Trio Ortner, Lama und Auer. Gemeinsam mit den spektakulären Bildern des 16-seitigen Bildteils entsteht ein ehrlich geschriebenes biographisches Werk, von den Kindesjahren in der bergbegeisterten Familie bishin zu den schweren Expeditionen an den Bergen dieser Welt - mal ganz fern, mal vor der eigenen Haustüre.

   

DAV, OeAv &AVS: "Berg 2018" nach oben!

Hardcover, 256 Seiten, ISBN 978-3-7022-
Preis: 18,90 €, DAV 2017, Vertrieb über den Tyrolia-Verlag

Berg 2018 ist erschienen! Und wieder erwartet uns, nunmehr in der 142. Ausgabe, ein Rundum-Schmankerl der alpinen Literatur. Bereits der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt wieder die Fülle der namhaften Autoren: unter anderen kommen Jochen Hemmleb, Gaby Funk, Karin Steinbach-Tarnutzer, Max Bolland, Malte Roeper und viele andere zu Wort.

In BergWelten konzentriert sich die Ausgabe 2018 unter anderem auf ihre Majestät, den Großglockner und majestätisch schöne Kristallfunde, die hier seit den 90er Jahren ans Tageslicht befördert wurden. Und es dreht sich natürlich um den Klimawandel, der sich in Form von jahrtausendalter Baumstammfunde und alter topographischer Karten manifestieren und rekonstruieren lässt. Im BergFokus steht die bergsportliche Gesundheit, ohne die ja nun bekanntlich in den Bergen nichts geht. Es geht um Prothesen, um Rausch, um den Berg als Antidepressivum. Da ist für jeden etwas dabei. BergSteigen wartet, wie tradittionell in jedem Jahr, mit einer hochspannend zu lesenden Zusammenfassung der alpinen Highlights 2016/17 auf: Namen wie Adam Ondra, Ines Papert, Alexander Huber, Daniel Arnold, Nina Caprez u.v.m. finden hier Eingang. Toll ist auch Malte Roepers Beitrag zur Erschließung des siebten Grades durch Helmut Kienle und Reinhard Karl 1977 – 40 Jahre ist´s her.
Ein weiteres Highlight sind auch immer die BergMenschen: unter anderem werden hier die US-Bergsteigerlegende John Roskelley und die Deutsche Billi Bierling vorgestellt, die Liz Hawleys Expeditionsdokumentation weiterführen möchte. Auch das mit 34 Seiten vergleichsweise kurze Kapitel BergWissen ist wieder vielschichtig und up to date: Geologie, Klimawandel – hier aus Sicht des Pflanzenkundlers – sowie die streitbaren Themen Mountainbiking und Skitourismus werden diskuttiert. In BergKulturen gibt sich Senner und Schriftsteller Bodo Hell die Ehre, des Weiteren geht es um die Auseinandersetzung hinsichtlich alter Grenzverläufe und Südtiroler Schutzhütten.

Jahr für Jahr ein facettenreiches Werk, in dem jeder Bergsportbegeisterte eine interessante und kurzweilige Lektüre findet. Natürlich auch als e-book!

   

Allmountain #7 nach oben!

kartoniert, 146 Seiten, ISBN 978-3-667-11288-0
Preis: 9,80 €, Delius Klasing-Verlag 2017. Eine Beschreibung ist auf der Verlagsseite bzw. hier zu lesen.

Die Winterausgabe 2017 präsentiert sich passend zur Jahreszeit in einem kühlem blau-weißen Gewand und hat sich als Schwerpunkt die „Kunst“ auf die Fahnen geschrieben. Kunst & Berge sind eine mannigfaltig zu verstehende Kombination, die sich in der vorliegenden Ausgabe nicht nur auf die 24 Schwerpunktseiten beschränkt: Berge selbst sind Kunstwerke, Fotos und Malereien von Bergen sind mitunter Kunstwerke, eine neue „Linie“ in einer Wand kann ein Kunstwerk sein. All das und vielmehr ist Kunst und findet sich in Ausgabe #7.

So dürfen wir Werke des bekannten Bergfotografen Robert Bösch bewundern, von ihm stammt auch das Coverbild, und begegnen mit Nepals Trailrunning-Talent Mira Rai einer außergewöhnlichen jungen Frau, die im nepalesischen Bürgerkrieg aufwuchs und nun z.B. mit ihrem Sieg beim berühmten Mont Blanc-Ultrarun auf sich aufmerksam machen konnte.
Wir lernen den Topkletterer Tommy Cadwell kennen, der die Salathé-Wall am El Cap an einem Tag kletterte und sich dann mit seinem Partner in neunzehn Tagen durch die schwierigste El Cap-Route, die Dawn Wall kämpfte. Vom Granit des Yosemite wechselt der Leser in den Schnee des österreichischen Arlbergs, um sich dann wieder einem anderen Felskünstler zu widmen: der große Fitz Wiessner bekommt Platz für ein beeindruckendes Portarit, in dem es nicht nur um seinen spektakulären Anstieg auf den K2 im Jahr 1939 geht. Und heute? Alex Honnold und Ines Papert beispielsweise zeigen in einem Artikel von Tom Dauer, wohin es im 21. Jahrhundert in der Kletterei gehen kann.

Doch auch Technik-Begeisterte kommen auf ihre Kosten: in diversen Artikeln geht es um Skibindungen, Flugdrohnen, Lawinensuchgeräte und grundsätzliche Ausrüstungs-Highlights. Das Heftende gehört nochmal zwei ganz Großen des Alpinismus: dem im Frühling 2017 viel zu früh verstorbenen Ueli Steck und dem Tschechen Adam Ondra, der derzeit der führende Felskletterer weltweit sein dürfte. Fazit: Auch Ausgabe 7 ist vielseitig, aktuell und bis zur letzten Seite lesenswert.

   

Schönberger, Kilian & Urmersbach, Victoria: "Waldwelten" nach oben!

Hardcover, 320 Seiten, ISBN 978-3-954162291
Preis: 98,00 €, Frederking & Thaler-Verlag 2017. Weitere Infos zum Buch gibt es auf der Verlagsseite. Infos zum Autor auf facebook oder 500px.

"Bäume sind wichtig, um die menschliche Seele zu retten." Mit diesem ebenso schönen wie treffenden Zitat von Joseph Beuys startet das Leserabenteuer "Waldwelten" - der Einstieg in über 300 beeindruckende Seiten dieses großformatigen (etwa 38 x 30 cm) Buches, nein: Werkes von Fotograf Kilian Schönberger. In Wäldern bereits in Kindesjahren einen traumhaften Naturspielplatz gefunden und später seine Naturliebe mit dem Geographiestudium gekrönt, um sich schließlich der professionellen Naturfotografie zu widmen, blieb und bleibt Schönberger stets dem einzigartigen Naturraum treu. Und das jedes Waldgebiet seine ganz eigene Seele, seinen eigenen Charakter hat, das zeigen die ein- und doppelseitigen Bilder eindrucksvoll.

Viele Jahre lang bereiste der Autor Deutschlands schönste Waldgebiete, zu allen Jahreszeiten zu Tage und in der Nacht. Vom Gespensterwald in Nienhagen über die idyllische Mecklenburger Seenplatte und die Lüneburger Heidelandschaft, die dichten Wälder der deutschen Mittelgebirge wie Sauerland, Eifel und Spessart hinab in die alpineren Regionen von Schwarzwald und dem deutschen Alpenraum: Deutschland ist waldreich und alleine schon deswegen ein Abenteuer. Schönberger zeigt düstere Moorlandschaften, wunderbare Heide, mystische Nebelschwaden, die durch die Bäume ziehen, wunderbare Licht- und Schattenspiele und den faszinierenden Wandel der Jahreszeiten, der sich doch nirgends so schön und farbenprächtig zeigt wie in den Wäldern. Immer wieder großartig zeigt sich das Wechselspiel der Bäume mit anderen Elementen wie Wasser, Nebelschwaden, Sonnenlicht, Erde. Die mitunter bizarren Formen der Bäume und der hohe Kontrastumfang waren, so der Autor, die fotografischen Herausforderungen, die es zu meistern galt. Meisterhaft ist dies gelungen!

Geheimnissvoll und schön, bezaubernd, ja geradezu ehrfurchtsgebietend zeigen sich die Bildwerke Schönbergers. Zu jedem Bild gibt es eine kleine Erläuterung, jedes Kapitel wird von einfühlsamen und informativen Texten von Victoria Urmersbach eingeleitet. So ist das Buch nicht nur ein "Muss" für jeden Naturliebhaber, sondern schlichtweg eine Quelle der Entspannung bei der gemütlichen Lektüre. Bleibt abschließend noch zu bemerken, dass die Bilder des gewichtigen Bandes auf qualitativ hochwertigem Papier gedruckt sind, so dass das gemütliche Blättern durch die Seiten zum optischen wie haptischen Genuss wird.

   

Kauer, Wolfgang: "Felsbilder der Ostalpen" nach oben!

Hardcover, 317 Seiten, ISBN 978-3-7025-0880-7
Preis: 17,99 €, pustet-Verlag 2017.

Der Salzburger Fachmann für Kunsterziehung ist in seinem neuesten Werk den "Felsbildern der Ostalpen" auf der Spur. Bei einer Exkursion mit Freunden hatte er vor längerer Zeit erstmals Kontakt zu österreichischen Felsbildern und war sogleich angesteckt vom Thema. Zusätzlich motiviert durch die Tatsache, dass so mancher Fachmann offensichtlich bekannte Felsbilder unvollständig oder gar fehl deutete, wurde Kauer hier zum Spezialisten und stellt in diesem Buch eine Vielzahl von verschiedenen Felsbildnissen vor, die sich über ganz Österreich verteilen, jedoch freilich im Salzburger Raum ihren Schwerpunkt haben. Felsbilder sind mitunter Jahrtausende alt und erzählen uns aus einer lang vergangenen, mystischen Welt. Und das sie so zahlreich in den Bergen zu finden sind, passt, sind doch Berge ebenfalls seit Menschengedenken Orte religiöser Handlungen und Rituale. Die Deutung der Bildnisse ist schwierig, doch Wolfgang Kauer hat in einer Mischung aus Roman und Sachbuch, er selbst nennt dies Blog-Roman einen Weg gefunden, die faszinierende Materie auch dem Nicht-Fachmann nahe zu bringen.

Akribisch in der Natur als auch in Archiven recherchierend gelingt es Wolfgang Kauer sogar, die Felsgravuren mit anderen Artefakten wie zum Beispiel Tonfunden zu korrelieren und dadurch inhaltlich wie zeitlich exakt einordnen zu können. Sogar regionale Unterschiede in der Ausübung der religiösen Gebräuche können hierdurch gezeigt werden und auch Querverweise zu außereuropäischen Kulturen kann Kauer aufzeigen. Das alles ist nicht einfach, denn die Felszeichnungen sind häufig und zeitlich viel später über"malt" und einen Stein von Rosetta wie bei den altägyptischen Hieroglyphen gibt es hier auch nicht.

So ist das Buch, welches mit einer Vielzahl faszinierender Bilder aufwartet, ein Glücksfall für jeden, der sich für alte Kulturen, ihre Religionen bzw. für die Archäologie allgemeinhin interessiert und dürfte für den deutschsprachigen Raum das kompletteste Werk seiner Art sein.

   

Barmasse, Hervé: "Der innere Berg" nach oben!

Hardcover, 280 Seiten, ISBN 978-3-906055-64-0
Preis: 34,90 €, AS-Verlag 2017.

Hervé Barmasse ist Italiener und begeisteter Kletterer. Letzeres war er nicht immer: in Jugendjahren gehört er zu den besten Skifahrern seiner Altersklasse, dann krempeln ein schlimmer Sturz und sieben Operationen sein Leben um. Sein Vater, der in seinem Leben stets eine große Rolle spielte, hilft ihm, sich neu zu finden, als er den Vorschlag macht, eine gemeinsame Winterbesteigung des Matterhorn zu unternehmen. Der Startschuss in ein neues, begeistertes Leben als Kletterer! So ist Barmasse seitdem in den Alpen und den großen Gebirgen der Welt unterwegs. Doch egal, ob ihm Neutouren in Pakistan, China oder Patagonien gelingen; er kehrt immer wieder zu seinem Berg - dem Matterhorn - zurück: 2014 gelingen ihm alle vier Grate innerhalb von 17 Stunden. Im Winter. Solo.

Barmasse lädt den Leser zu einem Ausflug in seine Seele ein: Ängste, Hochgefühle, Emotionen - all das macht das große Bergsteigen ebenso aus wie die gelungene Neuroute, die bezwungene Wand und auch die gescheiterte Expedition. Das Abenteuer ist es, was Barmasse sucht und für sich immer wieder neu definiert. "Das Bergsteigen sei nur deshalb nicht gescheitert, weil es junge Leute wie Hervé Barmasse gibt", so sagte einst Reinhold Messner über Hervé Barmasse. Ein Ritterschlag freilich und nach der Lektüre des Buches wird man wissen, was Messner mit diesem zweifelsohne passenden Ausspruch gemeint hat.

Hervé Barmasse sucht das ursprüngliche Abenteuer: eine wilde Wand, schwierige Bedingungen, am besten solo. Von derartigen Abenteuern erzählt der Autor packend, spannend, ehrlich und offen. So auch die grandiosen Bilder, die in mehreren Bildteilen das Buch ergänzen. Einen kleinen Einblick bekommt man auf der Verlagsseite. Ein schönes Interview, welches noch mehr Lust auf das Buch macht, ist auf bergsteigen.de zu lesen.

   

McDonald, Bernadette: "Der Weg zur Spitze" nach oben!

Hardcover, 432 Seiten, ISBN 978-3-906055-66-4
Preis: 34,90 €, AS-Verlag 2017. Eine Buchbeschreibung findet sich auf der Verlagsseite.

Was haben Ales Kunaver, Nejc Zaplotnik, Andrej Stremfelj, Viki Groselj, Stane Belak, Marjan Manfreda, Tomaz Humar und Tomo Cesen gemeinsam? Richtig: bei allen handelt es sich um begnadete Bergsteiger, die sich in die alpinen Geschichtsbücher eingetragen haben. Man könnte die Liste verlängern... Und allesamt sind Slowenen! Das ehemalige Jugoslawien hat eine Fülle starker Alpinisten hervorgebracht, viele bahnbrechende Expeditionserfolge an den großen Weltbergen gehen auf slowenische Expeditionen zurück: spektakulär die erste direkte Begehung des Everest-Westgrates 1979, die zweite Durchsteigung der Manslu-Südwand 1984, die erste Durchsteigung der Cho Oyu-Nordwand 1988, die Erstdurchsteigung der gewaltigen Dhaulagiri-Südwand 1999 durch Tomaz Humar - um nur wenige Beispiel zu nennen.

Die renommierte Alpinhistorikerin Bernadette McDonald, die mit "Klettern für Freiheit" auch schon die Klettergeschichte polnischer Bergsteiger ins Visier ihrer Recherchen genommen hatte, legt mit diesem Buch wieder ein akribisch recherchiertes und spannend zu lesendes Kapitel Alpingeschichte vor. Hautnah erlebt man als Leser die Strapazen mit, die die Bergsteiger durchleben und durchleiden. Misserfolge wie die nur knapp gescheiterte Expedition zur Lhotse-Südwand sind ebenso spannend zu lesen wie fantastische Erfolge, so eben z.B. 1979, als der Westgrat des Everest in voller Länge überklettert werden konnte. Doch auch hier zahlen die Slowenen einen hohen Preis für den Gipfelsieg. Nach der Lektüre des Buchs versteht man sicher auch mehr, was die Slowenen an derartig schwere Routen treibt und warum nicht nur die Polen viele "harte Jungs" hervorgebracht haben.

Eingebunden in die jeweiligen Gegebenheiten der aktuellen Staatsgeschichte Jugoslawiens und gespickt mit vielen spektakulären Fotos ist Bernadette McDonald wieder einmal ein ganz großartiges Bergbuch gelungen, welches in die Bibliothek eines jeden alpinhistorischen Lesers gehört. Endlich gibt es "Alpine Warriors" in deutscher Sprache!

   

Steinbach, Karin: "Das Ziel ist der Gipfel" nach oben!

gebunden mit SU, 216 Seiten, ISBN 978-3-7022-2812-5
Preis: 24,90 €, Tyrolia-Verlag 2017

"Er ist ein Perfektionist" - sagt niemand Geringerer über Peter Habeler als Bergsteigerikone Reinhold Messner. Und er muss es wissen: ihm gelangen mit Peter Habeler in den 60er und 70er Jahren spektakuläre Begehungen in den Alpen, in Südamerika, im Himalaya. Seinerzeit die beste Seilschaft der Welt: die Erstbesteigung des Mount Everest ist hier sicher die Tour, die für eine breite Bekanntheit auch außerhalb alpiner Kreise sorgte. Als die härteste, wichtigste Tour seines Lebens hat Peter Habeler die schwierige, lebensgefährliche Besteigung des Kantsch bezeichnet. Er war mit Michl Dacher auf dem Nanga Parbat, stand mit Marcel Rüedi auf dem Cho Oyu und setzte auch in den heimischen Alpen Marksteine. Seinen heimischen Zillertaler Alpen ist er hier stets treu geblieben. Inzwischen ehrenhalber zum Professor ernannt war er über Jahrzehnte hinweg Leiter der "Ski- und Alpinschule Mount Everest" und in vielen Ländern der Welt kletternd unterwegs. Hierbei kletterte das Multitalent Peter Habeler ebenso in den Big Walls des Yosemite wie in kombinierten Touren der großen Weltberge.
Im Juli 2017 feierte Peter Habeler seinen 75. Geburtstag und schenkte sich selbst zu diesem Anlass eine (erneute) Durchsteigung der Eiger-Nordwand; gemeinsam mit seinem Freund David Lama. 43 Jahre nach seinem Rekorddurchstieg mit Reinhold Messner, der über Jahrzehnte Bestand hatte.

Eine faszinierende Persönlichkeit ist es, die Karin Steinbach in vielen Interviews portraitiert und dem Leser feinfühlig nahebringt. Der Wechsel zwischen Interview und autobiographischen Kapiteln liest sich sehr kurzweilig und man lernt viele interessante Facetten dieses bodenständigen und bescheidenen Menschen kennen. Erstmals 2007 publiziert ist nun, zu Habelers 75. Geburtstag, eine erweiterte Auflage mit dem neuen Kapitel "Mit 75 Jahren immer noch aktiv" erschienen. Nunmehr "nur noch" als Genusskletterer unterwegs, gelingen Habeler immer noch schwere Touren, die er gerne mit Freunden wie Swami Prem Darshano oder Horst Fankhauser unternimmt. Auch hiervon erzählt Peter Habeler.

Viele tolle Fotos, die Habelers Leben und damit mehr als ein halbes Jahrhundert Alpingeschichte dokumentieren, runden das äußerst lesenswerte Buch ab!

   

Egger, Hans: "Lebensräume" nach oben!

gebunden, 143 Seiten, ISBN 978-3-702508708
Preis: 25,00 €, pustet-Verlag 2017

"Geologie zeigt, wie die Erde und das Klima funktionieren und welche Umweltbedingungen und Lebensräume auf diesem Planeten möglich sind" - ein Auszug aus dem Vorwort des Buches. Wie wahr! Und in keinem anderem Lebensraum wie im Gebirge zeigt sich die Geologie so vielfältig und so deutlich und ist so notwendig, um den Charakter eines Lebensraumes verstehen zu können.

Natürlich kann man Geologie nur dann wirklich begreifen, wenn man sie draußen in der Natur erlebt. Und so nimmt uns der Autor Hans Egger, seines Zeichens Leiter der Abteilung für Paläontologie und Stratigraphie an der Geologischen Bundesanstalt in Wien, mit auf eine Vielzahl von Exkursionen, die im Buch in die vier erdgeschichtliche Kapitel "Spätes Perm und Trias", "Jura und Kreide", "Paläogen und Neogen" (richtig: "Tertiär" sagt man nicht mehr) sowie "Quartär" gegliedert sind. Im Untertitel spricht der Autor zwar von "Ausflügen in die Erdgeschichte von Salzburg und Oberbayern", jedoch ist das Buch auch für jene geologisch interessierten Bergfreunde interessant, die abseits von Salzburg unterwegs sind: das Buch ist eine bunte Collage an geologischen Details: Egger geht auf die Paläogeographie ein, erläutert die Eigenarten der auftretenden Gesteine, berichtet über die auftretenden paläontologischen Befunde, erklärt die abgelaufenen sedimentologischen Prozesse. Wer sich der Lektüre des Buches öffnet, hat freilich auch in anderen Regionen der Alpen viel von den gut nachvollzeihbaren und verständlichen Ausführungen Eggers.

Viele gute Landschafts- und Aufschlussfotos (als "Aufschluss" bezeichnet der Geologe das anstehende Festgestein an der Erdoberfläche), Übersichtskarten und viele Tipps für alle, die die Exkursionsorte besuchen möchten, runden das Werk sehr gelungen ab. Eine große Übersichtskarte im Buchdeckel hilft bei der Organisation & Planung und zeigt die Lage aller 38 Exkursionspunkte. Ein schönes Buch für alle geowissenschaftlich Interessierten!

   

Schauer, Thomas: "Alpenblumen" nach oben!

broschiert, 144 Seiten, ISBN 978-3-8354-1726-7
Preis: 12,00 €, blv-Verlag 2017

Berge. Wandern. Natur: jedes Jahr zieht es Tausende und Abertausende Berg- und Naturfreunde in die Alpen, das größte und vielfältigste Gebirge Europas. Jeder Wanderer, Biker, Kletterer, ja sogar Paraglider und Trailrunner kommen so auf wunderbare Weise mit der Blumenwelt in Berührung. Sei es flüchtig, sei es ganz bewusst und intensiv. Und wo könnte die Blumenwelt vielfältiger und abwechslungsreicher sein, als in den Alpen: dicht an dicht grenzen hier verschiedene Klimazonen aneinander, dazu noch im Wechsel der Jahreszeiten.

Der vorliegende Führer, im praktischen Kleinformat für den Rucksack oder die Jackentasche, stellt alle wichtigen Alpenblumen in sehr übersichtlicher Weise vor: zunächst sortiert nach Blütenfarbe für die allererste Sortierung, dann nach Blütenform, findet man rasch die gesuchte Blume und kann sich hier zum Namen, zum Vorkommen, der Blüteperiode, Größe ect. informieren.

Besser als es jedes Foto könnte, werden die Blumen durch die großartigen Farbzeichnungen von Claus Caspari und seinem Sohn Stefan Caspari gezeigt, in denen jedes wichtige Detail zu finden ist: Blüte, Blattform, Stengel, Farben & Formen - so macht die Bestimmung der Alpenblumen Spaß und ist vor allem kinderleicht. Wer sich für die alpine Flora interessiert und auch gerne weiß, "wem" er da in Wald und Flur begegnet, der möge auf der nächsten Wanderung, dem nächsten Spaziergang dieses schöne Büchlein mitführen. Und wenn man einem eine Blume nicht in dem Buch finden sollte: nicht traurig sein, dass die Alpenblumenwelt vielseitiger ist, als dass sie sich auf 144 Seiten vereinen ließe.

   

Allmountain #6 nach oben!

kartoniert, 146 Seiten, ISBN 978-3-667-11102-9
Preis: 9,80 €, Delius Klasing-Verlag 2017. Eine Beschreibung ist auf der Verlagsseite bzw. hier zu lesen.

"Gewinn“ ist das Schwerpunktthema in der Frühlingsausgabe von Stefan Glowacz Magazin „AllMountain“, heuer schon in der 6. Ausgabe. Ein großes Thema! Gewinn an was? Gipfelglück? Selbsterkenntnis? Fitness? Beruflicher Erfolg? Das, was der Einzelne am Berg unter „Gewinn“ versteht, ist so verschieden wie die Akteure, die sich am Berg mit dem Berg auseinandersetzen. Ebenso facettenreich ist das Magazin wieder: so begleiten wir Ines Papert und ihr Team auf den schweren Fünftausender Kyzyl Asker, der nach zwei vergeblichen Versuchen endlich gelingt; wir bestaunen Chris Sharmas Fähigkeiten beim Deep Water Soloing; bekommen einen großartigen Einblick in die gar nicht mehr so neue Faszination des Extrem-Trailrunnings.

Doch beim Thema Gewinn geht es freilich auch um Zahlen: was kostet eine Fahrt aufs Jungfraujoch? Wieviel eine Everest-Besteigung? Besonders interessant und für mich eines der Magazin-Highlights ist hier der lange Artikel über die „Zahlenpäpstin“ des Himalaya – Liz Hawley, die seit Jahrzehnten die in Nepal stattfindenden Expeditionen dokumentiert und längst eine Institution ist.

Ein echter Gewinn für die sechste Ausgabe ist auch die Gesprächsrunde zwischen Epikur, Aristoteles, Reinhold Messner, Wolfram Eilenberger, Eugen Guido Lammer und Leo Maduschka.
Achja: so mancher Gewinn am Berg wäre sicher ohne die manchmal unabdingbaren Hardshell-Jacken ausgeblieben. Grund genug, sich diese High Tech-Wunder genauer anzusehen.

Also: es ist wieder einmal für jeden Geschmack etwas dabei!

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