Meine Top 15-Neuerscheinungen auf dem Alpinliteratur-Markt:

Natürlich ist die Liste der im Handel erhältlichen Bücher zu alpiner Literatur fast endlos. Und selbstverständlich ist die Fülle der neu veröffentlichten oder aufgelegten Bücher ebenfalls riesig. Daher gibt es hier stets nur eine kleine Auswahl an neuen Büchern, die sich dafür aber auch sicher lohnen dürften. Natürlich liegt auch hier der Schwerpunkt gemäß meinem eigenen Interesse auf den großen Bergen der Welt. (Sortierung: innerhalb des Erscheinungsjahres in der Reihenfolge der Rezension.)
Übrigens: weitere Besprechungen kann man - nach Jahren sortiert - hier suchen.

Links zu den letzten 15 Buchbesprechungen:

Ruhland, Michael: "Bergmenschen" nach oben!

Hardcover, 224 Seiten, ISBN 978-3-95416-310-6
Preis: 34,99 €, Frederking & Thaler 2019. Impressionen von der Buchpräsentation.

Menschen, die den Bergen verbunden sind, haben soviele Motivationen, in die Berge zu gehen, wie es eben BERGmenschen gibt. Und jeder Grund hat sicher seine Faszination. Michael Ruhland, Chefredakteur der Zeitschrift "Bergsteiger", hat sich, auch mit Kollegen, 30 Akteuren der Berge genähert und diese in Form von sehr persönlichen Intervewies portraitiert. Dabei geht es um Schicksalsschläge, Erfolge, Angst, Glück, Erfahrungen und Motivationen mit dem und am Protagonisten "Berg". Viele große Namen sind dabei, die im Buch, je nachdem, mit welchem Schlagwort sich die alpinistische Karriere gut beschreiben lässt, den Gruppen "Aufbruch", "Wagnis", "Demut", "Liebe", "Enttäuschung" und "Ankommen" zugeordnet sind.
Das Spektrum der Portraits ist groß: Namen wie Reinhold Messner, Kurt Diemberger oder Bernd Kullmann stehen in "Ankommen" für die großen Alpinkarrieren vergangener Jahrzehnte; Alix von Melle und Luis Stitzinger geben sich in "Liebe" ein Stelldichein; Adam Ondra, die Huberbuam oder Robert Jasper kann man sich in "Aufbruch" nähern; die leider viel zu früh verstorbenen David Lama, Hansjörg Auer und Ueli Steck lassen in "Wagnis" einen Blick in ihr Innerstes zu usw. Tiefgründige, ehrliche Einblicke, die faszinieren und Lust auf den nächsten eigenen Ausflug in die Berge machen.
Doch auch "Nichtprofis" wie Politiker Heiner Geißler, Schauspieler Rufus Beck und die ladinisch singenden Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen erklären ihren Zugang zu den Bergen und erklären, warum Berge wichtig in ihrem Leben sind. So entsteht ein vielschichtiger Blick auf die Beziehung zwischen Mensch und Berg, der viele Fragen beantwortet und doch auch viele Fragen offen lässt. Gut so!
Toll ist das reichhaltige, faszinierende Bildmaterial im Buch, zeitgenössische Aufnahmen ebenso wie aktuelle Fotografieen. Herausragend sind hier natürlich die ausdrucksstarken Portraits von Fotograf Christoph Jorda, die tief in die Seele blicken lassen. Das Vorwort schrieb Stephan Siegrist, seines Zeichens einer der besten Allround-Alpinisten der Welt.

   

McDonald, Bernadette: "Die Kunst der Freiheit" nach oben!

Hardcover mit Umschlag, 399 Seiten, ISBN 978-3-906055-78-7
Preis: 34,90 €, AS-Verlag 2019.

Schon das Cover des Buches verspricht Großes: ein Portrait des berühmten Voytek Kurtyka, darunter die von ihm (und Robert Schauer) erstmals durchstiegene, gewaltige Gasherbrum IV-Westwand und in der Mitte: Bernadette McDonald als Autorin. Das kann nur hochinteressant werden!
Doch von vorne: Wojciech "Voytek" Kurtyka, 1947 in Polen zur Welt gekommen, gehörte über viele Jahrzehnte zur engen Weltspitze der großen Höhenbergsteiger. Alpinistisch in der heimischen Tatra und später im Hindukusch groß geworden, wagt sich Kurtyka seit nunmehr über vierzig Jahren immer wieder an die schwierigsten und höchsten Berge unserer Erde: Changabang, Dhaulagiri, die Gasherbrum´s, Nameless Tower usw. Dabei steht nie der reine Gipfelerfolg im Vordergrund, sondern der elegante, schwierige, oft auch neue Weg. Mit dabei sind stets gute Freunde bzw. Wegbegleiter aus der Weltelite der Alpinisten wie Alex MacIntyre, Jerzy Kukuczka, Wanda Rutkiewicz, René Ghilini, Robert Schauer oder Erhard Loretan. Das manchmal nicht einfache Verhältnis zwischen derart starken Charakteren ist interessant zu lesen. Als Vertreter der polnischen Bergsteigerszene ist auch Kurtyka ungemein zäh, ausdauernd und in gewisser Hinsicht auch kompromisslos am Berg - was ihm die entsprechenden Erfolge beschert und wovon man sich vielleicht nach der Lektüre des Buches eine kleine Scheibe abschneiden kann.

Bernadette McDonald, die sich ja schon mehrfach der osteuropäischen Alpinistenszene gewidmet hat, ist durch ungeheure Akribie bei der Recherche dem sympathischen und stillen Star so nahe gekommen, wie es noch nicht zu lesen war. In vielen Interviews mit Voytek und zahlreichen Freunden und Expeditionskameraden war es ihr möglich, ein faszinierendes Bild des Ausnahmebergsteigers zu zeichnen. Kurzweilig zu lesen begleiten wir dabei nochmals Kurtyka an die schwierigsten und exotischsten Gipfel der Welt und können verstehen, was ihn immer wieder in lebensgefährliche Situationen trieb. Ergänzt durch die Möglichkeit, in so manches Fotoarchiv schauen zu dürfen, entsteht ein sehr lesenswertes Portrait, nicht zuletzt durch die sehr gute Übersetzung von Robert Steiner, der auch schon die AS-Publikationen "Der Weg zur Spitze" und "Klettern für Freiheit" von Bernadette McDonald aus dem Englischen übersetzte.

   

DAV, OeAv &AVS: "Berg 2020" nach oben!

Hardcover, 256 Seiten, ISBN 978-3-7022-3810-0
Preis: 20,90 €, DAV 2019,
Vertrieb über den Tyrolia-Verlag. Infos inkl. Leseproben unter https://www.tyroliaverlag.at/list/9783702238100

Mit Berg 2020 kommt heuer der 144. Band des traditionsreichen AV-Jahrbuchs auf den Markt und hält für den Leser wieder eine Menge an Informationen, Berichten, Interviews ect. bereit:

Der Gebietsschwerpunkt BergWelten widmet sich in der neuesten Ausgabe dem Arlberg-Gebiet: als eines der promminentesten Skigebiete Tirols ist der Arlberger Skizirkus, heute wie damals, natürlich in diversen Artikeln Thema. Los geht´s aber mit der "Arlberger Sommerfrische". Im BergFokus steht mit "Eis" ein aktuelles Thema auf der Agenda: Eis als Lebensraum; Eisklettern im Laufe der Zeit; die Symbiose Berg und Eis und die Frage "was kommt, wenn das Eis geht" - der Klimawandel offenbart sich in keinem Lebensraum so deutlich wie im Hochgebirge!
In BergSteigen widmet sich Paul Mair dem extremen Eisklettern und auch Eiskletter-Profi Robert Jasper kommt hier zu Wort. Ein Höhepunkt in diesem Kapitel ist natürlich wie jedes Jahr die Alpinismus-Chronik von Max Bolland, die wieder mit vielen spektakulären Highlights rund um den Globus aufwartet. In BergMenschen kommt unter anderem Laura Dahlmeier zu Wort: die erfolgreiche Biathletin im "Ruhestand", die nun als Bergläuferin Schlagzeilen macht. Doch was wäre das Jahrbuch, wenn man nicht völlig Neues lesen und lernen würde: oder haben Sie schon einmal von Theodor Christomannos gehört?
BergWissen portraitiert die zwölf wichtigsten Alpenvögel: Alpendohle, Steinadler & Co. geben sich ein Stelldichein, bevor es am Beispiel Patagonien abermals um den Klimawandel geht. Ein kartographischer Exkurs zum Mount Kenya entführt den Leser nach Afrika, bevor Pit Schubert aus Zeiten des Kalten Krieges plaudert. BergKultur wird von Jürgen Winkler und seiner Sicht auf neue Bergerschließungsmethoden wie der Errichtung von sogenannten Skywalks eröffnet, bevor Silvia Schmid die Entwicklung des deutschsprachigen Bergfilms beleuchtet: Ertl, Trenker, Fanck, Baur, Hiebeler: ein langer Weg von "Der Berg ruft" bishin zu modernen Werken wie Kammerlanders Biographie "Manaslu".
Natürlich gesellen sich zu den genannten Artikeln eine Vielzahl weiterer Aufsätze und eine Unzahl von Farbabbildungen runden das Jahrbuch in gewohnter Weise zu einem äußerst lesenswerten Werk ab, in dem jeder Berginteressierte eine Fülle an Informationen & Kurzweil findet.

   

Mooslechner, Walter: "Gebirgswasser - Schnee und Eis" nach oben!

Hardcover, 190 Seiten, ISBN 978-3-7025-0955-2
Preis: 25,00 €, Verlag Anton Pustet 2019

Wasser! Der Stoff auf unserer Erde schlechthin, der einzige Stoff, der in der Natur im festen, flüssigen und gasförmigen Aggregatzustand auftritt. Der Stoff, dem die Erde das Prädikat "der blaue Planet" verdankt. Und gerade im Gebirge tritt das Wasser in so vielen verschiedenen Erscheinungen zutage: als kleiner Gebirgsbach, als Wasserfall, als Schnee- und Firnfeld, als Moorbildner, als Lawine und Gletscher, als Lebensspender, als Geländebildner und als zerstörende Kraft. Sei es "zahm" im Rahmen der allgegenwärtigen Erosion, sei es in Form von Überschwemmungen. Und letztlich ist es doch auch lebenswichtiges Lebensmittel.

Walter Mooslechner ist als pensionierter Förster im Gebirgsland Österreich in seinem Leben mit allen Spielarten des Gebirgswassers in Berühmrung gekommen und hat seine Erfahrungen in seinem neuesten Buch gesammelt: in vielen einzelnen Kapiteln widmet er sich der kleinen Gebirgsquelle ebenso wie der alpinen Lebewelt, wie dem alpinen Skisport, wie heißen Quellen, Eishöhlen, Gletscherseen und vielem mehr. Unüberlesbar ist Mooslechners riesiger Wissens- und Erfahrungsschatz, den er gerne mit seinen Lesern teilt und weitergibt. Auch, um sensibel zu machen für diese einzigartige Ressource der Natur: der Klimawandel wird dem Wasser in den Bergen ein Schicksal bescheren, was noch gar nicht in Details absehbar ist. Umso wichtiger, dass wir sorgsam mit der Natur und seinem Wasser sorgsam umgehen. Die Nachricht, die Botschaft kommt an!

Das Buch ist durchgehend farbig bebildert und mit zig beeindruckenden Fotografien versehen, sei es die Eiskogelhöhle, ein scheuer Schneehase, die wilde Liechtensteinklamm (hierzu existiert vom Autor ein seperates Buch, ebenfalls im Pustet-Verlag erschienen) oder schlicht ein wunderschöner Schneekristall: Walter Mooslechners Buch ist eine äußerst lesenswerte Hommage an das blaue Element! An sich ein überfälliges Thema, welches nun wunderschön erarbeitet wurde.

   

Messner, Reinhold: "Rettet die Berge" nach oben!

gebunden, 127 Seiten, ISBN 978-3-710900716
Preis: 10,00 €,
Benevento-Verlag 2019. Eine Buchbeschreibung ist auf der Verlagsseite zu lesen.

Schon vor über zwanzig Jahren prangerte Reinhold Messner in seinem Altwerk "Berg Heil - heile Berge?" die Art und Weise an, wie wir mit unserer Berglandschaft umgehen. Und nun, mit 75 Jahren, wird Messner nicht müde, diesen Appell nochmals lautstark zu bekräftigen und in unsere heutige Zeit zu definieren. Freizeitanlagen, Skitourismus, Bergbahnen, riesige Showevents auf Berggipfeln, Mountainbiker und E-Biker, Möchtegernbergsteiger usw. allerorten. Berge boomen. Wandern boomt. Und was des einen Freud ist des anderen Leid. Leiden tut vor allem die Natur! Erhabenheit der Natur? Ja! Wildheit der Natur? Nein, es gibt doch eine Infrastruktur mit Seilbahnen, Bergwacht und Straßen.

Messner prangiert sehr deutlich und zu Recht an, dass wir den Respekt vor der Natur verlieren, dass es uns an Ehrfurcht vor der wilden Bergwelt fehlt. Tourismus in den Bergen "ja", aber nicht zu den heutigen Bedingungen. Messner gelingt es, dass sich auch der Leser, jedes einzelne Individuum fragen muss, was man selbst zum Schutze der Natur tun kann. Ein klein wenig mehr "archaische" Natur, so wie sie Messner oft fordert, wäre sicher nicht zuviel verlangt. Braucht es wirklich jeden Skilift, jede Bergbahn, jeden neuen großen Wanderparkplatz, neue, breite Wege, neue PKW-Möglichkeiten? Wäre unbequemer nicht schöner, ehrlicher? Kein Zweifel, Messners Texte regen zum nachhaltigen Nachdenken an. Nutzen wir diese Chance! Der berühmt gewordene Slogan "There is no planet B" gilt wohl auch besonders für den sensiblen Lebensraum "Berg".

Die hinteren gut zwanzig Seiten sind einem ausführlichen Interview mit Reinhold Messner gewidmet, wo der Alpinist und Abenteurer Rede und Antwort zu Themen wie Angst, Überleben, Freiheit und Ausgeliefertsein steht. Wieder offen, ehrlich und ungefiltert - das macht Messner authentisch und glaubwürdig in seinem Appell! Ein kritisches Messner-Werk, wie es sich für 2019, für Zeiten (hoffentlich) großen Wandels gehört.

   

Kalender: "Wanderlust 2020" nach oben!

Spiralbindung, 13 farbige Blätter, ISBN 978-3-667-11479-2
Preis: 34,90 €, Delius-Klasing 2019. Vorschaubilder gibt es auf www.delius-klasing.de/wanderlust-2020-11479

Wer gerne in den Bergen wandert hat doch meist das ganze Jahr über Lust auf das "Aktiv-sein" in, an und auf seinen Lieblingsbergen. Mir geht es jedenfalls so... Und wenn man nicht gerade in den Bergen wohnt und sich die Berge auf den jährlichen Urlaub beschränken, ist das restliche Jahr mit Sehnsucht, Touren-Planung und nochmal Sehnsucht vollgepackt.
Schön, wenn man sich da in Form eines großformatigen Wandkalenders (67,5 x 47 cm) ein Jahr lang ein monatlich wechselndes schönes Motiv an die heimischen Wände zaubern kann. Wer schon einen freien Platz hat, es lohnt auch jetzt schon, den Kalender "Wanderlust 2020" aufzuhängen: das Titelmotiv ist bereits mit dem herrlichen Blick auf die Königin des Allgäus, die Höfats, spektakulär und der Kalendertitel "Wanderlust" passt natürlich super.

Bekannte Landschaftsfotografen wie Dan Patitucci und andere fangen hier grandiose Landschaftsmomente ein, die Lust auf das Unterwegssein in der Natur machen: surreale Felsformationen in Schottland, die Eisriesen im Khumbu-Himalaya, der berühmte Brienzergrat in der Schweiz, der unglaubliche Risco-Wasserfall auf Madeira, die Wüste Namibias, der Half Dome im Yosemite Valley in den USA und eben auch die Allgäuer Alpen - bei jedem Motiv bekommt man Wanderlust, Urlaubslust, Lust auf Aktivität in der Natur!

Mit Hilfe der kurzen Beschreibungen zu jedem Motiv bekommt man einen ersten Eindruck von der Tour, während der das Bild entstanden ist. So gestaltet sich der Start in eine eventuelle Tourplanung leichter.
Achja: der Kalender wurde von der Jury des "Gregor Publisher Calendar Award" 2019 mit Bronze ausgezeichnet. Für mich deckt sich das 1:1 mit dem Eindruck, den der Kalender (nachdrücklich) bei mir hinterläßt.

   

Messner, Reinhold: "Absturz des Himmels" nach oben!

gebunden, 416 Seiten, ISBN 978-3-10-397450-8
Preis: 24,00 €,
S Fischer-Verlag 2019. Eine Buchbeschreibung ist auf der Verlagsseite zu lesen.

Willo Welzenbach (1899-1934), der Eispapst, so wie er einst in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts genannt wurde, weil kein anderer wie er Eiswände der West- und Ostalpen sammelte. Er war zweifelsfrei einer der besten Bergsteiger seiner Zeit. Sein großes Ziel wird der Nanga Parbat, doch die Bergsteiger-Lager im Deutschland jener zeit sind gespalten: der getreue Nationalsozialist Paul Bauer intregiert Welzenbachs Plan, der erst 1934 unter Willy Merkls Leitung zum Nanga kommt. Es kommt zur Tragödie, unter anderem stirbt auch Willo Welzenbach in einem infernalischen Höhensturm.
Es ist eine spannende aber eben auch intregante Zeit: Paul Bauer, Willy Merkl, Willo Welzenbach, Peter Aufschnaiter, Erwin Schneider - alle klangvolle Namen, wenn es um die Früherschließung des Himalayas geht. Und wohl auch aufgrund des frühen Todes ging der Name Welzenbach zu schnell für das breite Publikum unter. Reinhold Messner kennt die Alpingeschichte und natürlich den Nanga Parbat wie kein Zweiter, weiß seit Jahrzehnten, wie man packende Bücher schreibt. Doch für die "Akte Welzenbach" holt er sich mit Dr. Anton Schwembauer wertvolle Hilfe, der ihm Zutritt zu einer Vielzahl von fast vergessenen, persönlichen Dokumenten und Briefen verschafft. Diese kann Messner gekonnt nutzen, um eine spannende Geschichte zu erzählen: die Geschichte eines begnadeten Bergsteigers, der nicht nur gegen die Unbilden der Natur ankämpfen muss, sondern auch gegen die Unbilden des damaligen politischen Regimes, für die eine Bergbesteigung eine Machtdemonstration eines überlegenen Volkes war.

Messner gelingt es meiner Meinung nach ausgezeichnet, sich hier mit persönlichen Meinungen etwas zurückzuhalten und die Dokumente, die er sichten durfte, für sich sprechen zu lassen: einzigartige Dokumente einer spannenden Zeit im deutschen Bergsteigen, die, gepaart mit Messners Sachkenntnis und Erfahrung, lebendig werden. Mittels dieser vielen Briefe, Tagebuchzitate usw. taucht der Leser in eine fast hundert Jahre alte Vergangenheit ein und spürt den damaligen Machtkampf zwischen Staat, DAV und Bergsteiger. Zahlreiche Schwarzweißbilder aus Welzenbachs bewegenden letzten zehn Lebensjahren runden das Buch sehr gelungen ab.

Für mich ist diese Epoche eine der interessantesten Abschnitte, wenn man sich für Alpinhistorie begeistert. Daher eine klare Kaufempfehlung!

   

Seitlinger, Gabriel: "Salzburg Summits" nach oben!

Broschur, 368 Seiten, ISBN 978-3-7025-0929-3
Preis: 24,00 €, Verlag Anton Pustet 2019.

Seven Summits, Second Second Summits, German Summits, Salzburg Summits: die höchsten Berge einer jeweiligen Region, eines jeweiligen Landes zu besteigen ist en vogue. Warum nicht: man bereist seine Umgebung und man kommt mit Landstrichen in Kontakt, die man sonst vielleicht nicht bereisen würde. Nun ist natürlich Salzburg und sein Umland so oder so eine Reise allemal wert, also liegt es nahe, auch hier einen derartigen Führer zu platzieren.

Ganze 119 Ziele sind es, wenn man sich den höchsten Punkten der jeweiligen Gemeinden des gesamten Bundeslands Salzburg annimmt: eine große Aufgabe, der sich Gabriel Seitlinger , seines Zeichens Hochgebirgsgeograph, erfolgreich gestellt hat. Vielleicht ist das ja auch das Erfolgrezept solcher Projekte: es gibt, so auch in Seitlingers Band, leichte Ziele und schwere, kurze und längere Gipfeltouren, bekanntes und unbekanntes Terrain, niedrige Gupfe (es geht los bei 445 m) und hochalpine Ziele zu erleben: der Großvenediger ist mit 3657 m das sprichwörtliche Highlight in diesem Buch.

Dabei ist es ganz gleich, ob man sich den "Landmarken" oder Gipfeln mit dem (Mountain)Bike, auf Ski oder per pedes nähern möchte: es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Dabei ist das Buch durchgehend farbig bebildert und mit allen nötigen Informationen wie Anstiegsbeschreibung, Kartenskizzen ect. versehen, damit man gleich losstarten kann. Und wer nicht so recht weiß, wo man anfangen soll: eine Liste mit allen "Startgemeinden" und jeweiligen Gipfeln ist auch vorhanden. Damit viel Spaß beim Naturerlebnis "Salzburg"!

   

Synnott, Mark: "Free solo im Yosemite" nach oben!

Hardcover, 480 Seiten, ISBN 978-3-7112-0007-5
Preis: 24,00 €, Bergwelten-Buch 2019.

Alex Honnold ist 33 Jahre alt, ein Sunnyboy und… einer der besten, wenn nicht derzeit der beste Big Wall-Kletterer der Welt, gewann u.a. 2015 den Piolet d´Or. Bekannt und hochgeachtet ist Honnold in der Kletterszene schon lange, doch sein absolutes Masterpiece lieferte er am 3. Juni 2017 ab, als er nach langer Vorbereitung am El Capitan im Yosemite-Valley die schwere Route „Freerider“, die er zehn Jahre zuvor als 21-jähriger an einem Tag durchstieg, als erster Kletterer free-solo durchsteigen konnte: 1000 Meter steilster und schwierigster Granit (Grad IX / IX+ nach UIAA), die der bekannte Speedkletterer noch dazu in unglaublichen 3:56 Std. durchsteigen konnte. Profikletterfreund Tommy Caldwell spricht gar von der „Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“. Meiner Meinung nach nicht übertrieben!

Zugegeben: anfangs ist man eventuell etwas enttäuscht: kein einziges Bild von dieser wahnwitzigen Kletterei. Aber: das Buch ist so fesselnd geschrieben, dass es einem dem Atem rauben kann, dass man das Buch zur Seite legen muss, um sich seine verschwitzten Hände zu trocknen. Da braucht es keine Bilder, die gibt’s im Netz zur Genüge. Das Buch erzählt zudem die ganze Geschichte: wie bereitet man sich auf eine solche Extremsituation vor? Wie tickt ein solcher Alex Honnold mental und hat in der Route keinerlei Angst? Was ging in Alex´ Karriere an schweren Touren voraus, bis man sich an diesen Grenzgang wagen konnte? Mark Synnott blickt in die Seele Honnolds und schaut hinter die Fassaden diesen Extremsports. Das Buch ist damit eine großartige Ergänzung zum Film „Free Solo“, der die Tour filmisch dokumentiert und 2019 den Oskar für den besten Dokumentarfilm gewann!

Nachtrag: ein Jahr später, 2018, konnte Honnold die berühmte „Nose“ am El Cap in unglaublichen 1:58 Std. durchsteigen. Er scheint auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit angekommen zu sein!

   

Funk, Gaby: "Wanderungen für Langschläfer - im Allgäu" nach oben!

broschiert, 126 Seiten, ISBN 978-3-862-46580-4
Preis: 14,99 €, J.Berg-Verlag 2019

Das Allgäu ist eines der beliebtesten Bergregionen im deutschen Alpenraum. Jährlich zieht es Tausende Urlauber in die schönen Berge zwischen Oberstaufen, dem Tannheimer Tal, Oberstdorf und dem Kleinwalsertal. Die Meisten haben es auf Wandertouren abgesehen, aber nicht jeder möchte im Hochsommer von früh bis spät unterwegs sein. Gaby Funk, langjährige „Wahlallgäuerin“, hat sich daher 35 Halbtagestouren herausgesucht, die es ebenso wert sind, gewandert zu werden, wie eine ausgewachsene Tagestour.

Natürlich fallen die „großen“ Ziele wie Hochvogel, Heilbronner Weg, Krottenkopf usw. weg, doch das Allgäu bietet so viel an reizvollen und idyllischen Zielen: das Riedberger Horn in der Hörnergruppe, diverse Wanderungen in der Nagelfluhkette, der Laufbacher Eck-Weg, die Willersalpe bei Hinterstein, der Hohe Ifen, der Aggenstein oder die Zinken-Sorgschrofen-Überschreitung sind nur einige Vorschläge, zwischen denen man die Wahl hat.

Gewohnt erfahren schildert Gaby Funk alles Wichtige zu jeder Tour, ergänzt um kurze Steckbriefe mit allen erforderlichen hard facts wie Höhenmeter-Angaben, Gehzeit usw. Daneben erleichtert eine kleine, farbige Karte die Orientierung hinsichtlich des Wegeverlaufs. Schöne Fotos von der Strecke geben einen ersten Eindruck ins jeweilige Landschaftsbild.

Das Buch ist damit ein toller Ideengeber für alle Allgäubegeisterten, die kürzere, entspanntere Touren bevorzugen. Der Großteil der Touren bewegt sich hinsichtlich der Gehzeit in einem Rahmen von zwei bis vier Stunden. Da bleibt die andere Tageshälfte für Freibad oder Anderes.

 

Kauer, Wolfgang: "Felsbilder der Alpen - Motive im internationalen Vergleich" nach oben!

Hardcover, 288 Seiten, ISBN 978-3-7025-0932-3
Preis: 28,00 €, Verlag Anton Pustet 2019

Der Salzburger Wolfgang Kauer, in erster Linie Schriftsteller im Bereich Prosa und Lyrik, hatte 2017 mit seinem Buch „Felsbilder der Ostalpen“ einen wegweisenden Band zur Identifizierung und Deutung von Felsbildnissen im Ostalpenraum geliefert. Nun spannt Kauer den Bogen bedeutend weiter, war im gesamten Alpenraum zwischen den französischen Seealpen, der südlichen Schweiz, Norditalien und Österreich unterwegs, um etliche Felsbilder aufzunehmen, zu deuten, chronologisch einzuordnen und in prähistorische Kontexte zu setzen. Auch völlig neue Funde sind hierunter und damit in diesem Buch erstmals überhaupt geschildert.

Doch nicht nur das, ferner gelingt es Kauer, Einflüsse aus Bereichen fernab der Alpen, wie zum Beispiel aus Griechenland oder Ägypten, mit in die Interpretation hineinfließen zu lassen. So werden Götter in Menschen- oder Tiergestalt wieder wach und auch die Rolle des heute nicht mehr weiter beachteten Mondes wird dem Leser verständlich nahe gebracht.

Mit den ungezählten, durchgehend farbigen Bildern, entsteht hier, in Kombination mit dem Werk von 2017, ein bedeutendes Nachschlagewerk für alle, die sich für prähistorische Überlieferungen oder einfach nur für die Frühgeschichte der Menschheit im Alpenraum interessiert. Eine literarische Zeitreise in lang zurückliegende Epochen der menschlichen Frühzeit.

Da die Spurensuche Wolfgang Kauer in viele verschiedene Alpenländer trieb, liegen die Resümees auch in italienischer, französischer und englischer Sprache vor.

 

Hainz, Christoph: "Nur der Berg ist mein Boss" nach oben!

Hardcover mit Umschlag, ISBN 978-3-7022-3753-0
Preis: 24,95 €, Tyrolia-Verlag 2019. Eine Leseprobe gibt es auf www.tyroliaverlag.at

Was passiert, wenn sich ein begnadeter Bergsteiger und ein Alpinhistoriker & erfahrener Publizist an einen Tisch setzen? Es entsteht ein tolles Buch über einen der allerbesten Allround-Alpinisten, die es derzeit gibt: Christoph Hainz.
Seit Jahrzehnten gehört der Südtiroler zur absoluten Weltspitze der Bergsteiger und dabei ist es völlig egal, ob es um schnelle Wiederholungen klassischer Alpentouren oder schwierige Erstbegehungen im Himalaya geht: Hainz nimmt sich seiner selbst gewählten Herausforderungen stets mit vollem Engagement an, um sie dann voller Begeisterung umzusetzen oder auch das Scheitern als wichtigen Schritt der eigenen Weiterentwicklung zu sehen.
Christoph Hainz erzählt in seinem neuen Buch jedoch nicht nur über alpine Großtaten, sondern auch, und das ist meiner Meinung nach noch lesenswerter, über seine Kindheit, seine Jugendjahre, seine Entwicklung zum Alpinisten. Natürlich werden seine alpinen Ausrufezeichen, die er so beeindruckend setzen konnte, ebenfalls thematisiert, so zum Beispiel seine Erfahrungen an der Großen Zinne, seine Solotour am wilden Fitz Roy in Patagonien oder seine schwere Erstbegehung mit Hans Kammerlander am indischen Shivling. Zuhause fühlt er sich jedoch in den heimischen Dolomiten und erzählt auch, warum dies so ist.
Anders als viele andere Spitzenbergsteiger ist Christoph Hainz auch seinem Beruf als Bergführer treu geblieben und übt diesen regelmäßig aus. Ein ganz Großer, der dennoch am Boden der Realität geblieben ist. Auch das macht den Autor so symphatisch und das Buch, ehrlich und offen geschrieben, kurzweilig und lesenswert.

Viele spektakuläre Fotos runden das Buch ebenso ab wie das Vorwort von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der ebenfalls bergbgeistert ist und seine Sicherheit am Berg schon des Öfteren in die Hände bzw. ans Seil von Christoph Hainz legte. Das letzte Wort im Buch hat Freund und Seilpartner Hans Kammerlander, auch dies lesenswert.

   

Neuhold, Thomas: "100 große Gipfelziele" nach oben!

broschiert, 224 Seiten, ISBN 978-3-7025-0931-6
Preis: 22,00 €, Verlag Anton Pustet 2019.

Thomas Neuhold hat in seinem bisherigen Leben viele Gebirge bereist und kehrt doch im Herzen immer wieder in die Alpen zurück. Hier hat er bereits mehrere Führer geschrieben und stellt nun in seinem neuesten Band 100 große Gipfelziele und damit namentlich etliche Klassiker der Ostalpen vor: viele Berge der Leoganger Steinberge, des Gosaukamms, der Dachsteingruppe, des Tennengebirges, der Ankogelgruppe, des Kaisergebirges, der Hohen Tauern usw. werden vorgestellt.

So finden sich Portraits von Hochstaufen, Hoher Göll, Watzmann, Hochkalter, Birnhorn, Hochkönig, Großer Priel, Dachstein, Ankogel, Kitzsteinhorn, Wiesbachhorn, Hohe Dock, Ellmauer Halt und nicht zuletzt auch der Großvenediger und der Großglockner. Daneben 85 weitere Gipfelziele von leicht bis anspruchsvoll, von kurz bis lang, die alle gleichermaßen und dadurch übersichtlich aufbereitet sind: Foto, farbige Karte, Hinweise zur Schwierigkeit (die nicht rein subjektiv ist, sondern Angaben zu diversen Schwierigkeitsskalen macht), zum Aufstiegsweg, zur Ausrüstung sowie zu Einkehrmöglichkeiten und alternativen Anstiegen gehören zu jeder Tour.

Mit einem kurzen einleitenden Teil und einer Übersichtskarte, wo man welchen Gipfel findet, ist das Buch ein vielseitiger und aufgrund des kleinen Formats auch für Jackentasche oder Rucksack geeigneter Ratgeber.

   

Schimke, Helma: "Über allem der Berg" nach oben!

Hardcover, 264 Seiten, ISBN 978-3-7112-0002-0
Preis: 22,00 €, Bergwelten-Buch 2019.

Helma Schimke war eine Powerfrau der 50er und 60er Jahre: sie gehörte zu den besten Kletterinnen ihrer Zeit, war erfolgreiche Architektin, Mutter dreier Kinder und liebevolle Ehefrau. Doch bevor sie mit ihrem Mann Konrad zum großen gemeinsamen Ziel, dem Diran, aufbrechen konnte, geschah die Katastrophe. Ihr Mann und zwei Begleiter kamen beim Versuch einer Winterdurchsteigung der Watzmann-Ostwand in einer Lawine ums Leben. Die Tragödie sowie die vergeblichen Rettungsversuche, an denen sich unter anderem der Salzburger Spitzenbergsteiger Marcus Schmuck (Erstbesteiger des Broad Peak), ein guter Freund des Paares, beteiligte, sind ebenso zentraler Bestandteil des Buches wie die Schilderung des Weges zurück von Helma Schimke in ein geordnetes Leben.

Helma Schimke tut dies in ihrem unnachahmlichen Stil einer alpinen Grand Dame: eloquent, ehrlich, offen und mit sehr viel Gefühl: man leidet mit, als Helma die Tage der Ungewissheit bzw. zur bitteren Wahrheit schildert. Umso besser fühlt man sich als Leser, wenn man erfährt und lesen darf, wie sich Helma Schimke ihre alpinen Träume trotz ihrer neuen Rolle als alleinerziehende Mutter nicht nehmen lässt - entgegen aller kritschen Stimmen, die hier auf sie hereinprasseln. Auch durch die Einbindung ihrer Erinnerungen an Konrad und an die gemeinsamen Tage am Berg lässt sich Helmas Entscheidung, hier gegen den damaligen Mainstream zu schwimmen, gut verstehen.

Helma Schimke starb am 7. April 2018 in ihrer Heimatstadt Salzburg. Mit gleichnamigen Titel ist 2002 von Ulrike Gschwandtner und Annette Mäser eine schöne Filmdoku über Helma Schimke erschienen. Ulrike Gschwandtner verstarb leider 2007 am Gasherbrum II, doch Annette Mäser konnte dafür sorgen, dass der Schimke-Klassiker wieder aufgelegt werden konnte.

   

Czerny, Marlies: "4000er Leben" nach oben!

Hardcover, 272 Seiten, ISBN 978-3-7112-0000-6
Preis: 22,00 €, Bergwelten-Buch 2019.

2011: Marlies Czerny hat Blut geleckt: 2011 ist sie mit ihrem Bergpartner im Wallis und hat sich ein Ziel gesetzt, wie es sich viele Bergsteiger setzen: einmal auf einem Viertausender stehen. Die magische 4000 m-Marke übersteigen! Bescheiden ist Marlies nicht, besteigt gleich den gut 4500 m hohen Dom, der ein eher anspruchsvoller Berg ist, vergleicht man die Normalanstiege auf die 4000er. Die Besteigung gelingt und für Marlies ist klar: da geht noch was: der Kurztrip in die Westalpen wird um die Besteigung des höchsten Alpengipfels, des Mont Blanc ergänzt. Mit Leidenschaft und viel Herz erzählt Marlies von diesen ersten Erfahrungen ebenso wie von ihren vielen weiteren Reisen in die Westalpen, denn: es sollen alle anderen achtzig Viertausender in den nächsten Jahren folgen.

Es folgen viele spannende Bergabenteuer, manchmal heiter, manchmal erschütternd, mal dramatisch, mal einfach nur schön! Doch die Begeisterung, mit der Marlies in die Berge geht, spürt man auf jeder Seite. Und wie wenig doch für echtes Glück notwendig ist, in einer Welt fernab von Fernsehen, Social Media und Internet. Eine ganz andere Motivation als seinerzeit Karl Blodig. Kein Wunder, dass keine Geringere als Gerlinde Kaltenbrunner, die Marlies schon seit Längerem kennt, das Vorwort geschrieben hat und letztlich auch Marlies zu diesem Buch ermunterte.

Großartige Bilder dokumentieren die Unternehmungen von Marlies Czerny und entführen den Leser in eine großartige Natur, die doch genauso abweisend wie atemberaubend ist. Das Buch ist eines von insgesamt sieben Büchern, die in der Bergwelten-Reihe 2019 erschienen sind.

   

Mailänder, Nicholas: "Er ging voraus nach Lhasa" nach oben!

Hardcover mit Umschlag, 416 Seiten, ISBN 978-3-7022-3693-9
Preis: 29,95 €, Tyrolia-Verlag 2019.

Jeder kennt die Geschichte von Heinrich Harrer und seiner Flucht aus der britischen Kriegsgefangenschaft im indischen Dehra Dun und die anschließende Flucht bis ins damals völlig unerschlossene Tibet. Doch wer war Peter Aufschnaiter? Martin Brauens berühmtes Buch zu Peter Aufschnaiter behandelte nur seine Tibet-Jahre und ist lange vergriffen.
Nico Mailänder widmet sich erstmals akribisch recherchiert Aufschnaiters gesamten Leben, begonnen mit der Kindheit in bäuerlicher Umgebung hin zu einem Bergsteiger, der in den 20er/30er Jahren zweimal Paul Bauer zum Kantsch begleitet, 1939 schließlich selber Leiter der tragischen Nanga Parbat-Expedition wird und auch Motor beim gelungenen Ausbruch aus dem Internierungslager 1944 in Dehra Dun war. Und auch Aufschnaiter war es, der die treibende Kraft bei der langen Flucht nach Tibet und weiter bis nach Lhasa war. Aufschnaiter wurde stark durch seinen Aufenthalt in Tibet geprägt und fühlte sich Zeit seines Lebens eng mit den Tibetern und Nepalesen verbunden. Auch die Zeit nach dem Aufenthalt in Tibet, als man vor den chinesischen Invasoren fliehen musste, wird von Mailänder dokumentiert, so dass ein rundes, vielschichtiges und hochinteressantes Bild dieses außergewöhnlichen Menschen gezeichnet wird. Wenngleich er letztlich 1973 in Innsbruck starb, blieb er doch beinahe des Rest seines Lebens in Nepal, wo ihm auch die hiesige Staatsangehörigkeit verliehen wurde.

Sehr interessant und kurzweilig ist Nico Mailänders Schreibstil: ein Wechsel von Mailänders Recherchen und vielen Originaltextauszügen Peter Aufschnaiters; gut zu erkennen an den zwei verschiedenen Schriftfarben. Viele vorher ungezeigte Bilder, eine biographische Übersicht sowie ein kurzer Essay zur Geschichte Tibets bis 1950 runden das Werk gelungen ab. Insgesamt ein tolles Buch, welches Peter Aufschnaiters Lebenswerk angemessen würdigt!

Ergänzung zur ebook-Version: Natürlich gibt es das großartige Buch auch in der digitalen Version für tolino oder kindle. Die epub-Version (24,99 Euro bei Thalia.de, Stand Mai 2019) ist ca. 23 MB groß. Hier werden auch die manchmal schwierig umsetzbaren Bilder in guter Qualität angezeigt und auch die in diesem Buch so sinnvoll eingesetzten Schriftfarben (siehe meine Hardcover-Rezension) werden in verschiedenen Graustufen angezeigt. So wird das aufwändig recherchierte Werk über diesen großen Tibet-Kenner auch in der ebook-Version zum Genuss! Praktisch: die vielen Webquellen, die Nico Mailänder für seine Recherchen besucht hat, lassen sich im ebook treffsicher direkt anwählen und im Browser öffnen.
Eine Leseprobe gibt es auf https://webreader.mytolino.com.

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