Meine Top 15-Neuerscheinungen auf dem Alpinliteratur-Markt:

Natürlich ist die Liste der im Handel erhältlichen Bücher zu alpiner Literatur fast endlos. Und selbstverständlich ist die Fülle der neu veröffentlichten oder aufgelegten Bücher ebenfalls riesig. Daher gibt es hier stets nur eine kleine Auswahl an neuen Büchern, die sich dafür aber auch sicher lohnen dürften. Natürlich liegt auch hier der Schwerpunkt gemäß meinem eigenen Interesse auf den großen Bergen der Welt. (Sortierung: innerhalb des Erscheinungsjahres in der Reihenfolge der Rezension.)
Übrigens: weitere Besprechungen kann man - nach Jahren sortiert - hier suchen.

Links zu den letzten 15 Buchbesprechungen:

Plöger, Sven & Schlenker, Rolf: "Die Alpen und wie sie unser Wetter beeinflussen" nach oben!

gebunden, 320 Seiten, ISBN 978-3-89029-560-2
Preis: 20,00 €, Malik-Verlag 2022. Website des Autors: http://meteo-ploeger.de

Meteorologe Sven Plöger dürfte wohl jedermann kennen: fundiert, sachlich, und doch auch kurzweilig-amüsant erläutert er den TV-Zuschauern regelmäßig den Wetterbericht und ist in zahlreichen Dokumentationen oder auch Talkshows rund um das Thema Wetter ein begehrter Fachmann.
Gemeinsam mit Wissenschaftsjournalist Rolf Schlenker stellt er uns das größte Gebirge Zentraleuropas und seine Rolle für das Wettergeschehen in Europa vor. Das der Umkehrschluss - der Einfluss mitteleuropäischer Wetterlagen auf die Alpen - auch gilt, zeigte leider sehr eindrucklich der gewaltige Gletscherabgang mit anschließender Mure (tagesschaumeldung) an der Marmolada in Südtirol Anfang Juli 2022.
In drei logisch aufeinander aufbauenden Kapiteln wird dem Leser zunächst auf etwa 110 Seiten das "Alpenwetter" mit seinen Eigenarten und Besonderheiten erklärt: Auslösefaktoren für Lawinen, Föhn, Staulagen, thermische Verhältnisse und vieles mehr werden dem Leser nahe gebracht. Eine gute Idee, dass hier (wie auch in den Folgekapiteln) an vielerlei Stellen Begriffe der Meteorologie (z.B. atmosphärische Lichterscheinungen, Luftdruck, Temperaturgradient, föhnig vs. Föhn usw.) unter der Überschrift "Wer es genauer wissen will" - separiert vom übrigen Text - vertieft wird.
Im zweiten Kapitel "Alpenklima" (rund 70 Seiten) wird der Bogen weiter gespannt: es geht über die Existenz der immerhin fünf Vegetationszonen, die in den Alpen auf einige tausend Höhenmeter verdichtet zu beobachten sind, die daraus resultierenden Ökosysteme und die damit verbundene Besiedlung bzw. touristische Erschließung sowie sich hieraus ergebende Probleme.
Das Kapitel 3 "Alpenklimawandel" schließlich zeigt die Konsequenzen und Folgen auf, die sich aus den klimatologischen Änderungen für das Alpenklima ergeben; mit jenen Folgen, die das wiederrum für die Ökosysteme in den Alpen, aber eben auch weit jenseits der Alpengrenzen hat.
Großartig, dass Sven Plöger sein umfassendes Wissen in diesem Buch genauso kurzweilig und interessant an den Leser bringen kann, wie in zahllosen TV-Auftritten an den Zuschauer. Auch Biologen, Bodenkundler, Glaziologen und Fachleute anderer Bereiche kommen zu Wort und runden das Gesamtbild ab. Schön auch, dass Webquellen per QR-Code direkt mit dem Smartphone abrufbar sind, wenn man mag.
Ich kann mich letztlich nur Reinhold Messner anschließen, der über das Buch sagt: "Sven Plöger gibt Einblicke, für die ich dankbar bin."

   

Schwabe, Gerald: "Panoramawege und Aussichtsberge Allgäu" nach oben!

broschiert, 160 Seiten, ISBN 978-3-7633-3165-9
Preis: 16,90 €, Rother-Verlag 2022.

Das Allgäu ist einer der beliebtesten Urlaubsregionen der Deutschen und wahrscheinlich die Nr. 1, wenn es in den Süden der Republik geht. Kein Wunder, denn das Allgäu bietet so vielerlei unterschiedliche Landschaften, dass hier jeder auf seine Kosten kommt (wenn man es nicht gerade auf Gletschertouren abgesehen hat). Egal ob man gerne über grüne Wiesen flaniert, sich lieber im felsigen Terrain aufhält oder es einen an die zahlreichen fließenden Gewässer zieht. Gerald Schwabe ist seines Zeichens - wie auch ich ;-) - ein langjähriger Allgäukenner und hat sich im vorliegenden Band den Aussichtslogen verschrieben: sei es nun der aussichtsreiche Einzelgipfel oder der panoramaträchtige Höhenweg, von denen es im Allgäu eine ganze Menge gibt: tolle Ausblicke in die Landschaft und die umliegenden Gipfel sind garantiert.
Selbstverständlich findet man bei der Tourenauslese Klassiker, die jeder Allgäu-Urlauber kennen dürfte wie die Überschreitung der Nagelfluhkette, den Hohen Ifen & Widderstein im Kleinwalsertal, das Fellhorn bei Oberstdorf, den Grünten oberhalb von Sonthofen, den Saalfelder Höhenweg usw. Aber auch nicht ganz so bekannte, aber nicht minder lohnende Touren sind dabei, so der Hochrappenkopf oberhalb der Rappenseehütte, der Wiedemer Kopf am Hochvogel, die Rote Spitze im Tannheimer Tal oder der Zirmgrat zwischen Pfronten und Füssen - hier findet gewiss jeder Bergwanderer "sein" Ziel.

In gewohnter "Rother-Manier" werden alle 40 Wegbeschreibungen von einer kleinen, farbigen Karte, einem Steckbrief mit allen wichtigen Infos, einem Höhenprofil und freilich wunderschönen Fotos begleitet. Die Routen stehen zudem im Internet als gpx-Dateien für den Download bereit. So kann man (fast) auf die Wanderkarte verzichten ;-) Mit den guten, treffenden Beschreibungen von Gerald Schwabe ist man bestens gerüstet & informiert, wenn es eine der gemachten Tourenvorschläge sein soll. Dann braucht es nur noch gutes Wetter...

   

Habeler, Peter & Czerny, Marlies: "Mein nächster Berg" nach oben!

gebunden, 216 Seiten, ISBN 978-3-7112-0039-6
Preis: 22,00 €, Bergwelten-Buch 2022.

Wer kennt Peter Habeler nicht? Er gehört zur allerersten Alpinistengarde der 70er und 80er-Jahre und sein langjähriger Seilgefährte und Freund Reinhold Messner nennt ihn nicht weniger als genial: Habeler ist ein riesiges Allround-Talent: schwierigste Klassiker in den Alpen, Felsklettern in den Big Walls im Yosemite Valley / Kalifornien, Eisklettern in den Anden (1969 Erstbesteigung der Yerupaja-Ostwand) und natürlich bahnbrechende Achttausenderbesteigungen: u.a. 1975 mit Messner als erstes Zweierteam auf einen Achtausender, den Hidden Peak im Karakorum und drei Jahre später, ebenfalls mit Messner, die bahnbrechende, erste Besteigung des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff.

Dies sind nur einige Stationen in Habelers Leben, die Marlies Czerny (hier die Rezension ihres Erstwerkes "4000er Leben" aus 2019) erzählerisch beleuchtet und dabei wichtige Weggefährten Habelers einbaut bzw. zu Wort kommen lässt, die ihn begleitet, ihn gefördert, ihn mit auf Expedition und Kletter-Abenteuer genommen haben: große Namen wie Hias Rebitsch (1911-1990), Sepp Mayerl (1937-2012), Reinhold Messner, Horst Fankhauser oder der 2019 viel zu früh verstorbene David Lama (dessen Talent Peter entdeckte und mit ihm anlässlich seines 75. Geburtstages durch die Heckmair-Führe der Eiger-Nordwand kletterte) kommen beispielsweise zu Wort.
Die zehn Geschichten des Buches nehmen uns mit durch eine unbeschreibliche Bergsteiger- und Abenteurer-Vita und stellen uns einen sehr symphatischen Menschen vor, der glücklich zurückschauend auf sein bisheriges Leben blickt und bescheiden feststellt: "Die Quintessenz meines Lebens ist, dass ich immer die besten Leute kennenlernen durfte." Doch Peter Habeler, dem das Schlusswort im Buch gehört, hat freilich auch noch viele Ideen und Pläne für die Zukunft. Peter Habeler feiert am 22. Juli 2022 seinen 80. Geburtstag: mögen ihm noch viele "nächste Berge" gelingen.
Letztlich ist das reich bebilderte Buch nicht nur kurzweilig zu lesen (kein Wunder bei diesem Lebenslauf), sondern macht auch optisch wie haptisch einen sehr guten Eindruck.

   

Würtl, Mössmer & Larcher: "Sicher am Berg: Klettersteig" nach oben!

Taschenbuch, 122 Seiten, ISBN 978-3-7022-4003-5
Preis: 14,90 €, OEAV, Vertrieb über den Tyrolia-Verlag 2022. Eine Leseprobe gibt es hier.

Klettersteige: für viele Bergliebhaber eine ideale Spielart im Alpinismus, wenn der Höhenweg zu einfach und die alpine Klettertour zu schwierig ist: die sogenannten "Eisenwege" gibt es schon sehr lange und erfreuen sich doch auch aktuell wieder wachsender Beliebtheit. Nicht nur wegen des hohen Naturgenusses, den man hier erfahren kann, sondern sicher auch aus der Tatsache heraus, dass man sich, entsprechende Kenntnisse vorausgesetzt, auch als Alleingeher adäquat sichern kann, was auf einer Hochtour deutlich schwieriger ist.

Neben dem Einstieg "Faszination Klettersteig" bekommt der Leser vor allem in den Kapiteln "Die Klettersteiganlage", "Ausrüstung" und "Planung" alle wichtigen Kenntnisse an die Hand gegeben, die es braucht, um sich korrekt gesichert und selbstständig in einer Klettersteiganlage bewegen zu können. Hierzu gehören natürlich auch Wissen zur Schwierigkeitskeitsbewertung (denn hier gibt es enorme Unterschiede), Klettersteig- und Absicherungstypen, Gebrauch eines Klettersteigsets, Einschätzung des Wetters (und entsprechende Reaktion bei Wetterumschwung), Klettertaktik, Klettertechnik u.v.m.

Mit Hilfe dieser Lektüre, wie alle Bände der Reihe "Sicher am Berg" sehr anschaulich illustriert & verständlich erklärt, und der entsprechenden Ausrüstung kann man dann auch an die Planung des ersten Klettersteiges gehen - es muss ja nicht gleich "molto difficile" sein ;-) Der leitfaden zum sicheren Begehen von Eisenwegen liegt nun schon in der 5. Auflage vor.

 

   

Larcher, Mössmer, Fritz: "Sicher am Berg: Hochtouren" nach oben!

Taschenbuch, 298 Seiten, ISBN 978-3-7022-4005-9
Preis: 31,90 €, OEAV, Vertrieb über den Tyrolia-Verlag 2022. Eine Leseprobe gibt es hier.

Wer die Berge liebt und die ersten Erfahrungen unter Umständen als Wanderer gesammelt hat, möchte sicher irgendwann höher hinaus: der erste 3000er, der erste 4000er oder andere Gründe mögen es sein, dass man sich weit oberhalb der Vegetationsgrenze aufhält und wohlmöglich fernab von ausgetretenen Wegen unterwegs ist. "Hochtour" heißt das Zauberwort, dem dann viele Bergliebhaber verfallen. Doch gut gerüstet & vorbereitet möchte sein, wer sich auf Gletschern und im Fels aufhält und fortbewegt. Objektive Gefahren wie Spalten, Wetterstürze, schwierige Orientierung im Gelände, Steinschlaggefahr usw. wollen abgeschätzt werden, um sich vernünftig auf diese Gefahren vorbereiten zu können bzw. ihnen möglichst nicht zu begegnen
Alleine schon aufgrund der großen Höhen, in denen man unterwegs ist, fallen die Kapitel "Ausrüstung" und "Orientierung und Wetter" deutlich ausführlicher aus, als im Band "Bergwandern" der Reihe "Sicher am Berg". In den folgenden Kapiteln "Tourenplanung", "Bewegen in Fels und Eis", "Seiltechnik" und "Notfall" bekommt man fachlich fundiert und verständlich zu lesen alle wichtigen Grundlagen vermittelt, die berücksichtigt bzw. gewusst sein wollen, möchte man gut vorbereitet auf Hochtour. Ist das Kapitel "Notfall" im Idealfall nur ein Crashkurs für Wissen, welches man ohnehin haben sollte, sollten die im Kapitel "Seiltechnik" - welches nicht ohne Grund knapp 100 Seiten fasst - vermittelten Grundlagen dringend unter fachkundiger Begleitung, idealerweise im OEAV oder DAV, geübt werden. Die schönste Tour wird zum nervlichen Stress, wenn man nicht routiniert und sicher unterwegs ist!

Letztlich ist das Buch eine Wissensfundgrube nicht nur für den Hochtoureneinsteiger, sondern auch für den bereits erfahrenen Hochtourengeher. Auf knapp 300 Seiten bekommt man komprimiert & reich bebildert bzw. illustriert alles Wichtige, was wichtig ist. Nun in der aktuellen 3. Auflage 2022!

   

Larcher, Mössmer, Wanner & Habernig: "Sicher am Berg: Bergwandern" nach oben!

Taschenbuch, 228 Seiten, ISBN 978-3-7022-4000-4
Preis: 29,90 €, OEAV, Vertrieb über den Tyrolia-Verlag 2022. Eine Leseprobe gibt es hier.

Bergwandern ist en vogue: immer mehr Menschen schätzen diese naturnahe Möglichkeit, Stress abzubauen, die Natur zu erleben, sich körperlich erleben zu können. Doch damit einher gehend gehen auch die Einsätze der Bergwacht nach oben: oft genug ist unzureichende Ausrüstung, eine falsche Einschätzung der Tour-Anforderungen, eine falsche Eigeneinschätzung oder schlichtweg eine schlechte Tourenplanung Grund für einen Ernstfall im Gebirge. Es reicht nicht, an den Bergen Freude zu haben und sich "einfach" auf den Weg zu machen!
Eine adäquate Vorbereitung wird dem Bergwanderer mit dieser Lehrschrift denkbar einfach gemacht, vermittelt sie doch sehr anschaulich, interessant & kurzweilig zu lesen alles Wichtige, was man wissen und dabeihaben sollte: es geht um Gesundheit, Orientierung im Gebirge (eine Karte "funktioniert" auch, wenn man mal keinen GPS-Empfang hat), Wetter (wie gut, wenn man unterwegs selber den Wetterbericht vom Vortag mit einem Blick zum Himmel updaten kann), Ausrüstung, Tourenplanung & Tour (z.B. "wie steige ich sicher in weglosem Gelände?"), Besonderes bei Touren mit Kindern und letztlich die beiden wichtigen Punkte "Notfall" (vom Notruf bishin zu Erster Hilfe) und natürlich last but not least "Natur", denn dieser möchten wir doch mit Respekt begegnen.

Mit diesem reich bebildertem Ratgeber sind Sie sicher auf der nächsten Bergfahrt gerüstet, in Theorie und allem Wichtigen für die praktische Umsetzung am Berg. Und nicht zuletzt können Sie vielleicht so auch dem ein oder anderen Bergliebhaber hilfreiche Tipps mit auf den weiteren Auf- oder Abstiegsweg geben. Der Ratgeber für die wahrscheinlich größte Anhängerschaft am Berg, den Bergwanderern, liegt nun in einer aktualisierten und auf den neuesten Stand gebrachten 2. Auflage vor.

   

Seitlinger, Gabriel: "Osttirol Summits" nach oben!

broschiert, 192 Seiten, ISBN 978-3-7025-1054-1
Preis: 24,00 €, pustet-Verlag 2022. Eine Leseprobe gibt es hier.

Osttirol strotzt geradezu vor lohnenden Gipfelzielen, viele davon jenseits der magischen 3000m-Marke, alle (im Buch vorgestellten Ziele) oberhalb der 2000m-Grenze. Wie auswählen? Der Geograph Gabriel Seitlinger hat eine originelle Idee gefunden, eine sehr schöne Auswahl zu treffen: 33 Gemeinden gibt es in Osttirol. Warum nicht den jeweils höchsten Gipfel in der jeweiligen Gemeinde als Tourziel nehmen und vorstellen? So finden bekannte Ziele, aber auch weniger bekannte Berge Eingang in ein optisch sehr schön gestaltetes Buch. So zum Beispiel die Leibnitzer Rotspitze (die aber immerhin vom großen Luudwig Purtscheller erstbestiegen wurde) ode die immerhin rund 2800 m hohe Kreuzkuppe. Zur Hochprominenz unter den Zielen gehören der Großglockner, der Großvenediger, die Rötspitze, der Hochschober und andere Gipfel.
Doch die Gipfelauswahl ist es nicht alleine, die originell ist, denn alle Gipfel werden (konsequenterweise) von eben jener Gemeinde angegangen, in der sie die höchsten Erhebungen darstellen. Das bedeutet zwangsweise, dass man nicht immer den Normalweg gehen kann, möchte man den Routen von Gabriel Seitlinger folgen. Hieraus resultieren einige auch anspruchsvolle Touren.

Nach einem einleitenden Teil mit Hinweisen zum Buchgebrauch und zu den gemachten Schwierigkeitsangaben folgen die nach Gebirgsgruppen kapitelweise abgetrennten Touren: zu jeder Tour sind die Besonderheiten & Anfordernisse aufgeführt, es werden Tipps unterbreitet und benachbarte "Osttirol Summits" genannt, es gibt eine farbige Übersichtskarte, freilich eine gute Beschreibung (bei der man - positiv anmerkend - merkt, dass sie von einem Geographen geschrieben wird) und nicht zu guter Letzt eindrucksvolles Bildmaterial, welches Lust auf den ein oder anderen Summit macht. Es ist nicht einfach, aus dem Meer an Wanderführern herauszuragen; Gabrile Seitlinger ist dies jedoch auf originelle Art und Weise geglückt.

   

McDonald, Bernadette: "Winter 8000" nach oben!

gebunden, 320 Seiten, ISBN 978-3-03913-030-6
Preis: 37,00 €, AS-Verlag 2022.

Ein Blick auf das Cover verheißt Gutes: "Bernadette McDonald" - "Winter" - "8000" - endlich ist es soweit! Im Januar 2021 wurde der K2 als letzter Achttausender erstmals im Winter bezwungen. In einer Jahreszeit, in der höllische Stürme, Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, riesige Schneemengen und wenig Tageslicht eine Besteigung nochmals deutlich schwieriger gestalten, als sie ohnehin schon ist. Hier wird der Mensch an seine äußerste Belastungsgrenze gebracht: mental und körperlich!
In den 80er Jahren wurden bis auf den Makalu alle nepalesischen 8000er im Winter erstbestiegen, dann sollte es bis 2005 dauern, bis ein weiterer Gipfel erstbestiegen werden konnte, denn die Wetterbedingungen im Karakorum sind mit weitaus größerer Unsicherheit behaftet als jene in Nepal liegenden Gipfel. Als 2016 der Nanga Parbat "fiel" blieb nur noch der K2... - bis 2021.
Die mehrfach prämierte Alpinhistorikerin Bernadettte McDonald beleuchtet nicht nur den Weg bis zur ersten erfolgreichen Expedition, sondern blickt auch auf die Charaktere und Persönlichkeiten, die hier zum Erfolg kamen: großen Namen wie Krysztof Wielicki, Jerzy Kukuczka, Maciej Berbeka, Arturt Hajzer, Adam Bielecki (ja richtig, alles Polen), Simone Moro, Denis Urubko und andere sowie deren Einflussfeld werden beleuchtet und es wird klar, was diese Alpinisten antreibt, sich diesen absolut menschenfeindlichen Bedingungen unter hohem Risiko auszusetzen. Denn jeder weiß: bei einem Unfall wird man von niemandem vom Berg geholt. Im jahrzehntelangen Kampf um die Wintererstbesteigungen gab es auch Opfer, doch auch starke Persönlichkeiten wie die Südtirolerin Tamara Lunger, die 2016 bei der Wintererstbesteigung schlimmeren Schaden abwendete, als sie wegen gesundheitlicher Probleme rund hundert Meter unterhalb des Gipfels umdrehte.
Wieder ein faszinierendes Alpinwerk von Bernadette McDonald und eine wertvolle Ergänzung literarischer alpiner Publikationen, die sich in ihre Werke wie "Die Kunst der Freiheit" (Biographie von Voytek Kurtyka), "Klettern für Freiheit" (widmet sich den poln. Spitzenalpinisten) oder "Der Weg zur Spitze" (zum slowenischen Alpinismus; alle erschienen im AS-Verlag) hervorragend einreiht.

   

Glowacz, Stefan & Hans, Philipp: "The Wallride" nach oben!

Klappbroschur, 152 Seiten, ISBN 978-3-667-12240-7
Preis: 29,90 €, Delius-Klasing-Verlag 2021. Autorenwebsites: www.glowacz.de und www.hansbrueder.com/philipp

"Du musst Dir das Glück erarbeiten, das ist meine Überzeugung. Du kannst Dich nicht aufs Sofa setzen und darauf warten. Das Leben ist ein Auf und Ab wie die Wallride-Tour. Dazu gehört es auch, Niederlagen zu akzeptieren - und danach wieder aufzustehen." - mit diesem Zitat Stefans leitet das Autoren- und Abenteurer-Duo ein. Sehr richtig! Und sicher gilt dieser Grundsatz im Großen wie im Kleinen. Stefan Glowacz Leben ist geprägt von sportlichen Highlights, da waren die Erfolge beim "Rockmaster" in Arco nur der Anfang, dessen erster Gewinner er war. In den Jahrzehnten später war er in den wildesten Ecken der Erde unterwegs: in Kanada, Gröndland, der Antarktis, in Patagonien, Venezuela usw. Kein Wunder, dass auch Kletterer Philipp Hans von Glowacz beeindruckt war und sich freute, als er mit Stefan auf Expedition gehen konnte. Das war 2018 in Grönland...

2021: nächste Expedition! In die Alpen! Auch hier geht Abenteuer! Wie? Ganz "einfach": 2500 Kilometer legen die beiden Akteure "by fair means", sprich mit dem Mountainbike und eigener Muskelkraft quer durch die Alpen zurück, um dann in Italien, Frankreich und der Schweiz jeweils eine Erstbegehung zu planen: Achja: 50:000 Höhenmeter müssen bei der ganzen Aktion bewältigt werden: ein gewaltiges Ausdauerpaket für Physis UND Geist. Erstbegehungen an der Croda Bianca in Italien und am Pic de Bure in Frankreich gelingen tatsächlich, doch die Nordwand des Wetterhorns in den Berner Alpen schüttelt sie mehrfach ab. Aber wie sagte Stefan: Niederlagen akzeptieren - und danach wieder aufstehen. Richtig, denn der lange Rückweg zum Starnberger See mit dem Rad fehlt noch und ist abermals eine psychische Challenge. Und glaubt nur nicht, die beiden Herren nutzen hierzu die Hauptstraßen ;-)

Mit ehrlichen, authentischen Worten, vielen grandiosen Fotos und Interviews vor und nach der Gewalttour ist das Buch eine faszinierende Dokumentation dieser ungewöhnlichen "Wallride", vollgepackt mit Emotionen, faszinierenden Impressionen, Erfolgen und auch Rückschlägen. Eine sehr kurzweilige Lektüre und der Beweis, dass echtes Abenteuer auch in den heimischen Alpen geht! Einfach nur cool und pure Inspiration!

   

Wörgötter, Peter: "fünfmal 8000 - Mein Leben mit den Bergen" nach oben!

gebunden, 192 Seiten, ISBN 978-3-7025-1040-4
Preis: 25,00 €, pustet-Verlag 2021.

Für mich ist "fünfmal 8000" ein Buch nach dem Motto: "Das wurde aber auch Zeit!" Peter Wörgötter ist ein österreichisches Bergsteiger-Urgestein, war in der ganzen Welt unterwegs und hat vor allem in den asiatischen Hochgebirgen seine deutlichen Spuren hinterlassen: 1977 gelingt die zweite Besteigung des Lhotse, 1981 die erste Skiabfahrt von einem Achttausender, dem Manaslu, 1985 die Skiabfahrt von der Shisha Pangma, daneben weitere Achttausender, Sieben- und Sechstausender im Himalaya, Hindukusch und den Anden. Ungezählte "niedrigere" Gipfel in Afrika, Südamerika, Asien und Ozeanien. Selbstverständlich schmücken auch viele schwere Alpenklassiker seine alpine Vita. Insofern zeichnet das Buch ein Bergsteigerleben über eine Zeitspanne von mehr als einem halben Jahrhundert nach! Damit ist die Lektüre auch eine Zeitreise in die Entwicklung des Alpinismus über diese Zeit hinweg. Und nicht zuletzt auch ein Familienbuch, denn Bruder Wastl, Sohn Michael, Enkelin Lena und andere haben Peter auf seinen Expeditionen begleitet. Mit Bruder Wastl war er gar gemeinsam am 11. Mai 1977 auf dem Lhotse-Gipfel.
Das Buch hat Peter Wörgötter gemeinsam mit seiner Enkelin Lena Öller geschrieben. Auf knapp 200 Seiten lässt Peter Wörgötter seine zahlreichen Bergabenteuer Revue passieren, in Kapiteln sortiert nach geographischen Regionen, in denen Wörgötter unterwegs war. Das Ganze selbstverständlich mit einem großen Extrakapitel, das sich den Achttausender-Expeditionen widmet. Kurzweilig geschrieben, typisch Wörgötter, bekommt der Leser einen Einblick in die bergsteigerische Entwicklung des großen Alpinisten und wird auf zahlreiche Reisen mitgenommen. Zahllose Fotos aus allen Phasen seines Lebens runden das vielschichtige Bild, welches das Buch zeichnet, ab.
Peter Wörgötters Leben ist es wert, interessierten Lesern zugänglich gemacht zu werden. Und wer möchte, bekommt mit diesem Buch eine wunderschöne Möglichkeit hierzu. Wie ich schon sagte: "Das wurde aber auch Zeit!"

   

Messner, Reinhold: "Zwischen Durchkommen und Umkommen" nach oben!

gebunden, 304 Seiten, ISBN 978-3-453-28146-2
Preis: 32,00 €, Ludwig-Buchverlag 2021. Website des Autors: www.reinhold-messner.de

Messner nennt sein neuestes Buchprojekt selbst seine "Weitergabe der Philosophie des traditionellen Alpinismus". Dieser beginnt für viele mit der Erstbesteigung des Mont Blanc im Jahr 1786 und so schaut Messner auf nichts Geringeres zurück als auf etwa 250 Jahre Alpinismus. Auch in einem Buch mit gut 300 Seiten muss man hier freilich Schwerpunkte und Akzente setzen. Aber Messner wäre nicht Messner, wenn dies nicht grandios gelänge: Höhepunkt an Höhepunkt reiht sich aneinander: die Erstbesteigung des höchsten Alpengipfels, die Tragödie um die Matterhorn-Erstbesteigung, die Durchsteigung der Gr. Zinne-Nordwand, die erste Besteigung des Fitz Roy, die Freney-Tragödie am Mont Blanc usw.
Ins Buch eingebunden sind entsprechend auch die Portraits vieler berühmter Akteure und so begegnet man berühmten Namen wie Voytek Kurtyka, Willi Unsoeld, Willo Welzenbach, Albert F. Mummery, Anderl Heckmair, Walter Bonatti u.v.m.
Nach dem ersten Buchteil "Geschichte und Geschichten" blickt Messner in einem zweiten Teil "Daten und Fakten" auf etwa 70 Seiten auf einer Art Zeitstrahl auf die Alpingeschichte zurück und listet hier die wichtigsten Höhepunkte, bishin zur sensationellen Erstbesteigung des K2 im Winter 2021 durch eine nepalesische Mannschaft, auf.
Im dritten Buchteil schließlich widmet sich Messner der "Zukunft des traditionellen Alpinismus" und zeigt auf, wohin sich der Alpinismus entwickeln kann. Wegbereiter können hier Ausnahmebergsteiger wie Nirmal Purja sein, der innerhalb von nur sieben Monaten (!) alle 14 Achttausender bestieg oder der gebürtige Allgäuer Fabian Buhl, der mit der Kombination Bergsteigen & Gleitschirmfliegen - wie am Cerro Torre - Sportarten verbindet. Die letzten Seiten des Buches sind seinem Museum Corones gewidmet, in welchem er zahlreiche Stücke zum Thema des klassischen Alpinismus zusammengetragen hat. Das Museum bildet den Schlusspunkt seines "Messner Mountain Museum"-Projektes.
Messners neuestes Werk ist so eine Hommage an den traditionellen wie modernen Alpinimus, seine Spielarten und seine Akteure im Laufe der Zeit geworden. Messner lässt hier auch die Helden von seinerzeit zu Wort kommen und dokumentiert seine Wanderung durch die Alpingeschichte mit zahllosen Fotos und Bildern, die mitunter hohen historischen Wert haben. So wird das Buch dem Untertitel "Die Faszination des Bergsteigens" in höchstem Maße gerecht und zeigt, warum traditioneller Alpinismus für Messner "gelingendes Leben" bedeutet.

   

Gras, Cédric: "Stalins Alpinisten" nach oben!

broschiert, 224 Seiten, ISBN 978-3-7022-3972-5
Preis: 27,95 €, Tyrolia-Verlag 2021. Eine Leseprobe kann man hier downloaden.

Das Brüderpaar Jewgeni und Witali Abalakow dürfte in Bergsteigerkreisen nicht unbedingt weithin bekannt sein. Eiskletterern vielleicht, denn die fürs Abseilen im Eis so wichtige Eissanduhr (schönes Video hier) wurde von Witali erfunden, der sich ohnehin als Konstrukteur einen Namen machte. Bruder Jewgeni gelang 1933 die Erstbesteigung des Pik Stalin (heute Pik Ismoil Somoni, 7495 m). Darüber hinaus ist dem breiten Publikum nicht viel über die ungleichen Brüder bekannt. Cédric Gras hat nun fleißig und erfolgreich recherchiert, bis in die Archive des KGB, und deckt zwei unterschiedliche Vitas im Russland Stalins auf, die hochinteressant zu lesen sind.

Bergsteigen zu Zeiten Stalins war sicher nicht nur einfach Sport, sondern stets auch Propaganda und politisch motiviert, das zeigen nicht nur die Bergnamen jener Zeit (Pik Stalin wurde in "Pik Kommunismus" umbenannt bevor er schließlich seinen heutigen Namen bekam). 1936 unternehmen die Brüder eine gemeinsame Expedition zum schweren Kang Tengri (7010 m), bei denen ihnen die dritte Besteigung glückt. Witali muss sich danach jedoch Finger & Zehen amputieren lassen, gerät in die Mühlen der "stalinistischen Säuberungen", wird gefoltert, verliert hierdurch fast alle Zähne und kann sich doch letztlich als Entwickler und Erfinder im alpinistischen Bereich einen Namen machen. Erst 1986 stirbt er 80-jährig in Moskau. Bruder Jewgeni überlebt die Kang Tengri-Expedition ohne Verletzung, wird nicht vom Geheimdienst verfolgt, kämpft 1941/42 in der Schlacht um Moskau gegen die Nationalsozialisten des Deutschen Reiches und stirbt dann jedoch 1948 unter ungeklärten Umständen, von offizieller Seite wird eine Gasvergiftung genannt. Freunde und Bekannte vermuten einen Anschlag von "höherer Stelle".

Entsprechend den gerade genannten Punkten aus den Vitas der Abalakow-Brüder liest sich das Buch wie ein Alpin-Polit-Krimi, welcher dem Lebenswerk der beiden Brüder gerecht wird. Dank Manon Hopf´s Übersetzung aus dem Französischen ist das preisgekrönte Buch, 2020 mit dem hochrenommierten "Prix Albert Londres" ausgezeichnet, nun auch in deutscher Sprache verfügbar!

   

Gugglberger, Martina: "Grenzen im Aufstieg - Frauenexpeditionen im Himalaya (1955-2014)" nach oben!

broschiert, 432 Seiten, ISBN 978-3-593-51335-5
Preis: 49,00 €, campus-Verlag 2021.

Mit Albert Mummerys Aufstiegsversuch 1985 am Nanga Parbat dürfte die gezielte Eroberungsphase an den höchsten Bergen der Welt begonnen haben. Und dennoch dauerte es noch viele Jahrzehnte, bis sich auch Frauen in der "Männerbastion Höhenbergsteigen" allmählich etablieren konnten. Zu Unrecht würde man heute sagen, wenn man auf die Karrieren von Wanda Rutkiewicz, Gerlinde Kaltenbrunner, Nives Meroi, Claude Kogan, Anna Okopinska, Junko Tabei und anderen Alpinistinnen schaut. Und doch waren weitreichende gesellschaftlich-soziale Wandlungen nötig, um dieser wichtigen Entwicklung den Weg zu ebnen.

Das Buch der österreichischen Historikerin Martina Gugglberger geht dieser faszinierenden Entwicklung akribisch recherchiert auf die Spur. Dabei geht es nicht nur um die jeweiligen Motivationen, sich den höchsten Gipfeln, hier vorrangig den Achttausendern, im Rahmen einer Expedition zu widmen, sondern auch um die Abgrenzung zu Männerexpeditionen aus kulturellen, gesellschaftlichen und geschlechterspezifischen Aspekten heraus. Noch immer sind gemischte Expeditionen aus Männern und Frauen die Ausnahme, so dass genannte Kriterieen auch im Rahmen hsitorischer Enwicklungen betrachtet werden.
Im zweiten Buchteil betrachtet Gugglberger konkrete Frauenexpeditionen, hier nach Zeitepochen bzw. national-gesellschaftlichen Aspekten in verschiedene Kapitel gegliedert. So bekommen selbstverständlich die z.B. in den 70er und 80er Jahren so dominierenden japanischen und polnischen Frauenteams eigene Kapitel. Hier hat die Autorin eine gewaltige Fülle an hochinteressanten Informationen zusammengetragen, für die man an anderer Stelle sehr tief recherchieren müsste, da diese so nicht in der "herrkömmlichen" Literatur zu finden sind. Kein Wunder, dass die Autorin auf gut 50 Seiten Resümee zieht bzw. alleine das Quellenverzeichnis rund vierzig Seiten beansprucht. Jeder, der sich noch weiter ins Thema einarbeiten möchte, findet hier genug Materialhinweise.

Das Buch ist somit nicht nur im deutschsprachigen Raum ein einzigartig aufbereitetes Dokument zu diesem interessanten Thema. Für mich als "Hobby-Alpinhistoriker" eine alternativlose Informationsquelle!

   

Bollinger, Bruno: "Eine besondere Seilschaft" nach oben!

broschiert, 350 Seiten, ISBN 978-3-033-08285-4
Preis: 40,00 CHF, Munggenverlag 2021. Infos inkl. Leseproben unter www.munggenverlag.ch/Besondere-Seilschaft

Kennen Sie Alois Strickler? Schweizer Alpinisten werden natürlich rasch mit „ja“ antworten, bestieg doch Strickler als erster Schweizer und zweiter Alpinist überhaupt die sechs großen klassischen Alpennordwände (Eiger, Matterhorn, Grandes Jorasses, Große Zinne, Piz Badile und Dru). Doch dem breiten internationalen Publikum dürfte der Name eher unbekannt sein. Ich kannte den Namen durch meine Sammelleidenschaft alpiner Expeditionsgrußkarten, denn Alois Strickler war mehrfach in Asien unterwegs gewesen: unter anderem 1963 mit Max Eiselin.
Auf der Suche nach mehr Informationen zu seiner Person bin ich rasch auf das vorliegende Buch von Bruno Bollinger im Munggenverlag gestoßen. Solche Bücher sind für alpinhistorisch interessierte Leser ein echter Glücksgriff! Bruno Bollinger lernte Strickler 1999 kennen und mit Hilfe von Stricklers langjährigem Freund und Seilpartner Fredy Hächler konnte ein Buch entstehen, welches letztlich die beiden „Haudegen“ aus der Schweiz und ihre Unternehmungen rund um den Globus portraitiert.
Viele Stunden hat Bruno Bollinger den beiden Alpinisten zugehört, hat Fotos durchgeschaut, in alten Presseberichten recherchiert, antiquarische Literatur studiert, ist das alpine Werk von Strickler und Hächler durchgegangen. Herausgekommen ist eine wahre Fundgrube an alpinen Anekdoten und Geschichten, die faszinierende alpine Vita der Beiden liest sich zuweilen wie ein Krimi. Viele, viele klassische, schwere Touren gehen ins persönliche Gipfelbuch von Strickler und Hächler ein, daneben viele Reisen ins Ausland: nach Amerika, doch vor allem auch nach Asien, in den Hohen Hindukusch. Bruno Bollinger zeichnet das Leben der beiden Alpinisten bis ins hohe Alter nach, zeigt auch, wie Fredy Hächler zum Aussteiger wird, wie allmählich das vorliegende Buch entsteht. Bis hin zum Tode Alois Stricklers am 8. Juni 2019.
Reinhold Messner meint schließlich richtig „Interessant wie einer wie Alois Strickler im Schatten bleiben kann.“ – wie ich schon sagte: ein solches Buch ist ein Glücksgriff für jeden, der sich für alpine Geschichte interessiert. So gehen die Taten und Erlebnisse von einst nicht im Strudel der Zeit verloren.
Post scriptum: die Schriftgröße (Verdana 14) hatte mich zunächst gewundert. Mit einem Schmunzeln konnte ich lesen, dass sich Fredy Hächler (*1932) diese Größe gewünscht hatte, um „sein“ Buch auch ohne Brille genießen zu können.

   

DAV, OeAv & AVS: "Berg 2022" nach oben!

Hardcover, 256 Seiten, ISBN 978-3-7022-3977-0
Preis: 20,90 €, DAV 2021, Vertrieb über den Tyrolia-Verlag. Infos inkl. Leseproben unter www.tyroliaverlag.at

Mit Berg 2022 erlebt das traditionsreiche AV-Jahrbuch nunmehr seine 146. Auflage und bietet dem berginteressierten Leser ein weiteres Mal auf 256 Seiten Informationen, Portraits, Interviews, Trends, Berichte und freilich eine Vielzahl wunderschöner Bilder. Der Gebietsschwerpunkt BergWelten widmet sich Band 146 keinem geringeren Ziel als der Bergbastion schlechthin in den Ostalpen: dem Ortler. Wir lernen den Berg kennen, doch auch nahe Nachbarn wie die Königsspitze und viele andere lohnende Ziele im Vinschgau. Selbstverständlich nicht, ohne an die interessante Alpingeschichte des Gebietes zu erinnern und Naturschutz am Beispiel des Naturschutzgebietes Stilfserjoch zu erörtern. Unter anderem Wahl-Südtiroler und Buchautor Jochen Hemmleb liefert hier die Beiträge.
Im
BergFokus steht mit der „Freiheit“ sicher eine der wichtigsten Motivationen, sich in die Berge zu begeben, die es gibt. Unter anderem geht hier Tom Dauer auf Ideensuche, Jürgen Winkler erinnert sich an Anekdoten und Harro Honolka blickt tief in die Gipfelbucheinträge in der Sächsischen Schweiz zu DDR-Zeiten. Freiheit war auch hier – selbstverständlich – ein großes Thema. In BergSteigen ist wieder ein breites Potpourri über die Kontinente hinweg zu lesen: Bergsteigen in der Antarktis, Wettkampf-Chroniken, David Göttler berichtet über seine Erfahrungen in großer Höhe. Max Bolland skizziert wie stets gekonnt die Highlights im internationalen Alpinismus. Martina Gugglbergers Bericht über Frauenexpeditionen im Himalaya sind ein weiteres Highlight in BergSteigen.
Besonders reizvoll in
BergMenschen ist oftmals, dass man Namen begegnet, die man im Vorfeld nicht kannte. Klar, das Portrait zu Peter Habeler bringt einen hochinteressanten, aber keinem unbekannten Namen. Aber kennen Sie Reinhold Duschka? Ich kannte ihn nicht…
Der Bereich
BergWissen ist vergleichsweise klein, nimmt sich aber komprimiert den wichtigen Themen Naturschutz, Bergrettung und Umweltgifte an und berichtet zur Mineralienfundgrube Zillertaler Alpen. Traditioneller Abschluss des Jahrbuches bilden Beiträge zur BergKultur: der Einfluss der sozialen Medien, die Werteentwicklung der AV-Jugend und die Problematik stillgelegter Skigebiete in den Alpen sind hier u.a. Themen.
Ergo: Die "Berg"-Reihe des Alpenvereins gehört zu den absolut lesenswerten Standardwerken der Alpinliteratur: auch der neueste Band 2022!

   

Bechtold, Heike: "Das große Voralberger Gipfelbuch" nach oben!

Taschenbuch, 240 Seiten, ISBN 978-3-7022-3934-3
Preis: 24,95 €,
Tyrolia-Verlag 2021, Leseproben sind auf www.tyroliaverlag.at/item/46913700 verfügbar. Hier sind auch alle Gipfelziele gelistet.

Vorarlberg ist das westlichste Bundesland Österreichs und voller namhafter Bergregionen: Großes und Kleines Walsertal, Bregenzerwald, Rheintal, Arlberg, Montafon, Walberg-Brandnertal. Autorin und Voralberg-Liebhaberin Heike Bechtold kennt die Region sehr genau und stellt dem Leser 101 Touren in Voralberg und dem benachtbarten Liechtenstein vor. Geographisch quer über die wunderschöne Region gestreut gibt es auch für jede Schwierigkeit etwas: von der einfachen Wanderung wie z.B. auf die Kanisfluh, das Muttjöchle oder den Schönberg bishin zu schwierigen Touren, hier vetreten durch Zimba und den höchsten Gipfel des Gebietes, dem 3312 m hohen Piz Buin.

Im Buch dominieren die wunderschönen Landschaftsbilder, die praktisch alle von der Autorin stammen. Dazu öffnet die Autorin ihren Wissensschatz um die Region, erläutert die Besonderheiten der jeweiligen Tour. gibt Tipps, erläutert den Zu- und Aufstieg und gibt wichtige Hinweise zu Einkehrmöglichkeiten, Tourenlänge, Aufstiegsmeter ect. Ergänzt werden diese Informationen um eine farbige Karte zur ersten Orientierung. Hier sind des Weiteren per QR-Code die GPS-Daten der Ausgangspunkte verlinkt.

Besonders angesprochen haben mich neben den tollen Bildern zwei Dinge: zum einen die optische sehr schöne Gestaltung des Buches, welche dem Werk ein hohes Maß an Übersichtlichkeit verleiht. Zum anderen spürt man bei der Lektüre die Liebe der Autorin zu "ihren" Vorarlberger Gipfeln. Das macht die Lektüre äußerst kurzweilig und interessant.
Klare Kaufempfehlung für alle, die sich mit den Voralberger Bergen näher beschäftigen möchten!

   

Demmel, Robert; Raffalt, Herbert und Ritschel, Bernd: "Austria Alpin - Große Gipfel in Österreich" nach oben!

Hardcover, 240 Seiten, ISBN 978-3-7022-3971-8
Preis: 29,95 €,
Tyrolia-Verlag 2021, eine ausführliche Leseprobe ist auf www.book2look.com verfügbar.
Websiten der Autoren: www.alpin.de, www.raffalt.com und www.lightwalk.de

Viele Bergsteiger und Wanderer bleiben oft einer Gebirgsregion treu, wenige kennen sich gleich in den gesamten österreichischen Alpen aus: manche mögen die Zillertaler Alpen in ihr Herz geschlossen haben, andere sind vielleicht lieber im Herzen Österreichs, in den Hohen Tauern unterwegs. Wieder andere lieben den Fels des Kaisergebirges oder den etwas lieblicheren Charakter des Alpenrandes mit Verwall, Rätikon oder Lechtaler Alpen. Doch alle reizt sicher irgendwann einmal ein großer Name unter den Bergzielen und spätestens hier macht es das Autorentrio dem Leser sehr schwer, denn in diesem Band sind unzählige Namen versammelt, die allesamt berühmt für ihre jeweilige Region und eben auch weit über die Regionsgrenzen hinweg bekannt sind: Piz Buin, Parseierspitze, Wildspitze, Weißkugel, Zuckerhütl, Schrankogel, Olperer, Großer Möseler, Hochkönig, Rötspitze, Großglockner, Großes Wiesbachhorn, Hoher Dachstein, Hochschwab und und und. Diese Namen klingen!
Autor Robert Demmel und die renommierten Bergfotografen Herbert Raffelt und Bernd Ritschel präsentieren eine grandiose Auswahl an 52 großen Klassikern, welche quer übers Land gestreut sind, wenngleich die Zentralalpen mit den Ötztalern, Stubaiern, Zillertalern und Hohen Tauern mit 37 Zielen klar dominieren. Hier reiht sich die A-Prominenz der österreichischen Alpen wie an einer Perlenschnur aneinander. Alle Tourenportraits bestechen durch wunderschöne Bilder - darunter viele ganzseitige Kunstwerke - , wichtigen Hinweisen zum Berg selbst und seiner Geschichte, ein Steckbrief mit allen wichtigen Daten und einer farbigen Übersichtskarte. So bekommt der Leser rasch einen sehr guten Blick dafür, welche Tour man sich vornehmen darf und von welcher Tour man vielleicht, bezogen auf die eigenen Fähigkeiten, besser die Finger lässt und stattdessen die Bilder des Buches bestaunt. Denn in Sachen Schwierigkeit ist die Sprache von Robert Demmel klar und deutlich und das auch gut so!

Ein tolles Werk zum "who is who" der österreichischen Alpen, dass auch in seiner überarbeiteten Neuauflage (die Erstauflage ist längst vergriffen) gerade zur rechten Zeit kommt, ist die Wandersaison doch fast beendet und die Zeit gerade begonnen hat, in der man sich mit einem gutem Buch wie diesem an die Tourenplanung für die nächste Saison macht und Lust für die kommenden Höhenmeter holt. Viel Spaß dabei!

   

"Alpin 2022" nach oben!

Spiralbindung, 13 Bilder, ISBN 978-3-667-12025-0
Preis: 24,90 €, Delius Klasing-Verlag 2020. Website des ALPIN-Magazins: www.alpin.de. Eine Motiv-Vorschau ist auf www.delius-klasing.de/alpin-kalender-2022-12025 zu sehen.

Kalender sind längst nicht mehr nur dafür da, um Termine festzuhalten. Je nach Hobby und Vorliebe kann man sich mit einem schönen Kalender einen ganzjährigen Wandschmuck an die Zimmerwand zaubern. In Kooperation mit der renommierten Bergzeitschrift „Alpin“ bringt der Delius Klasing-Verlag auch für 2022 einen großformatigen (58 x 39 cm) Kalender heraus, der sich der Bergwelt verschrieben hat. Natürlich liefern prominente Berg- bzw. Landschaftsfotografen die fantastischen Motive hierzu. Ganz klar, dass dieser Kalender nicht primär dazu gedacht ist, Termine & Privates einzutragen: die großformatigen Bilder sollen auf den Betrachter wirken, nicht die dezente Datumsleiste am unteren Seitenrand. Und die Bilder zeigen Wirkung! Nachhaltig!

Eines haben die Aufnahmen alle gemeinsam: man fühlt sich in die Szenerie mit einbezogen: ganz gleich, ob man als Wanderer Tiefblicke vom Grat bewundert; als Felskletterer kühne Zinnen ersteigt; als Skitourengeher jungfräuliches Gletschereis begeht oder man einfach nur den Blick in die Weite schweifen lässt.

Hinten im Kalender gibt es neben Infos zu den Bildern auch zu vier Kalendermotiven die dazugehörigen genauen Tourenbeschreibungen aus dem Magazin ALPIN.
Wieder bietet "Alpin 2022" gewaltige Bildeindrücke und bei so manchem Motiv wünscht man sich, der Monat möge mehr als 30 bzw. 31 Tage haben. Ein sehr schöner Wandschmuck für alle, die die Berge lieben, sich nach den Bergen sehnen oder in den Bergen leben (dürfen).

 

"Sehnsuchtsort Wald 2022" nach oben!

Spiralbindung, 13 Bilder, ISBN 978-3-667-12028-1
Preis: 24,90 €, Delius Klasing-Verlag 2020. Eine Motiv-Vorschau ist auf www.delius-klasing.de/sehnsuchtsort-wald-2022-12028 zu sehen.

Wälder sind en vogue: Wald als Erholungsplatz, als Ort der Besinnung, Wald für den Spaziergang oder die Laufrunde, waldbaden kann man, Wälder sind die Heimat einer vielfältigen Flora und Fauna und das Wälder wichtig für das lokale Klima und vor allem für das Weltklima sind, dass weiß nun inzwischen (hoffentlich) jeder. Abhängig von den klimatischen Bedingungen stellen sich Wälder letztlich auch als ein sehr vielseitiges & facettenreiches Ökosystem dar. Diesen Facettenreichtum und seine Darstellung hat sich der Kalender auf die Fahnen geschrieben:
Verschneite Winterwälder; der Gespensterwald Nienhagen (Ostsee); Sonnenstrahlen, die auf das Herbstlaub scheinen; lichte Wälder mit Blick auf die sie umrahmenden Berggipfel; sanfte Bachläufe, die das zarte Grün durchschneiden; nach Urwald anmutendes und scheinbar undurchdringliches dichtes Astwerk - jedes Bild ist, danke der Kalendergröße von etwa 59 x 40 cm ein Kunstwerk für sich und wunderschöner Wandschmuck. Auch deswegen, weil sich die Monatsleiste schmal und zurückhaltend am unteren Bildrtand befindet: das Bild steht ganz dominant im Vordergrund der jeweiligen Seiten.

So ist der Kalender ein optischer Augenschmaus und eine Rundreise durch die Wälder Europas!

Teile des Erlöses spendet der Delius Klasing Verlag an Naturschutzprojekte mit dem Schwerpunkt Rettung der Wälder.

 

Fankhauser, Nicole & Steger, Gudrun: "Das große Zillertaler Wanderbuch" nach oben!

Hardcover, 248 Seiten, ISBN 978-3-7022-3933-6
Preis: 24,95 €, Tyrolia-Verlag 2021. Weitere Infos und Leseproben hier.

Das Zillertal mit dem gleichnamigen Alpenteil liegt im Herzen Tirols und ist das breiteste südliche Seitental des Inntals. Sehr lang durchzieht es sich vom Inntal hinein bis nach Mayrhofen, dem Hauptort des Tales, und weiter bis zum hintersten Talschluss des Tuxertals, nach Hintertux. Die Berge rund um das Haupttal und seine Seitentäler, die im 3510 m hohen Hochfeiler kulminieren, bieten eine Unzahl von Bergwandermöglichkeiten. Eine nicht einfache Aufgabe, hier die Highlights quer durch die Zillertaler Alpen zu filtern: Nicola Fankhauser und Gudrun Steger haben sich nebst einiger anderer Mitautoren dieser Aufgabe mit Bravour angenommen:
Geographisch untergliedert in die Kapitel "Vorderes Zillertal", "Hinteres Zillertal" und "Südliche Seitentäler" stellt das Autorenteam insgesamt 75 Touren von leicht bis schwer vor, unter denen jeder Zillertal-Liebhaber eine reiche Fülle von Tourenideen findet. Doch auch die schweren Touren sind keine Klettertouren, erfordern aber durchaus Bergerfahrung und sicheren Tritt.
Viele namhafte Ziele wie z.B. der Märzengrund, die Gerlossteinwand, die Ahornspitze, Ginzling, das Schönbichler Horn, die Berliner Hütte, der Hochfeiler, der Brandberger Kolm, die Zittauer Hütte, der Stillupgrund, die Kasseler Hütte usw. werden vorgestellt: jede Tourenpräsentation verfügt über eine farbige Karte, alle wichtigen Eckdaten wie Gehzeit, zu bewältigende Höhenmeter, Streckenlänge, Einkehrmöglichkeiten ect.
Natürlich fehlt eine Beschreibung mit allen wichtigen Höhepunkten der Route nicht und vor allem: die wunderschönen Bilder machen Lust auf Erkundungen in der Bergwelt der Zillertaler Alpen. Überzeugt hat mich letzten Endes auch die Gesamtaufmachung des Buches: übersichtlich und optisch ansprechend macht es Spaß, in dem Werk zu schmökern und die nächste Bergtour zu planen. Allen Lesern viel Spaß dabei!

   

Schwabe, Gerald: "Rund um Bad Hindelang" nach oben!

Hardcover, 84 Seiten, ISBN 978-3-86389-049-0
Preis: 17,95 €, brack-Verlag 2021. Website des Autors: http://www.allgaeu-bilderbogen.de

Gerald Schwabe ist ein Kenner der Allgäuer Bergwelt und liebt die Berge und Täler der südlichsten Alpenregion Deutschlands: im brack-Verlag sind bereits diverse Allgäu-Bücher erschienen, wie z.B. seine "Allgäu-Panoramen"-Reihe (Rezensionen zu den nuesten Bänden hier: Band 4 oder Band 3). Gerald Schwabe lässt die Macht der Bilder sprechen: großformatige Bilder, oft im Panoramaformat über beide Seiten hinweg, entführen uns in die Täler und Gipfel rund um Bad Hindelang: der Leser erwandert virtuell das Bärgündeletal mit seinem König Hochvogel; das Obertal, über dem der Engeratsgundsee thront; das wildromantische Retterschwangtal; doch auch die Berge rund um Oberjoch und Unterjoch mit bekannten Gipfel wie Rauhhorn, Sorgschrofen und Wertacher Hörnle sind dabei.
Durch alle vier Jahreszeiten geht unsere virtuelle Wanderung und es wird rasch klar, dass das Allgäu zu jeder Jahreszeit seine großen landschaftlichen Reize hat. Kräftige Farben und eine hervorragende Schärfe zeichnen die wunderschönen Bilder aus, die um Wandertipps ergänzt werden: entweder man bekommt so Anregungen für schöne Ausflüge in die Hindelanger Bergwelt oder man kann wie ich in Erinnerungen schwelgen, weil man so viele Perspektiven kennt.

Und für die Leser, denen Bad Hindelang nicht ausreicht, gibt es am Buchende einige Seiten, die sich mit dem Tannheimer Tal beschäftigen, welches sozusagen auf der 2anderen Seite" der Hintersteiner Berge liegt. Von Oberjoch ist das Tal ja in wenigen Autominuten erreichbar.

Ein sehr schöner Band, den man gerne immer wieder in die Hände nimmt, um sich von den Bilder verzaubern zu lassen!

   

Messner, Reinhold: "Zurück in die Berge" nach oben!

gebunden, 144 Seiten, ISBN 978-3-7112-0024-2
Preis: 20,00 €, Bergwelten-Buch 2021. Website des Autors:
www.reinhold-messner.de

"Zurück in die Berge" war 1970 das Erstlingswerk von Reinhold Messner: Messner setzt sich mit einem Thema auseinander, welches wohlmöglich heute, 2021, aktueller ist, als es seinerzeit 1970 war: die Berge als Rückzugsort, eine Möglichkeit, sich intensiv mit der Natur zu befassen, sich darüber selbst zu erfahren. Berge bieten die Möglichkeit, die Hektik und den Lärm der städtischen Region hinter bzw. unter sich zu lassen, was eine großartige Erfahrungsmöglichkeit sein kann. Am Berg werden Sinne gefordert, die während des Lebens in der Stadt verkümmern, die wieder stimuliert werden wollen.
Messner diskutiert jedoch auch, inwiefern dies in der heutigen Zeit mit einer ausgebauten Infrastruktur wie Unterkunftsmöglichkeiten, Bergbahnen und präparierten Skipisten möglich ist. Immer mehr Menschen strömen in die Berge, wollen wandern, paragliden, klettern, geocachen und den berühmten Einkehrschwung üben. Muten wir der Natur zuviel zu? Haben wir wohlmöglich bereits längst Grenzen überschritten, wenn es um den Schutz der Bergregionen geht? Wieviel Mensch verträgt der Berg? Hier darf man freilich anderer Meinung als Messner sein, doch auch kontroverse Meinungen sind ein wichtiger Schritt in der Auseiandersetzung mit dem Thema. Man hätte den Buchtitel hier auch mit einem Fragezeichen versehen können.

Messner Antworten auf diese Fragen schreibt Messner in Aufsätzen nieder, verschriftlicht Gedanken, die ihm während seiner Bergtouren kamen. Auch romantische und ruhige Gedanken sind darunter. Hierbei nimmt uns Messner u.a. zur Eiger-Nordwand, zum Heiligkreuzkofel, zur Marmolada mit und erzählt von seiner Motivation, stets "zurück in die Berge zu müssen". Auch Gedichte sind, lesens- und nachdenkenswert, Bestandteil der Lektüre.

Die mal stimmungsvollen, mal idyllischen, mal düsteren Schwarzweiß-Fotografien stammen von Andre Schönherr.

   

Messner, Reinhold: "Alle meine Gipfel" nach oben!

gebunden, 375 Seiten, ISBN 978-3-7844-3429-2
Preis: 30,00 €, Langenmüller-Verlag 2020. Website des Autors:
www.reinhold-messner.de

"Berühmtester Abenteurer der Gegenwart" - so oder so ähnlich wird Reinhold Messner meist vorgestellt. Und ob Kritiker oder "Fan", in einer Sache sind sich doch alle einig: die Biographie, das Lebenswerk dieses Mannes suchen in der Welt der Bergsteiger & Abenteurer ihresgleichen: wenn Messner Bilanz zieht, dann reiht sich Expedition an Expedition, Überlebenskampf an Überlebenskampf, Erfolg an Erfolg, doch auch Niederlage an Niederlage. Ein vielschichtiges Leben durfte Reinhold Messner bis dato leben und nur Corona sorgt derzeit (Winter 2020) dafür, dass Messner seine Pläne etwas nach hinten stellen muss.

Das Buch ist eine Neuauflage des gleichnamigen Werkes, welches schon lange auf dem Buchmarkt zu kaufen ist: auf knapp 400 Seiten lässt Messner vor allem seine Bilder sprechen: vom kleinen Bub aus den Südtiroler Dolomiten zum ehrgeizigen, begnadeten Felskletterer, der zum erfolgreichsten Höhenbergsteiger wurde, nachdem man ihm 1970 zahlreiche Zehen amputieren musste. Erstbesteigung des Everest ohne Flaschensauerstoff ´78, erste Solobesteigung eines Achttausenders ´78, erste Solobesteigung des Everest ´80, erste Doppelüberschreitung zweier Achttausender ´84... - die Liste ließe sich verlängern. Danach durchwandert Messner Wüsten, ist Politiker am EU-Parlament, seit Jahrzehnten Vortragsredner, baut gleich sechs Museen, wird Filmemacher. Achja: die Anzahl seiner geschriebenen Bücher kennt wohl Messner selbst nicht so genau.

"Alle meine Gipfel" ist zweifelsohne das Buch, wenn es darum geht, die Bandbreite von Messners Schaffen & Tun kennenzulernen. Über 650 Fotos machen das Buch zum optischen Leckerbissen, nie mit Text überfrachtet, so dass sich das Buch zum Schmökern, Blättern, Nachschlagen hervorragend eignet. das Buch endet (zunächst) mit dem Jahr 2018 und der 40-Jahr-Feier der berühmten Nairz-Expedition 1978, doch wie sagt man so schön: "...will be continued!"

   

Zaplotnik, Nejc: "Der Weg" nach oben!

gebunden, 317 Seiten, ISBN 978-3-03913-017-7
Preis: 35,00 €, AS-Verlag 2020.

Jernej "Nejc" Zaplotnik gehörte zur ersten Garde der slowenischen Bergsteiger, die schon seit Jahrzehnten durch schwierigste und härteste Expeditionen bis zu den höchsten Giopfeln der Welt auf sich aufmerksam machten: 1952 geboren, lernte er im ehemaligen Jugoslawien in Kindes- bzw. Jugendjahren die Kunst des Bergsteigens und zeigte hier rasch sein großes Talent. Das leidenschaftliche Hobby ermöglichte es ihm, schon in den 70er Jahren ins Ausland zu reisen und so lernte er Afrika und das Yosemite Valley kennen und konnte dann 1975 mit dem Makalu seinen ersten Achttausender besteigen. Im damaligen Politsystem war zweifelslos der Drang nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben so groß, dass Nejc Zaplotnik gerade im Alpinismus eine großartige Möglichkeit sah, sich zu verwirklichen.
1979 gelang ihm mit Andrej Stremfelj die erste komplette Begehung des Mount Everest-Westgrates - ein Meilenstein am höchsten Berg der Welt. Die Liste der erfolgreichen Begehungen ist lang, und doch wurde ihr ein jäher Schlussstrich gesetzt, als Zaplotnik 1983 im Manaslu-Basislager von einer Lawine verschüttet wurde, nur neun Tage nach seinem 31. Geburtstag.
Seine Autobiographie schrieb er, zum Glück für Bergsteigergenerationen nach ihm, bereits zwei Jahre zuvor mit dem Titel "Pot" - ein längst begehrter und gerne gelesener Klassiker der slowenischen Alpinliteratur.
Lard Felgner ist im Rahmen der ersten deutschsprachigen Übersetzung eine feinfühlige Interpretation des originalen Textes gelungen: so bleibt der emotionale Charakter erhalten, wenn Zaplotnik über Kälte, Entbehrung, erfolgreich bestiegene Gipfeln und Freude am Berg, doch auch von Leid und Verlust erzählt. Zaplotnik macht das so offen und ehrlich, dass man sich in die Zeit seiner großen Besteigungen zurückversetzt fühlt. Schön, wenn man aus seinem Herzen keine Mördergrube macht! Für mich ein wenig der Reinhard Karl Sloweniens.

Wer sich näher für das slowenische Spitzenbergsteigen interessiert, dem sei wärmstens das 2017 im AS-Verlag erschienene Buch "Der Weg zur Spitze" von Autorin Bernadette McDonald.

   

Schüssel, Wolfgang & Forcher, Sepp: "Es gibt einen Berg für jedes Alter" nach oben!

214 Seiten, ISBN 978-3-7112-0023-5
Preis: 20,00 €, bergwelten 2020.

Das Unterwegssein in den Bergen ist freilich eine Tätigkeit, der viele Menschen fröhnen und wie schon Reinhold Messner sagte, so gibt es so viele Legitimationen, auf Berge oder an Bergen zu steigen, wie es Menschen gibt, die sich ihnen nähern. Insofern müssen es nicht immer die "großen" Geschichten sein, die sich interessant lesen. Und aus eben diesem Grund versammelt sich in diesem schönen, kleinen Band nicht nur alpines Urgestein wie Alexander Huber, Axel Naglich oder Gertrude Reinisch-Indrich, sondern auch (in der Alpinszene) nicht ganz so bekannte Namen wie die 4000er-Sammlerin Marlies Czerny, Hans Gasperl, Bischof Manfred Scheuer oder andere.

Gerade diese bunte Mischung an Menschen macht die Lektüre des Buches ebenso abwechslungsreich wie lesenswert, erfährt man doch viel über die Beweggründe, warum sich Menschen den Bergen nähern, auf ihre Gipfel steigen wollen: das Unterwegssein als sportliche Herausforderung, als Naturerlebnis, als meditative Möglichkeit, zu sich selbst zu finden und nicht zuletzt: das Bewegen im Gebirge ist eine hervorragende Möglichkeit der Entschleunigung aus unserer hektischen Welt. Oben am Berg hat der Mensch eine Übersicht über die Dinge, während man "unten" doch allzuoft fokussiert sein muss.
Doch die Geschichten zeigen auch, dass sich die Motivationen im Laufe eines Lebens ändern können: es gibt einen Berg für jedes Alter, doch mit dem Alter werden sie unter Umständen kleiner! Die sehr schönen Zeichnungen stammen vom ehemaligen österreichischen Spitzenpolitiker Wolfgang Schüssel.

 

   

Dauer, Tom: "Kurt Albert" nach oben!

336 Seiten, ISBN 978-3-7022-3874-2
Preis: 29,95 €, Tyrolia-Verlag 2020.

Kurt Albert, viel zu früh 2010 durch einen Unachtsamkeitsfehler tödlich beim Klettern verunglückt, war, so schreibt der Tyrolia-Verlag "einer der größten und geistreichsten Kletterer und Bergsteiger aller Zeiten." Zweifelslos! Er war nicht nur Vorreiter der Freikletterbewegung, sondern Urvater des Rotpunktgedankens, den er vom Frankenjura in die Welt transportierte und dadurch den Bergsport revolutionierte. Unterwegs war er alleine, doch zumeist mit Freunden, ihres Zeichens auch oftmals selbst Kletterikonen ihrer Zeit, wie z.B. Wolfgang Güllich, Bernd Arnold, Holger Heuber, Stefan Glowacz usw. Oft gelangen neue, heute noch viel beachtete Linien wie "Locker vom Hocker", "Eternal Flame" oder "Fight Gravity" sind darunter und auch vor dem steilen Karakorum-Fels machte Alberts Philosophie keinen Halt. Stets jedoch verstand Kurt Albert sein Unterwegssein als Lebenseinstellung, die es galt, auszufüllen.

Der erfahrene Alpin-Autor Tom Dauer, der sich schon Reinhard Karl literarisch widmete, sichtete Kurt Alberts Bilderarchiv, sprach mit Kletterpartnern, interviewte Freunde & Bekannte und zeichnet so ein vielschichtiges Bild einer beeindruckenden Persönlichkeit, der vor allem Eines wollte: ein intensives Leben leben, unabhängig sein und mit jeder Faser des Körpers den Moment spüren. Am Berg. Am Fels. Im Abenteuer. Das Buch begleitet uns durch Kurts alpine Entwicklung und zeigt auch einen einfühlsamen, privaten Kurt Albert, dessen Maxime im Buchuntertitel "frei denken, frei klettern, frei sein" sehr treffend auf den Punkt gebracht ist. Dabei werden wir vom Frankenjura mitgenommen in die Alpen, nach Patagonien, Grönland, Mali, Brasilien, Venezuela, Pakistan und und und. Ja, ein reiches Leben hat Kurt Albert geführt, das wird dem Leser spätestens mit der Lektüre des Buches klar. Reich bebildert kommt es daher und Tom Dauer hat die interessantesten und schönsten Aufnahmen mit Hilfe von Horst Albert und Peter Dittrich zusammen getragen.

Wenngleich das Buch einen ganz großen Alpinisten portraitiert, ist es doch viel mehr als ein "Bergbuch" und begeistert sicher alle, die sich nicht nur für die Berge, sondern auch für Werte wie Freiheit, Unabhängigkeit & Freundschaft begeistern. Ich selbst war 2010 tief entsetzt, als ich vom Tod Kurt Alberts erfuhr und freue mich nun umsomehr, dass Tom Dauer ein so schönes Werk über "Mister Rotpunkt" gelungen ist.

   

DAV, OeAv &AVS: "Berg 2021" nach oben!

Hardcover, 256 Seiten, ISBN 978-3-7022-3876-6
Preis: 20,90 €, DAV 2020, Vertrieb über den Tyrolia-Verlag. Infos inkl. Leseproben unter https://www.tyroliaverlag.at/list?xid=43058380

Mit Berg 2021 kommt der nunmehr bereits 145. Band des traditionsreichen AV-Jahrbuchs auf den Markt und hält für den Leser wieder eine Menge an Informationen, Berichten, Interviews ect. bereit:
Der Gebietsschwerpunkt BergWelten widmet sich Band 145 der österreichisch-italienischen Grenzregion an der Naht Osttirol / Südtirol: den Karnischen Alpen. Auf dem Karnischen Höhenweg geht es durch diese wunderschöne Region, wir lernen Klettersteige, Dörfer, das traditionsreiche Hochweißsteinhaus und lohnende Felskletterrouten kennen. Als Grenzregion freilich gibts es aus einer reichen Geschichte zu erzählen, noch länger zurück blickt nur der Geologe in die Erdgeschichte. Ganz aktuell sind Gletscherforschung und das Portrait von AV-Obmann und Kärtner Urgestein Sepp Lederer. Im BergFokus steht die Alpindisziplin, der alljährlich zig Tausende fröhnen: "Wandern": warum Wandern, wieso boomt Wandern? Antike Ausflüge wie die des Joseph Kyselak lernen wir kennen wie auch "moderne" Ambitionen und natürlich der ewige Twist zwischen Wanderern und Radfahrern - eine Entwicklung, die im Zeitalter von E-Bikes nicht einfacher wird. In BergSteigen geht es höher hinaus, als es derzeit die meisten Pedelec-Piloten tun: Ralf Gantzhorn, 2020 tragischerweise in der Schweiz tödlich abgestürzt, widmet sich dem Mont Blanc-Massiv und dessen Hochalpinismus und Stephanie Geiger bricht für die Bergretter eine Lanze. Ein persönliches Highlight: Max Bollands Rückblick auf die internat. Alpinhöhepunkte, die von Gudrun Regelein um die Wettkampf-Szene ergänzt werden. BergMenschen portraitiert die Sportkletter-Pionierin Andrea Eisenhut und Alpin-Legende Hermann Huber, diskuttiert über Integration am Berg und beleuchtet die DAV-Sektion Donauland.
In
BergWissen verpflichtet man sich dem Schutz der Natur und informiert über die Privatisierung jener Natur, gibt Einblicke in die Welt der Eiskristalle und sinniert mit Robert Renzler über die Entwicklungen am ÖAV und DAV. Den Abschluss bildet traditionell BergKultur, heuer mit einem Ausflug zu deutschsprachigen Enklaven in Südtirol, einem Portrait des Fotografen Christian Thiele, über das Gut und Schlecht des Alpinismus und Gedanken von Schriftsteller Christoph Ransmayr.
Ergo: Berg 2021 ist wieder eine bunte, abwechslungsreiche literarische Collage, in der jeder Bergbegeisterte genug Lesematerial für die dunkle Jahreszeit findet!

   

Messner, Reinhold: "Layla" nach oben!

gebunden, 40 Seiten, ISBN 978-3-71120-025-9
Preis: 16,00 €, bergwelten-Buch 2020. Website des Autors:
www.reinhold-messner.de

»Papa war häufig auf Reisen und lebte oft monatelang im Reich des Schneekönigs. Wenn er zurückkam, erzählte er nur wenig. Das Wasser, die Luft und das Licht dort oben hatten ihn schweigen gelehrt oder alles vergessen lassen. Das machte mich neugierig und eines Tages fragte ich ihn, ob ich mitdürfe«

So reist die kleine Layla mit ihrem Vater, dem Bergsteiger, in jenes Reich des Schneekönigs und erlebt das karge Leben in der Wildnis. Zweifelsohne kein Buch, welches man einem Kind zur Lektüre in die Hand gibt. Aber ein sehr schönes Buch, welches sich als Kind prima mit den eigenen Eltern erleben lässt, denn Mama oder Papa dürfen hier und dort sicher erläuternd tätig werden. Die Abenteuer von Layla sind letztlich eine Hommage an die unberührte Natur in den Hochgebirgsregionen unserer Welt, die es zu schützen gilt. Die Erlebnisse von Layla und ihrem Papa erzählen aber auch gleichermaßen von den Gefahren, denen man sich in wilder Natur aussetzt, wie von der Möglichkeit großartiger Erfahrungen, die man abseits unserer Zivilisation machen kann.

Das Buch ist haptisch eine Freude: großformatig und auf hochwertigem Papier gedruckt kommt es daher und ist mit vielen, vielen schönen Illustrationen von Messners Landmann Davide Panizza geschmückt. Große Buchstaben und wenig Text pro Seite ermuntern auch den nachwuchs, sich im Lesen zu probieren. Im Nachwort schließt Messner treffend mit „Der Schlüssel zum Glück ist der Verzicht, nicht der Konsum“ ab – auch das praktizierte Messner bei seinen Expeditionen über Jahrzehnte hinweg. Genau dies gilt es, der jungen Generation mit auf den weiteren Lebensweg zu geben; was Messner in seinem Buch sehr schön gelingt. Schade, dass es nach Messners eigener Aussage das wohl einzige Kinderbuch von ihm bleiben wird.

   

Messner, Reinhold & Märtin, Ralf-Peter: "Tanzplatz der Götter" nach oben!

gebunden, 256 Seiten, ISBN 978-3-596-70436-1
Preis: 28,00 €, S. Fischer-Verlag 2020. Website des Autors:
www.reinhold-messner.de

Reinhold Messner ist seit Jahrzehnten vom Thema "Menschen und Berge" fasziniert und entsprechend umfassend ist sein Wissen zum Thema. Schon in den 90er Jahrenarbeitete er mit dem Theologen Michael Albus an diesem Thema, danach war Ralf-Peter Märtin (verstorben 2016) jahrelang sein Begleiter und Berater zu diesem Thema. Es begegen einem auch (wie im Falle des Kailash) jene Berge wieder, die Messner damals an der Seite von Michael Albus in der TV-Produktion "Wohnungen der Götter" Anfang der 90er Jahre vorstellte. Gemeinsam mit Märtin ist Messner mit "Tanzplatz der Götter" ein spannendes Werk zum Thema Religion(en) und Berge gelungen: weltweit, in allen Erdteilen, auf allen Kontinenten gibt es heilige Berge: mythische Stätten, in den Religionen vor Jahrtausenden geboren wurden oder die auch heute noch heilige Stätten jener Religionen sind. Egal, ob Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus oder Buddhismus, in allen Weltreligionen spielen Berge als spirituelle Orte eine wichtige Rolle und "Sterblichen" war mitunter das Betreten dieser "Tanzplätze der Götter" streng untersagt. Die Gipfel streuen quer über den Globus, ob es der Kailash im Himalaya, der Gunung Agung auf Bali, der Fujijama in Japan, der Licancábur in Chile oder der Ayers Rock in Australien ist.
Nach einer Einleitung erzählt Messner in 13 Kapiteln die mythischen Geschichten, die diese Berge umranken. Messner bestieg die meisten der vorgestellten Ziele selbst, bekam selbst für den Kailash seinerzeit von den Chinesen die bis heute einzige Besteigungserlaubnis, die er aus Respekt vor dem Glauben der Einheimischen nicht annahm. So bleibt der Berg bis heute unbestiegen und blieb dadurch besonders mystisch.
Interessant ist natürlich, dass Messners zahlreiche ganz subjektive Erfahrungen als Bergsteiger und religiös interessierter Atheist in die Texte ebenso einfließen wie Märtins Sichtweise auf die Dinge, seines Zeichens ja nicht nur Co-Autor, sondern auch studierter Historiker. Das Buch lässt nicht nur für Messners Geschichten und Recherchen Platz, sondern auch für die vielen ganz- oder doppelseitigen Bilder, die die heiligen Berge wunderbar in Szene setzen. So entsteht ein wunderbares Buch für alle, die sich in diese hochinteressante Thematik einlesen möchten!

   

Messner, Hubert & Koppelstätter, Lenz: "Der schmale Grat" nach oben!

gebunden, 224 Seiten, ISBN 978-3-453-28123-3
Preis: 22,00 €, Ludwig-Verlag 2020. "Trailer" auf youtube: www.youtube.com

Sein berühmter Bruder würde über Hubert sagen, dass er, ihm Gegensatz zu ihm selbst, einem nützlichen Beruf nachgeht. Ja, das tut er: als Arzt konnte er mit jahrzehntelanger Erfahrung 1997 die Neonatologie in der Klinik Bozen leitend übernehmen. Doch auch in ihm schlummert das Abenteuer-Gen wie bei einigen seiner Geschwister, welches sich regelmäßig bemerkbar macht und befriedigt werden möchte. So ist Hubert Messner in seinem Leben immer wieder Grenzerfahrungen ausgesetzt: als Arzt beim Kampf um das Leben der Kleinsten und Schwächsten und als Bergsteiger & Abenteurer in den entlegenden Regionen der Welt: sei es an den Achttausendern Lhotse oder Nanga Parbat, an dem bekanntlich sein Bruder Günther 1970 umkam, oder in den großen Eiswüsten des arktischen und grönländischen Eises.

So ist das Buch eine Sammlung von Hubert Messners Grenzerfahrungen, Gratwanderungen: sei es in seiner beruflichen Rolle als Neugeborenen-Mediziner, oder als Grenzgänger in wilder Natur. Hubert Messner erzählt offen, warum es wichtig ist, sich Grenzerfahrungen zu stellen, welche Motivation er aus diesen Grenzsituationen zieht, wie er derartigen Situaltionen, die ihn an die Grenze zwischen Leben und Tod bringen, begegnet. Und in beiden Feldern stand Hubert Messner an jener Grenze: zum einen als Vater, als er 1996 um das Leben seines Sohnes bangen musste, der als Frühchen zur Welt kam, und 1995, als er mit seinem Bruder Reinhold eine Nordpol-Expedition unternimmt, bei der er beinahe umkommt.

Ein Buch, dass Hoffnung macht, das begeistert, das den Leser in seinen Bann zieht, das schlichtweg höchst lesenswert ist und man nicht aus der Hand legen möchte. Faszinierend wohl vor allem dadurch, dass hier Grenzerfahrungen aus dem beruflichen wie privaten Feld Hand in Hand gehend eine beeindruckende Vita zeichnen.

   

Messner, Reinhold: "Gehe ich nicht, gehe ich kaputt - Briefe aus dem Himalaja" nach oben!

gebunden, 288 Seiten, ISBN 978-3-89029-502-2
Preis: 24,00 €, Piper-Verlag 2020. Website des Autors:
www.reinhold-messner.de

Gehe ich nicht, gehe ich kaputt“ – wer Reinhold Messner auch nur ein wenig kennt weiß, dass ein so umtriebiger Geist tatsächlich das ständige Unterwegssein braucht – körperlich oder geistig. Viel zu erzählen hat er, der größte Abenteurer unserer Zeit: in Büchern, auf Vortragen, sehr privat sicher in seinen Briefen. Genau dies ist Gegenstand von Messners neuem Buch: Messner hat hier aber nicht nur sein eigenes postalisches Archiv gesichtet, sondern ist auch bei berühmten Alpinisten früherer Tage bis hinein in die Gegenwart fündig geworden. Briefe, die die Akteure aus fernen Landen an ihre Lieben schrieben, mal banal, doch oft auch voller Emotion und persönlichen Gedanken, an deden der Leser teilhaben darf.

Da die Inhalte sowie die Sprache oftmals typisch für die jeweilige Zeit sind, gliedert Messner sein Buch in die Kapitel „Pionierzeit“ (1850-1929), „Heldenzeit“ (1932-1961), „Hochzeit“ (1970-1990), „Funkstille“ (2000-2005) und „Netzzeitalter“ (2010-2020), wobei in den letzten drei Buchteilen praktisch ausschließlich Messner zu Wort kommt. In den ersten beiden Kapiteln werden große Namen wie George L. Mallory, Karl Wien, Paul Bauer, Maurice Herzog, Willy Merkl, Herbert Tichy ect. geradezu rezitiert - für mich ein echtes Highlight des Buches, die Briefe aus den Sturm und Drang-Jahren, den Entdeckerjahrzehnten im Himalaya.

In den Texten spiegeln sich nicht nur Erfolg & Niederlage, Triumph & Leid, sondern auch der jeweilige Geist der Zeit. Die Texte sind ein Spiegel der jeweiligen Autoren und lesen sich so abwechslungsreich wie ihre Urheber.

   

Ritschel, Bernd: "Tirol 2021" nach oben!

Spiralbindung, 14 Seiten, ISBN 978-3-7022-3856-8
Preis: 12,95 €, Tyrolia-Verlag 2020. Website des Autors:
https://www.lightwalk.de/home.html

Mit kaum einem österreichischen Bundeland assoziiert ein „Nicht-Österreicher“ das schöne Land inmitten der Alpen wie mit Tirol. Genau diesem Bundesland verschreibt sich der neue Kalender vom renommiertem Bergfotograf Bernd Ritschel, der sich

Nachdem man mit dem wunderschönen Titelmotiv, dem Großglockner im Abendlicht, eingestimmt wurde, bekommen wir jeden Monat mit einem Motiv quer durch Tirol versüßt: ob die nächtliche Wildspitze im Ötztal, idyllische Holzblockhütten im Virgental, faszinierende Eisstrukturen auf dem Gepatschferner, urige Alpenvereinshütten, herbstliche Brauntöne oder der gewaltige Wettersteinstock zur blauen Stunde – jedes Motiv macht Freude und weckt die Lust nach der Ferne (sofern man nicht in den Bergen wohnt).

Der mittelformatige Kalender (31 cm x 35 cm, mit Mondphasen und Kalenderwochen-Nummerierung) passt an jede Wand und ist mit den tollen Foto-Perspektiven und abwechslungsreichen Farb-Arrangements ein Hingucker von Januar bzw. Dezember.

 

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