yMeine Top 15-Neuerscheinungen auf dem Alpinliteratur-Markt:

Natürlich ist die Liste der im Handel erhältlichen Bücher zu alpiner Literatur fast endlos. Und selbstverständlich ist die Fülle der neu veröffentlichten oder aufgelegten Bücher ebenfalls riesig. Daher gibt es hier stets nur eine kleine Auswahl an neuen Büchern, die sich dafür aber auch sicher lohnen dürften. Natürlich liegt auch hier der Schwerpunkt gemäß meinem eigenen Interesse auf den großen Bergen der Welt. (Sortierung: innerhalb des Erscheinungsjahres in der Reihenfolge der Rezension.)
Übrigens: weitere Besprechungen kann man - nach Jahren sortiert - hier suchen.

Links zu den letzten 15 Buchbesprechungen:

Messner, Reinhold: "Rettet die Berge" nach oben!

gebunden, 127 Seiten, ISBN 978-3-710900716
Preis: 10,00 €,
Benevento-Verlag 2019. Eine Buchbeschreibung ist auf der Verlagsseite zu lesen.

Schon vor über zwanzig Jahren prangerte Reinhold Messner in seinem Altwerk "Berg Heil - heile Berge?" die Art und Weise an, wie wir mit unserer Berglandschaft umgehen. Und nun, mit 75 Jahren, wird Messner nicht müde, diesen Appell nochmals lautstark zu bekräftigen und in unsere heutige Zeit zu definieren. Freizeitanlagen, Skitourismus, Bergbahnen, riesige Showevents auf Berggipfeln, Mountainbiker und E-Biker, Möchtegernbergsteiger usw. allerorten. Berge boomen. Wandern boomt. Und was des einen Freud ist des anderen Leid. Leiden tut vor allem die Natur! Erhabenheit der Natur? Ja! Wildheit der Natur? Nein, es gibt doch eine Infrastruktur mit Seilbahnen, Bergwacht und Straßen.

Messner prangiert sehr deutlich und zu Recht an, dass wir den Respekt vor der Natur verlieren, dass es uns an Ehrfurcht vor der wilden Bergwelt fehlt. Tourismus in den Bergen "ja", aber nicht zu den heutigen Bedingungen. Messner gelingt es, dass sich auch der Leser, jedes einzelne Individuum fragen muss, was man selbst zum Schutze der Natur tun kann. Ein klein wenig mehr "archaische" Natur, so wie sie Messner oft fordert, wäre sicher nicht zuviel verlangt. Braucht es wirklich jeden Skilift, jede Bergbahn, jeden neuen großen Wanderparkplatz, neue, breite Wege, neue PKW-Möglichkeiten? Wäre unbequemer nicht schöner, ehrlicher? Kein Zweifel, Messners Texte regen zum nachhaltigen Nachdenken an. Nutzen wir diese Chance! Der berühmt gewordene Slogan "There is no planet B" gilt wohl auch besonders für den sensiblen Lebensraum "Berg".

Die hinteren gut zwanzig Seiten sind einem ausführlichen Interview mit Reinhold Messner gewidmet, wo der Alpinist und Abenteurer Rede und Antwort zu Themen wie Angst, Überleben, Freiheit und Ausgeliefertsein steht. Wieder offen, ehrlich und ungefiltert - das macht Messner authentisch und glaubwürdig in seinem Appell! Ein kritisches Messner-Werk, wie es sich für 2019, für Zeiten (hoffentlich) großen Wandels gehört.

   

Kalender: "Wanderlust 2020" nach oben!

Spiralbindung, 13 farbige Blätter, ISBN 978-3-667-11479-2
Preis: 34,90 €, Delius-Klasing 2019. Vorschaubilder gibt es auf www.delius-klasing.de/wanderlust-2020-11479

Wer gerne in den Bergen wandert hat doch meist das ganze Jahr über Lust auf das "Aktiv-sein" in, an und auf seinen Lieblingsbergen. Mir geht es jedenfalls so... Und wenn man nicht gerade in den Bergen wohnt und sich die Berge auf den jährlichen Urlaub beschränken, ist das restliche Jahr mit Sehnsucht, Touren-Planung und nochmal Sehnsucht vollgepackt.
Schön, wenn man sich da in Form eines großformatigen Wandkalenders (67,5 x 47 cm) ein Jahr lang ein monatlich wechselndes schönes Motiv an die heimischen Wände zaubern kann. Wer schon einen freien Platz hat, es lohnt auch jetzt schon, den Kalender "Wanderlust 2020" aufzuhängen: das Titelmotiv ist bereits mit dem herrlichen Blick auf die Königin des Allgäus, die Höfats, spektakulär und der Kalendertitel "Wanderlust" passt natürlich super.

Bekannte Landschaftsfotografen wie Dan Patitucci und andere fangen hier grandiose Landschaftsmomente ein, die Lust auf das Unterwegssein in der Natur machen: surreale Felsformationen in Schottland, die Eisriesen im Khumbu-Himalaya, der berühmte Brienzergrat in der Schweiz, der unglaubliche Risco-Wasserfall auf Madeira, die Wüste Namibias, der Half Dome im Yosemite Valley in den USA und eben auch die Allgäuer Alpen - bei jedem Motiv bekommt man Wanderlust, Urlaubslust, Lust auf Aktivität in der Natur!

Mit Hilfe der kurzen Beschreibungen zu jedem Motiv bekommt man einen ersten Eindruck von der Tour, während der das Bild entstanden ist. So gestaltet sich der Start in eine eventuelle Tourplanung leichter.
Achja: der Kalender wurde von der Jury des "Gregor Publisher Calendar Award" 2019 mit Bronze ausgezeichnet. Für mich deckt sich das 1:1 mit dem Eindruck, den der Kalender (nachdrücklich) bei mir hinterläßt.

   

Messner, Reinhold: "Absturz des Himmels" nach oben!

gebunden, 416 Seiten, ISBN 978-3-10-397450-8
Preis: 24,00 €,
S Fischer-Verlag 2019. Eine Buchbeschreibung ist auf der Verlagsseite zu lesen.

Willo Welzenbach (1899-1934), der Eispapst, so wie er einst in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts genannt wurde, weil kein anderer wie er Eiswände der West- und Ostalpen sammelte. Er war zweifelsfrei einer der besten Bergsteiger seiner Zeit. Sein großes Ziel wird der Nanga Parbat, doch die Bergsteiger-Lager im Deutschland jener zeit sind gespalten: der getreue Nationalsozialist Paul Bauer intregiert Welzenbachs Plan, der erst 1934 unter Willy Merkls Leitung zum Nanga kommt. Es kommt zur Tragödie, unter anderem stirbt auch Willo Welzenbach in einem infernalischen Höhensturm.
Es ist eine spannende aber eben auch intregante Zeit: Paul Bauer, Willy Merkl, Willo Welzenbach, Peter Aufschnaiter, Erwin Schneider - alle klangvolle Namen, wenn es um die Früherschließung des Himalayas geht. Und wohl auch aufgrund des frühen Todes ging der Name Welzenbach zu schnell für das breite Publikum unter. Reinhold Messner kennt die Alpingeschichte und natürlich den Nanga Parbat wie kein Zweiter, weiß seit Jahrzehnten, wie man packende Bücher schreibt. Doch für die "Akte Welzenbach" holt er sich mit Dr. Anton Schwembauer wertvolle Hilfe, der ihm Zutritt zu einer Vielzahl von fast vergessenen, persönlichen Dokumenten und Briefen verschafft. Diese kann Messner gekonnt nutzen, um eine spannende Geschichte zu erzählen: die Geschichte eines begnadeten Bergsteigers, der nicht nur gegen die Unbilden der Natur ankämpfen muss, sondern auch gegen die Unbilden des damaligen politischen Regimes, für die eine Bergbesteigung eine Machtdemonstration eines überlegenen Volkes war.

Messner gelingt es meiner Meinung nach ausgezeichnet, sich hier mit persönlichen Meinungen etwas zurückzuhalten und die Dokumente, die er sichten durfte, für sich sprechen zu lassen: einzigartige Dokumente einer spannenden Zeit im deutschen Bergsteigen, die, gepaart mit Messners Sachkenntnis und Erfahrung, lebendig werden. Mittels dieser vielen Briefe, Tagebuchzitate usw. taucht der Leser in eine fast hundert Jahre alte Vergangenheit ein und spürt den damaligen Machtkampf zwischen Staat, DAV und Bergsteiger. Zahlreiche Schwarzweißbilder aus Welzenbachs bewegenden letzten zehn Lebensjahren runden das Buch sehr gelungen ab.

Für mich ist diese Epoche eine der interessantesten Abschnitte, wenn man sich für Alpinhistorie begeistert. Daher eine klare Kaufempfehlung!

   

Seitlinger, Gabriel: "Salzburg Summits" nach oben!

Broschur, 368 Seiten, ISBN 978-3-7025-0929-3
Preis: 24,00 €, Verlag Anton Pustet 2019.

Seven Summits, Second Second Summits, German Summits, Salzburg Summits: die höchsten Berge einer jeweiligen Region, eines jeweiligen Landes zu besteigen ist en vogue. Warum nicht: man bereist seine Umgebung und man kommt mit Landstrichen in Kontakt, die man sonst vielleicht nicht bereisen würde. Nun ist natürlich Salzburg und sein Umland so oder so eine Reise allemal wert, also liegt es nahe, auch hier einen derartigen Führer zu platzieren.

Ganze 119 Ziele sind es, wenn man sich den höchsten Punkten der jeweiligen Gemeinden des gesamten Bundeslands Salzburg annimmt: eine große Aufgabe, der sich Gabriel Seitlinger , seines Zeichens Hochgebirgsgeograph, erfolgreich gestellt hat. Vielleicht ist das ja auch das Erfolgrezept solcher Projekte: es gibt, so auch in Seitlingers Band, leichte Ziele und schwere, kurze und längere Gipfeltouren, bekanntes und unbekanntes Terrain, niedrige Gupfe (es geht los bei 445 m) und hochalpine Ziele zu erleben: der Großvenediger ist mit 3657 m das sprichwörtliche Highlight in diesem Buch.

Dabei ist es ganz gleich, ob man sich den "Landmarken" oder Gipfeln mit dem (Mountain)Bike, auf Ski oder per pedes nähern möchte: es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Dabei ist das Buch durchgehend farbig bebildert und mit allen nötigen Informationen wie Anstiegsbeschreibung, Kartenskizzen ect. versehen, damit man gleich losstarten kann. Und wer nicht so recht weiß, wo man anfangen soll: eine Liste mit allen "Startgemeinden" und jeweiligen Gipfeln ist auch vorhanden. Damit viel Spaß beim Naturerlebnis "Salzburg"!

   

Synnott, Mark: "Free solo im Yosemite" nach oben!

Hardcover, 480 Seiten, ISBN 978-3-7112-0007-5
Preis: 24,00 €, Bergwelten-Buch 2019.

Alex Honnold ist 33 Jahre alt, ein Sunnyboy und… einer der besten, wenn nicht derzeit der beste Big Wall-Kletterer der Welt, gewann u.a. 2015 den Piolet d´Or. Bekannt und hochgeachtet ist Honnold in der Kletterszene schon lange, doch sein absolutes Masterpiece lieferte er am 3. Juni 2017 ab, als er nach langer Vorbereitung am El Capitan im Yosemite-Valley die schwere Route „Freerider“, die er zehn Jahre zuvor als 21-jähriger an einem Tag durchstieg, als erster Kletterer free-solo durchsteigen konnte: 1000 Meter steilster und schwierigster Granit (Grad IX / IX+ nach UIAA), die der bekannte Speedkletterer noch dazu in unglaublichen 3:56 Std. durchsteigen konnte. Profikletterfreund Tommy Caldwell spricht gar von der „Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“. Meiner Meinung nach nicht übertrieben!

Zugegeben: anfangs ist man eventuell etwas enttäuscht: kein einziges Bild von dieser wahnwitzigen Kletterei. Aber: das Buch ist so fesselnd geschrieben, dass es einem dem Atem rauben kann, dass man das Buch zur Seite legen muss, um sich seine verschwitzten Hände zu trocknen. Da braucht es keine Bilder, die gibt’s im Netz zur Genüge. Das Buch erzählt zudem die ganze Geschichte: wie bereitet man sich auf eine solche Extremsituation vor? Wie tickt ein solcher Alex Honnold mental und hat in der Route keinerlei Angst? Was ging in Alex´ Karriere an schweren Touren voraus, bis man sich an diesen Grenzgang wagen konnte? Mark Synnott blickt in die Seele Honnolds und schaut hinter die Fassaden diesen Extremsports. Das Buch ist damit eine großartige Ergänzung zum Film „Free Solo“, der die Tour filmisch dokumentiert und 2019 den Oskar für den besten Dokumentarfilm gewann!

Nachtrag: ein Jahr später, 2018, konnte Honnold die berühmte „Nose“ am El Cap in unglaublichen 1:58 Std. durchsteigen. Er scheint auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit angekommen zu sein!

   

Funk, Gaby: "Wanderungen für Langschläfer - im Allgäu" nach oben!

broschiert, 126 Seiten, ISBN 978-3-862-46580-4
Preis: 14,99 €, J.Berg-Verlag 2019

Das Allgäu ist eines der beliebtesten Bergregionen im deutschen Alpenraum. Jährlich zieht es Tausende Urlauber in die schönen Berge zwischen Oberstaufen, dem Tannheimer Tal, Oberstdorf und dem Kleinwalsertal. Die Meisten haben es auf Wandertouren abgesehen, aber nicht jeder möchte im Hochsommer von früh bis spät unterwegs sein. Gaby Funk, langjährige „Wahlallgäuerin“, hat sich daher 35 Halbtagestouren herausgesucht, die es ebenso wert sind, gewandert zu werden, wie eine ausgewachsene Tagestour.

Natürlich fallen die „großen“ Ziele wie Hochvogel, Heilbronner Weg, Krottenkopf usw. weg, doch das Allgäu bietet so viel an reizvollen und idyllischen Zielen: das Riedberger Horn in der Hörnergruppe, diverse Wanderungen in der Nagelfluhkette, der Laufbacher Eck-Weg, die Willersalpe bei Hinterstein, der Hohe Ifen, der Aggenstein oder die Zinken-Sorgschrofen-Überschreitung sind nur einige Vorschläge, zwischen denen man die Wahl hat.

Gewohnt erfahren schildert Gaby Funk alles Wichtige zu jeder Tour, ergänzt um kurze Steckbriefe mit allen erforderlichen hard facts wie Höhenmeter-Angaben, Gehzeit usw. Daneben erleichtert eine kleine, farbige Karte die Orientierung hinsichtlich des Wegeverlaufs. Schöne Fotos von der Strecke geben einen ersten Eindruck ins jeweilige Landschaftsbild.

Das Buch ist damit ein toller Ideengeber für alle Allgäubegeisterten, die kürzere, entspanntere Touren bevorzugen. Der Großteil der Touren bewegt sich hinsichtlich der Gehzeit in einem Rahmen von zwei bis vier Stunden. Da bleibt die andere Tageshälfte für Freibad oder Anderes.

 

Kauer, Wolfgang: "Felsbilder der Alpen - Motive im internationalen Vergleich" nach oben!

Hardcover, 288 Seiten, ISBN 978-3-7025-0932-3
Preis: 28,00 €, Verlag Anton Pustet 2019

Der Salzburger Wolfgang Kauer, in erster Linie Schriftsteller im Bereich Prosa und Lyrik, hatte 2017 mit seinem Buch „Felsbilder der Ostalpen“ einen wegweisenden Band zur Identifizierung und Deutung von Felsbildnissen im Ostalpenraum geliefert. Nun spannt Kauer den Bogen bedeutend weiter, war im gesamten Alpenraum zwischen den französischen Seealpen, der südlichen Schweiz, Norditalien und Österreich unterwegs, um etliche Felsbilder aufzunehmen, zu deuten, chronologisch einzuordnen und in prähistorische Kontexte zu setzen. Auch völlig neue Funde sind hierunter und damit in diesem Buch erstmals überhaupt geschildert.

Doch nicht nur das, ferner gelingt es Kauer, Einflüsse aus Bereichen fernab der Alpen, wie zum Beispiel aus Griechenland oder Ägypten, mit in die Interpretation hineinfließen zu lassen. So werden Götter in Menschen- oder Tiergestalt wieder wach und auch die Rolle des heute nicht mehr weiter beachteten Mondes wird dem Leser verständlich nahe gebracht.

Mit den ungezählten, durchgehend farbigen Bildern, entsteht hier, in Kombination mit dem Werk von 2017, ein bedeutendes Nachschlagewerk für alle, die sich für prähistorische Überlieferungen oder einfach nur für die Frühgeschichte der Menschheit im Alpenraum interessiert. Eine literarische Zeitreise in lang zurückliegende Epochen der menschlichen Frühzeit.

Da die Spurensuche Wolfgang Kauer in viele verschiedene Alpenländer trieb, liegen die Resümees auch in italienischer, französischer und englischer Sprache vor.

 

Hainz, Christoph: "Nur der Berg ist mein Boss" nach oben!

Hardcover mit Umschlag, ISBN 978-3-7022-3753-0
Preis: 24,95 €, Tyrolia-Verlag 2019. Eine Leseprobe gibt es auf www.tyroliaverlag.at

Was passiert, wenn sich ein begnadeter Bergsteiger und ein Alpinhistoriker & erfahrener Publizist an einen Tisch setzen? Es entsteht ein tolles Buch über einen der allerbesten Allround-Alpinisten, die es derzeit gibt: Christoph Hainz.
Seit Jahrzehnten gehört der Südtiroler zur absoluten Weltspitze der Bergsteiger und dabei ist es völlig egal, ob es um schnelle Wiederholungen klassischer Alpentouren oder schwierige Erstbegehungen im Himalaya geht: Hainz nimmt sich seiner selbst gewählten Herausforderungen stets mit vollem Engagement an, um sie dann voller Begeisterung umzusetzen oder auch das Scheitern als wichtigen Schritt der eigenen Weiterentwicklung zu sehen.
Christoph Hainz erzählt in seinem neuen Buch jedoch nicht nur über alpine Großtaten, sondern auch, und das ist meiner Meinung nach noch lesenswerter, über seine Kindheit, seine Jugendjahre, seine Entwicklung zum Alpinisten. Natürlich werden seine alpinen Ausrufezeichen, die er so beeindruckend setzen konnte, ebenfalls thematisiert, so zum Beispiel seine Erfahrungen an der Großen Zinne, seine Solotour am wilden Fitz Roy in Patagonien oder seine schwere Erstbegehung mit Hans Kammerlander am indischen Shivling. Zuhause fühlt er sich jedoch in den heimischen Dolomiten und erzählt auch, warum dies so ist.
Anders als viele andere Spitzenbergsteiger ist Christoph Hainz auch seinem Beruf als Bergführer treu geblieben und übt diesen regelmäßig aus. Ein ganz Großer, der dennoch am Boden der Realität geblieben ist. Auch das macht den Autor so symphatisch und das Buch, ehrlich und offen geschrieben, kurzweilig und lesenswert.

Viele spektakuläre Fotos runden das Buch ebenso ab wie das Vorwort von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der ebenfalls bergbgeistert ist und seine Sicherheit am Berg schon des Öfteren in die Hände bzw. ans Seil von Christoph Hainz legte. Das letzte Wort im Buch hat Freund und Seilpartner Hans Kammerlander, auch dies lesenswert.

   

Neuhold, Thomas: "100 große Gipfelziele" nach oben!

broschiert, 224 Seiten, ISBN 978-3-7025-0931-6
Preis: 22,00 €, Verlag Anton Pustet 2019.

Thomas Neuhold hat in seinem bisherigen Leben viele Gebirge bereist und kehrt doch im Herzen immer wieder in die Alpen zurück. Hier hat er bereits mehrere Führer geschrieben und stellt nun in seinem neuesten Band 100 große Gipfelziele und damit namentlich etliche Klassiker der Ostalpen vor: viele Berge der Leoganger Steinberge, des Gosaukamms, der Dachsteingruppe, des Tennengebirges, der Ankogelgruppe, des Kaisergebirges, der Hohen Tauern usw. werden vorgestellt.

So finden sich Portraits von Hochstaufen, Hoher Göll, Watzmann, Hochkalter, Birnhorn, Hochkönig, Großer Priel, Dachstein, Ankogel, Kitzsteinhorn, Wiesbachhorn, Hohe Dock, Ellmauer Halt und nicht zuletzt auch der Großvenediger und der Großglockner. Daneben 85 weitere Gipfelziele von leicht bis anspruchsvoll, von kurz bis lang, die alle gleichermaßen und dadurch übersichtlich aufbereitet sind: Foto, farbige Karte, Hinweise zur Schwierigkeit (die nicht rein subjektiv ist, sondern Angaben zu diversen Schwierigkeitsskalen macht), zum Aufstiegsweg, zur Ausrüstung sowie zu Einkehrmöglichkeiten und alternativen Anstiegen gehören zu jeder Tour.

Mit einem kurzen einleitenden Teil und einer Übersichtskarte, wo man welchen Gipfel findet, ist das Buch ein vielseitiger und aufgrund des kleinen Formats auch für Jackentasche oder Rucksack geeigneter Ratgeber.

   

Schimke, Helma: "Über allem der Berg" nach oben!

Hardcover, 264 Seiten, ISBN 978-3-7112-0002-0
Preis: 22,00 €, Bergwelten-Buch 2019.

Helma Schimke war eine Powerfrau der 50er und 60er Jahre: sie gehörte zu den besten Kletterinnen ihrer Zeit, war erfolgreiche Architektin, Mutter dreier Kinder und liebevolle Ehefrau. Doch bevor sie mit ihrem Mann Konrad zum großen gemeinsamen Ziel, dem Diran, aufbrechen konnte, geschah die Katastrophe. Ihr Mann und zwei Begleiter kamen beim Versuch einer Winterdurchsteigung der Watzmann-Ostwand in einer Lawine ums Leben. Die Tragödie sowie die vergeblichen Rettungsversuche, an denen sich unter anderem der Salzburger Spitzenbergsteiger Marcus Schmuck (Erstbesteiger des Broad Peak), ein guter Freund des Paares, beteiligte, sind ebenso zentraler Bestandteil des Buches wie die Schilderung des Weges zurück von Helma Schimke in ein geordnetes Leben.

Helma Schimke tut dies in ihrem unnachahmlichen Stil einer alpinen Grand Dame: eloquent, ehrlich, offen und mit sehr viel Gefühl: man leidet mit, als Helma die Tage der Ungewissheit bzw. zur bitteren Wahrheit schildert. Umso besser fühlt man sich als Leser, wenn man erfährt und lesen darf, wie sich Helma Schimke ihre alpinen Träume trotz ihrer neuen Rolle als alleinerziehende Mutter nicht nehmen lässt - entgegen aller kritschen Stimmen, die hier auf sie hereinprasseln. Auch durch die Einbindung ihrer Erinnerungen an Konrad und an die gemeinsamen Tage am Berg lässt sich Helmas Entscheidung, hier gegen den damaligen Mainstream zu schwimmen, gut verstehen.

Helma Schimke starb am 7. April 2018 in ihrer Heimatstadt Salzburg. Mit gleichnamigen Titel ist 2002 von Ulrike Gschwandtner und Annette Mäser eine schöne Filmdoku über Helma Schimke erschienen. Ulrike Gschwandtner verstarb leider 2007 am Gasherbrum II, doch Annette Mäser konnte dafür sorgen, dass der Schimke-Klassiker wieder aufgelegt werden konnte.

   

Czerny, Marlies: "4000er Leben" nach oben!

Hardcover, 272 Seiten, ISBN 978-3-7112-0000-6
Preis: 22,00 €, Bergwelten-Buch 2019.

2011: Marlies Czerny hat Blut geleckt: 2011 ist sie mit ihrem Bergpartner im Wallis und hat sich ein Ziel gesetzt, wie es sich viele Bergsteiger setzen: einmal auf einem Viertausender stehen. Die magische 4000 m-Marke übersteigen! Bescheiden ist Marlies nicht, besteigt gleich den gut 4500 m hohen Dom, der ein eher anspruchsvoller Berg ist, vergleicht man die Normalanstiege auf die 4000er. Die Besteigung gelingt und für Marlies ist klar: da geht noch was: der Kurztrip in die Westalpen wird um die Besteigung des höchsten Alpengipfels, des Mont Blanc ergänzt. Mit Leidenschaft und viel Herz erzählt Marlies von diesen ersten Erfahrungen ebenso wie von ihren vielen weiteren Reisen in die Westalpen, denn: es sollen alle anderen achtzig Viertausender in den nächsten Jahren folgen.

Es folgen viele spannende Bergabenteuer, manchmal heiter, manchmal erschütternd, mal dramatisch, mal einfach nur schön! Doch die Begeisterung, mit der Marlies in die Berge geht, spürt man auf jeder Seite. Und wie wenig doch für echtes Glück notwendig ist, in einer Welt fernab von Fernsehen, Social Media und Internet. Eine ganz andere Motivation als seinerzeit Karl Blodig. Kein Wunder, dass keine Geringere als Gerlinde Kaltenbrunner, die Marlies schon seit Längerem kennt, das Vorwort geschrieben hat und letztlich auch Marlies zu diesem Buch ermunterte.

Großartige Bilder dokumentieren die Unternehmungen von Marlies Czerny und entführen den Leser in eine großartige Natur, die doch genauso abweisend wie atemberaubend ist. Das Buch ist eines von insgesamt sieben Büchern, die in der Bergwelten-Reihe 2019 erschienen sind.

   

Mailänder, Nicholas: "Er ging voraus nach Lhasa" nach oben!

Hardcover mit Umschlag, 416 Seiten, ISBN 978-3-7022-3693-9
Preis: 29,95 €, Tyrolia-Verlag 2019.

Jeder kennt die Geschichte von Heinrich Harrer und seiner Flucht aus der britischen Kriegsgefangenschaft im indischen Dehra Dun und die anschließende Flucht bis ins damals völlig unerschlossene Tibet. Doch wer war Peter Aufschnaiter? Martin Brauens berühmtes Buch zu Peter Aufschnaiter behandelte nur seine Tibet-Jahre und ist lange vergriffen.
Nico Mailänder widmet sich erstmals akribisch recherchiert Aufschnaiters gesamten Leben, begonnen mit der Kindheit in bäuerlicher Umgebung hin zu einem Bergsteiger, der in den 20er/30er Jahren zweimal Paul Bauer zum Kantsch begleitet, 1939 schließlich selber Leiter der tragischen Nanga Parbat-Expedition wird und auch Motor beim gelungenen Ausbruch aus dem Internierungslager 1944 in Dehra Dun war. Und auch Aufschnaiter war es, der die treibende Kraft bei der langen Flucht nach Tibet und weiter bis nach Lhasa war. Aufschnaiter wurde stark durch seinen Aufenthalt in Tibet geprägt und fühlte sich Zeit seines Lebens eng mit den Tibetern und Nepalesen verbunden. Auch die Zeit nach dem Aufenthalt in Tibet, als man vor den chinesischen Invasoren fliehen musste, wird von Mailänder dokumentiert, so dass ein rundes, vielschichtiges und hochinteressantes Bild dieses außergewöhnlichen Menschen gezeichnet wird. Wenngleich er letztlich 1973 in Innsbruck starb, blieb er doch beinahe des Rest seines Lebens in Nepal, wo ihm auch die hiesige Staatsangehörigkeit verliehen wurde.

Sehr interessant und kurzweilig ist Nico Mailänders Schreibstil: ein Wechsel von Mailänders Recherchen und vielen Originaltextauszügen Peter Aufschnaiters; gut zu erkennen an den zwei verschiedenen Schriftfarben. Viele vorher ungezeigte Bilder, eine biographische Übersicht sowie ein kurzer Essay zur Geschichte Tibets bis 1950 runden das Werk gelungen ab. Insgesamt ein tolles Buch, welches Peter Aufschnaiters Lebenswerk angemessen würdigt!

Ergänzung zur ebook-Version: Natürlich gibt es das großartige Buch auch in der digitalen Version für tolino oder kindle. Die epub-Version (24,99 Euro bei Thalia.de, Stand Mai 2019) ist ca. 23 MB groß. Hier werden auch die manchmal schwierig umsetzbaren Bilder in guter Qualität angezeigt und auch die in diesem Buch so sinnvoll eingesetzten Schriftfarben (siehe meine Hardcover-Rezension) werden in verschiedenen Graustufen angezeigt. So wird das aufwändig recherchierte Werk über diesen großen Tibet-Kenner auch in der ebook-Version zum Genuss! Praktisch: die vielen Webquellen, die Nico Mailänder für seine Recherchen besucht hat, lassen sich im ebook treffsicher direkt anwählen und im Browser öffnen.
Eine Leseprobe gibt es auf https://webreader.mytolino.com.

   

Casella, Mario: "Die Last der Schatten" nach oben!

Hardcover mit Umschlag, 192 Seiten, ISBN 978-3-906055-84-8
Preis: 22,50 €, AS-Verlag 2018.

War Cesare Maestri 1959 auf dem Cerro Torre? Okay, ein alter Hut: nein! Aber vielleicht der erste prominente Fall von "Fake News" im Alpinismus. Nicht nur in Politik und Wirtschaft ein brisantes Thema. Wer heute in die Alpin-Annalen eingehen will, der muss beweisen, dass die Expedition geglückt ist. Christian Stangls freiwillige "Korrektur" seiner angeblichen K2-Besteigung 2010 (damals im Wettlauf mit Hans Kammerlander um die erste komplette Besteigung der "Seven Second Summits") war hier ein Paukenschlag, der die Szene aufhorchen ließ. Und sonst? Ist Cesen alleine durch die Lhotse-Südwand gestiegen? Ist Günther Messner doch nicht in einer Lawine gestorben? Hat Ueli Steck die Annapurna-Südwand wirklich solo gemeistert? Usw.

Casella möchte nicht aufklären, das wird wohl in vielen Fällen auch gar nicht möglich sein, obschon es glücklicherweise auch Rehabilitationen gibt, wie im Falle Walter Bonatti, der den K2-Gipfelsieg durch Compagnoni und Lacedelli 1954 erst möglich gemacht hatte. Etwa ein halbes Jahrhundert dauerte es, bis man Bonattis Leistung würdigte!
Wenn man sich an solch heikle Themen wagt, dann muss man dass mit möglichst viel Objektivität und psychologischem Geschick tun. Dies gelingt Casella sehr gut, wobei es nicht darum geht, über richtig oder falsch, über Wahrheit und Lüge zu richten. Das Buch ist vielmehr ein Blick in die Irrgärten menschlicher Psychen: warum setzt man eine Lüge in die Welt? Wieso täuscht man einen Gipfelsieg vor, den es nie gab? Wie reagiert der Lügner, wenn er kritische Fragen gestellt bekommt, so wie es z.B. Liz Hawley konnte und so so manche Falschbehauptung frühzeitig entlarvte? So macht das Buch sensibel für dieses heikle Thema, welches ja nicht nur im Bergsport für regelmäßige Diskussionen sorgt.

   

Glowacz, Stefan: "Grönland Coast to coast" nach oben!

Hardcover mit Umschlag, 240 Seiten, ISBN 978-3-667-11422-8
Preis: 49,90 €, Delius Klasing-Verlag 2018. Weitere Infos zur Expedition auf der Seite des Autors: www.glowacz.de/die-expeditionen/groenland2018

Stefan Glowacz ist einer unserer letzten deutschen Abenteurer. Wie definiert Reinhold Messner "Abenteuer"? Nach Messner braucht es Schwierigkeiten, Gefahr und Exposition für ein echtes Abenteuer. Alles "Ingredienzien", die Stefan Glowacz stets für seine Abenteuer in den Randgebieten unserer zivilisierten Welt sucht, sei es in Venezuela, Baffin Island, Vietnam, im Oman oder eben in Grönland, wo Glowacz schon 1994 unterwegs war. "By fair means" ist ein hohes Gut für Glowacz und so ist der Plan verwegen: mit dem Elektro-PKW hinauf nach Malleig in Nordschottland, von dort auf dem Segelboot hinüber an den Atta Sund an der Westküste Grönlands und dann zu Fuß - und natürlich auch Big Wall-kletternd - über 1000 km hinüber zur Ostküste, wo sie das Segelschiff zurück nach Schottland wieder aufnehmen soll. Dass es bei einer solchen Expedition auch zu manigfaltigen Problemen kommen kann, ist fast zwangsweise so und so berichtet Glowacz nicht nur über die tiefe Naturverbundenheit beim Wandern über das grönländische Inlandeis, sondern auch über Terminverschiebungen, erkrankte Teammitglieder und die Rationierung von Proviant..

Doch letztlich und vor allen Dingen ist das Buch ein großformatiger Bildband, in dem die knapp 300 Abbildungen und vor allem grandiosen Fotos, mal klein, mal doppelseitig, den Betrachter mit auf diese gewagte Reise nehmen. Es geht zu Fuß oder mit Ski über weiße, scheinbar endlose Schneeflächen, mit dem Segelboot durchs arktische Packeis, mit dem Snowkite über die größte Insel unserer Erde. Weit abseits der nächsten Zivilisation. Wir Menschen brauchen das Gefühl der unberührten Wildnis und wenige Menschen wie Stefan Glowacz sind in der Lage, uns auf eine virtuelle Reise in diese entlegenen Winkel zu entführen.
Von "Coast to coast" ist eine solche virtuelle Expedition, auf der sich der Leser im Angesicht mit "100 Tagen purem Abenteuer" wiederfindet. Sei es auf dem sturmumtosten Nordatlantik oder im eisigen Grönland, wo das Wetter auch oft nicht mitspielte wie es sollte. Doch einem echten Abenteurer wären 100 Tage Sonne auch zu leicht oder wie sagt Glowacz zu seiner Expedition: "Die Belohnung - eine tiefgehende Dankbarkeit und Intensität gelebten Lebens." Für eine solche Reise braucht es keine Rechtfertigung, das eigene Leben intensiv zu spüren kann Grund genug sein. Und wir Leser dürfen ein wenig von Glowacz´ Lebenslust kosten.

   

Kammerlander, Hans & Ladurner, Christjan: "Magie der Dolomitem" nach oben!

Hardcover, 176 Seiten, ISBN 978-88-7073-919-0
Preis: 35,00 €, Athesia Tappeiner-Verlag 2018.

Das für Viele schönste Gebirge der Welt, die Dolomiten, einer der berühmtesten Bergsteiger der Welt, Hans Kammerlander und mit Christjan Ladurner ein renommierter Luftbildfotograf und Bergführer in Personalunion vereint in einem Buch - das kann nur ein Leckerbissen für Berg- und Naturfreunde werden! Wird es...

Kammerlander und Ladurner bereisten für dieses Werk die Dolomiten und es gelangen unzählige atemberaubende Aufnahmen aus der Luft. Damit sich der Leser nicht in der Vielzahl der wunderschönen Aufnahmen verliert sind die Aufnahmen nach Regionen sinnvoll gegliedert, so mag man entscheiden, ob man sich zunächst in die Drei Zinnen, die Sellagruppe, den Rosengarten, die Civetta, die Brenta oder oder oder entführen lässt. In 17 Kapiteln bekommen wir immer wieder aufs Neue die Schönheit und Einzigartigkeit des Unesco-Weltnaturerbes Dolomiten vor Augen geführt. Mal in zartem Morgen- oder Abendlicht, mal dramatisch in Szene gesetzt, mal einfach nur wunderschön - es fehlen die passenden Attribute für die im Buchtitel erwähnte Magie, die von dieser Landschaft ausgeht und der man sich unmöglich entziehen kann; egal, ob man schon selbst in den Dolomiten gewesen ist oder nicht. Stets werden die Abschnitte durch Texte Ladurners eingeleitet. Feinfühlig, aber auch kritisch, greift der Mensch doch nicht selten zu arg in diesen Naturraum ein.

Hans Kammerlander, inmitten der Dolomiten zum großen Bergsteiger geworden, hat hier seine Faszination für die Senkrechte kennengelernt und ist ein exzellenter Kenner der Region. In ihrer gemeinsamen Erkundung für dieses Buch lernte Ladurner den großen Alpinisten besser kennen und konnte so seine aussagekräftigen Schwarzweiß-Aufnahmen Kammerlanders mit passenden Kurztexten und Zitaten Kammerlanders zu einem gelungenen Gesamtwerk zusammenfügen: das großartige Gebirge und der großartige Mensch, der "krabbelnd an den heimatlichen Steilwandriesen das Klettern gelernt. Mit Begeisterung daran festgehalten und nie mehr losgelassen." Ein tolles Buch voller Magie und Wow-Momente!

   

Messner, Reinhold: "Mord am Unmöglichen" nach oben!

Hardcover, 352 Seiten, ISBN 978-3-89029-513-8
Preis: 26,00 €, Malik-Verlag 2018. Infos zum Titel unter www.piper.de

1968 veröffentlicht Reinhold Messner, im selben Jahr wie seine schwierigste Erstbegehung, der berühmte Mittelpfeiler am Heiligkreuzkofel, seinen Kult gewordenen Aufsatz "Mord am Unmöglichen", in dem er aufruft, beim Klettern auf technische Hilfsmittel zu verzichten. Ein halbes Jahrhundert sind seit dem vergangen und der Klettersport hat sich erheblich weiter entwickelt. Nicht nur, was die klettertechnischen Möglichkeiten angeht: die damals bis zum VI. Grad reichende Kletterskala der UIAA erfährt dank Adam Ondras "Silence" die erste Tour im nunmehr XII. Grad. Und sonst: Bohrhaken? Sauerstoffmasken an den ganz Großen? Trittleitern? Dynamit? Alles hatte seine Zeit... Doch daneben geht es auch um die entsprechenden Veränderungen in den Köpfen der Bergsteiger: war seinerzeit noch das technische Klettern gang und gäbe, ist heute das Freiklettern, ob nun rotpunkt, free solo oder On Sight, für die Mehrheit das Maß aller Dinge.

Im ersten Teil des Buches schildert der größte Bergsteiger unserer Zeit, Reinhold Messner, seine Erfahrungen während dieser nunmehr ein halbes Jahrhundert andauernden Entwicklung: sein Durchstieg am Heiligkreuzkofel sind ebenso Thema wie seine spektakuläre Begehung des Frêney-Pfeilers an einem Tag, die Eröffnung des siebtes Grades in den Alpen oder seine Meinung zur Frage, ob es in einer steilen Wand unbedingt die Direttissima sein muss.
Im zweiten Teil kommen dann zum "Mord am Unmöglichen" zahlreiche große Alpinisten der vergangenen und heutigen Generation zu Wort: ein großer Name reiht sich an den Nächsten, wenn sich Hansjörg Auer, Yvon Chouinard, Alex Honnold, Thomas Huber, David Lama, Heinz Mariacher, Simone Moro, Adam Ondra, Marko Prezelj, Simon Yates und viele andere Bergsteiger und Kletterer die Klinke in die Hand geben: das Who is Who des Bergsports schildert seine Sicht der Dinge zur Frage, welcher Stil wann angebracht ist oder war und ob es denn noch Unmögliches am Berg gibt.
Ein großartiges Buch, facettenreich und in seiner Fragestellung aktueller denn je. Man darf gespannt sein, wie sich der Bergsport in den nächsten Jahrzehnten weiter entwickelt: in den vergangenen fünf Jahrzehnten, so ist zu lesen, war dies eine abwechslungsreiche, spannende Geschichte!

   

DAV, OeAv &AVS: "Berg 2019" nach oben!

Hardcover, 256 Seiten, ISBN 978-3-7022-3695-3
Preis: 18,90 €, DAV 2018, Vertrieb über den Tyrolia-Verlag. Infos unter www.tyroliaverlag.at/list/9783702236953

Berg 2019 ist auf dem Markt. Sozusagen der Jubiläumsband zum 150-jährigen Bestehen des DAV, der 1869 gegründet wurde. Klar, dass auch der neueste Band in dieser langen Tradition der Jahrbücher, es ist dies der 143. Band, für jeden Bergbegeisterten interessante Artikel bereit hält.

BergWelten konzentriert sich, wie schon 2018, auf das Herz der österreichischen Alpen, die Hohen Tauern: hier steht diesmal die Ankogelgruppe östlich des Großglockners im Zentrum des Interesses. Wir lernen die großartige Bergwelt der Ankogelgruppe kennen, wandern von Hütte zu Hütte "der Sonne entgegen", gewinnen einen Einblick in die heutigen Möglichkeiten des Sportkletterns im Maltatal und erfahren, wie der Alpenverein den höchsten Berg der Gruppe, die Hochalmspitze, vor dem Skitourismus bewahrte. Doch auch Einblicke in Flora und Fauna wie auch in die Konsequenzen des Klimawandels gibt es - mit Letzterem muss sich schließlich in den Bergen nicht nur der Mensch auseinandersetzen. Im BergFokus steht heuer vielleicht die Frage überhaupt für Alpinisten jeglicher Couleur: "Was treibt uns an?" - Die Antworten sind natürlich so vielfältig wie es die Menschen sind, die in die Berge gehen. Ein großer Block, dem etwa 50 Seiten gewidmet werden! Unter anderem beleuchtet Waltraud Krainz den interessanten Wandel alpinistischer Praktiken "im Spiegel der Gesellschaft" und beleuchtet diese Entwicklung seit Erschließungsbeginn der Alpen hinweg. Georg Bayerles Motivation war es, zwei Wochen ehrenamtlich (zum Thema Ehrenamt gibt es einen weiteren Artikel) auf der Rauhekopfhütte zu arbeiten, hier konnte er essentielle Erfahrungen anderer Art machen. Bei den BergMenschen werden u.a. Walter Spitzenstätter, Ernst Enzensperger und Richard Goedeke vorgestellt. In BergSteigen geht es um die Grundlagenfrage, ob denn nun Bergsteigen als Sport anzusehen ist ebenso wie den spannenden jährlichen Rückblick auf die alpnistischen Highlights des letzten Jahres durch Max Bolland; so z.B. die spektakuläre Erstbegehung am Shivling durch Simon Gietl und Vittorio Messini. Interessant zu lesen ist auch das Interview mit Dolomiten-Urgestein Heinz Mariacher. Und spätestens durch die Artikel zum Wettkampfklettern und Skibergsteigen ist die Eingangsfrage beantwortet. BergWissen beschäftigt sich u.a. mit dem "Fluch und Segen"-Dauerbrenner Skitourismus, den wachsenden Herausforderungen der Bergretter und dem überfälligen Thema des Social-Media-Verhaltens von Bergsteigern in der Natur. Eine gefährliche Entwicklung...! Den Abschluss bildet wieder die BergKultur, in der uns eine gegenwärtliche Allmende im Trentin genauso vorgestellt werden wie historischen Rückblicke in die Jungsteinzeit und in die Anfänge des Firngleiters. Es ist mal wieder ein rundes, absolut lesenswertes & buntes Paket, welches der Alpenverein da geschnürt hat!

   

Allmountain #9 nach oben!

kartoniert, 146 Seiten, ISSN 2192-2802
Preis: 9,80 €, Delius Klasing-Verlag 2018. Eine Beschreibung ist hier bzw. auf der eigenen Website zu lesen.

Die Herbstausgabe von AllMountain, es ist bereits Ausgabe 9, wartet mit einem Schwerpunktthema auf, welches sicher zumindest bei ambitionierteren Alpinisten immer wieder ein Thema ist: „Verzicht“. Ob man nun im Biwak auf ein warmes Bett verzichtet, ein leckeres Essen, auf unnötiges Gepäck oder auf die berühmte Sauerstoffflasche – Verzicht ist manigfaltig, kann aber auch Chance bedeuten, ist doch die Möglichkeit gegeben, seinen eigenen Standpunkt zu überdenken. Nicht in der Wand, sondern im eigenen Leben.

Doch der Reihe nach: nach einigen interessanten Buchtipps dürfen wir spektakuläre Bilder von Fotograf Christoph Jorda bestaunen, der gerade Skiakrobaten gerne & gekonnt in Szene setzt. Genauso cool wie diese Bilder ist das Portrait von Carlos Soria: der fast 80 Jahre alte Spanier sammelt 8000er-Gipfel, nur noch zwei fehlen ihm zur kompletten Sammlung aller 14, nachdem er mit 77 Jahren (!) die Annapurna bestieg. Eine ganz andere Generation ist da der Deutsche Jost Kobusch, dem 2017 solo die Erstbesteigung des Nangpai Gosum II gelingt – damals der höchste unbestiegene Berg in Nepal! Freund Thomas Ebert stellt den Solobergsteiger vor. Ralf Gantzhorn entführt uns ins Mount Blanc-Massiv, bevor es in den Themenschwerpunkt „Verzicht“ geht: auf was kann man auf Berghütten verzichten? Und auf was beim Schwierigkeitsklettern? Charles Albert verzichtet hier und dort auf die Kletterpatschen und Kletter-Urgestein Beat Kammerlander auf „unnötige“ Sicherungsmittel.

Das Heftende wartet mit tollen Berichten zur „Psychologie des Umkehrens“, der genialen Skiabfahrt vom schönen Laila Peak im Karakorum und dem Bericht von Karin Steinbach Tarnutzer über´s Eisklettern auf. Informationen und Berichte in Hülle & Fülle, man vergisst darüber schon fast die vielen Ausrüstungs- und Produkttipps, die es wie in jedem Band auch diesmal gibt. Da ist für jeden etwas dabei!

   

Vallot, Guillaume: "Spektakuläre Bergwelten" nach oben!

Hardcover mit Umschlag, 160 Seiten, ISBN 978-3-906055-85-5
Preis: 52,00 €, AS-Verlag 2018.

"Vorhang auf für das atemberaubende und Schwindelerregende Spektakel der Berge!" So ist auf dem hinteren Einband des großformatigen Buchs zu lesen. Ganz schön vielversprechend! Berge sind freilich seit Menschengedenken beeindruckende Objekte, und um die ganze Bandbreite der Faszination "Berge" in ein Buch zu schnüren braucht es zwei Dinge: großartige Fotografen, die viel Erfahrung in diesem Bereich haben, ja am besten selber gute Bergsteiger oder Kletterer sind, und einen Autor, der mit einem klaren roten Faden textlich durch die Bilder leitet. Über in Dutzend hochrangiger Fotografen sind es, die das Bildmaterial für den Band liefern und Guillaume Vallot, selbst Alpinist, der textlich begleitet.

Die Fotografien sind in Kapitel wie "Im Eis", "Am Fels", "In der Luft" usw. gegliedert, was durchaus Sinn macht, um die fantastischen Eindrücke ein wenig sortieren zu können. Die Bilder lassen den Betrachter über jähe Felsabstürze in die Tiefe blicken, ihn den Sonnenaufgang am Berg erleben, ihn den nächtlichen Sternenhimmel über den Gipfeln genießen, um dann wieder aus aberwitzigen, fast unmöglichen Perspektiven heraus den Profis zuzuschauen. Uns Laien kann da schon einmal das Blut in den Adern gefrieren, wenn man sieht, in welche Gefahr sich die Akteure begeben. Und auf der nächsten Seite, im nächsten Bild, versteht man wieder, weshalb es sich lohnt, Entbehrung, Kälte, Angst und eben auch manchmal die Gefahr in Kauf zu nehmen.

Das Buch lässt uns an Bergwelten teilhaben, wie sie der allergrößte Teil der Bergliebhaber niemals kennenlernen wird. Gerade das macht das Buch so spannend: Bergsteiger in einer Umgebung, die so gar nicht für den Menschen gemacht ist und wohl gearde deshalb diese unbändige Faszination ausübt. Jede "Disziplin", sei es der Kletter, der Paraglider oder der Basejumper, birgt eigene Möglichkeiten, die Berge wahrzunehmen - in diesem Buch kommen sie alle auf zumeist ganzseitigen oder doppelseitigen Bildern zusammen. Mit dem Kapitel "Stimmung" schließt das Buch mit wunderschönen Aufnahmen ab, die den Leser wieder zu Atem kommen lassen - bis man zuklappt oder die Lektüre wieder vorne beginnt...

"Am Ende steht das Staunen - über die unermessliche, unbegreifliche Schönheit der Bergwelt." - Das kann ich nur genauso stehen lassen!!!

   

Schnellbach, Leo: "Allgäuer Bergsommer und Leben im Tal" nach oben!

Hardcover, 144 Seiten, ISBN 978-3-931951-50-4
Preis: 24,80 €, Hephaistos-Verlag e.K. 2018. Nähere Infos auch auf der Verlagsseite.

Leo Schnellbach (1911-1998) kam als junger Mann nach Sonthofen, inmitten der Allgäuer Berge, und konnte hier ein Leben lang seiner Leidenschaft für die Berge fröhnen. Seinen täglichen Lohn durch Veranstaltungs- und Portraitfotos verdienend, war die Kamera jedoch zu unserem Glück auf den zahllosen Bergtouren, Wanderungen und Spaziergängen auch stets dabei: dadurch entstand über Jahrzehnte ein gewaltiges Bildarchiv der Allgäuer Natur- und Kulturlandschaft.

Leos Sohn Rudolf und seiner Frau haben wir es zu verdanken, dass die schönsten und wichtigsten Stücke aus dem riesigen Archiv zu einem grandiosen Band zusammengetragen werden konnten: rund 250 Fotos zeigen die Allgäuer Berggipfel, idyllische Seen, alte Bauernhäuser, Marterl am Wegesrand, die Menschen im Wandel der Zeit. Die Bilder zeigen urige, zum Teil heute nicht mehr bestehende, oder aber zu größeren Bauten erweiterte Berghütten, Allgäuer Braunvieh, mutige Klettereien mit Hanfseil und Mauerhaken, Brauchtum und Dörfer, die doch inzwischen gewachsen sind. Eine riesige Fundgrube an Motiven, die zum Verweilen einladen, zu Bergtouren inspirieren, historisch interessant sind oder einfach nur: schön!

Einige Seiten leiten daneben natürlich auch durch das Leben des Privatmenschen und Fotografen Leo Schnellbach, der Großteil jedoch ist den wunderbaren Bildern inmitten von Hauptdolomit und Fleckenmergel gewidmet. Ein tolles Buch für jeden, der die Allgäuer Berge liebt und auch gerne mal einen zeitlichen Blick "zurück" wagen möchte. Heute hat die Familie Schnellbach ihr Fotostudio übrigens im Zentrum Oberstdorfs.

 

 

Schwabe, Gerald: "Allgäu-Panoramen 3" nach oben!

Hardcover, 81 Seiten, ISBN 978-3-86389-034-6
Preis: 12,95 €, brack-Verlag 2018. Nähere Infos auch auf der Verlagsseite.

Berg-Panoramen faszinieren immer wieder aufs Neue: der Blick schweift in die Weite und man hat dank des großen Blickwinkels das Gefühl, in der Landschaft zu stehen. Besonders intensiv ist dieser Eindruck natürlich auf Gipfeln im Gebirge. Der Erfolg spricht für sich, denn mit dem Band "Allgäu-Panoramen 3" legt Gerald Schwabe eben den bereits dritten Band der beliebten Panorama-Reihe vor. Und es geht wieder quer durch einer der schönsten Naturlandschaften Deutschlands: die Allgäuer Alpen.

Mit dabei sind natürlich bekannte Logenplätze wie der Hochgrat, das Riedberger Horn, das Walmendinger Horn, der Große Daumen, das Gaishorn, die Krinnenspitze usw. Doch auch weniger besuchte, sehr lohnenswerte Aussichtspunkte wie der Hochrappenkopf, die Siggener Höhe oder der Jochschrofen bei Oberjoch sind dabei. Den Schwerpunkt der insgesamt 39 Panoramen liefert natürlich das gipfelreiche Oberallgäu und Kleinwalsertal, doch auch das Tannheimer Tal und das Ostallgäu sind vertreten.

In allen Panoramen sind die Gipfel beschriftet und man bekommt angezeigt, von welcher Höhe in welche Himmelsrichtung geschaut wird. Die Bilder, die quer durchs Jahr aufgenommen sind, bestechen durch hohe Qualität und Farbbrillanz. So ist das Büchlein ein guter Begleiter für den Rucksack und macht auch daheim bei der Lektüre einfach nur großen Spaß.

   

Spengler, Erika: "Grenzgänger-Weg" nach oben!

broschiert, 128 Seiten, ISBN 978-3-7633-4531-1
Preis: 14,90 €, rother-Verlag 2018. Nähere Infos mit Lesebeispiel gibt es auf der Verlagsseite. Viele weitere Infos zum Weg auf www.grenzgaenger-wandern.com.

Allgäu: saftige Bergwiesen, schroffe Hauptdolomitgipfel, grasende Kühe, urige Alphütten, grandiose Blicke in die umliegende Bergwelt. Wer einmal im Allgäu wandern war, hat es sicher lieben gelernt. Inmitten der Allgäuer Alpen, mit seinem Schwerpunkt entlang des Jubiläumsweges zwischen Willersalpe und Prinz Luitpold-Haus, haben die angrenzenden Gemeinden aus dem bereits bestehenden Wegenetz den Grenzgänger-Weg geboren. Auf dem Weg locken gemütliche Hütten wie wunderschöne Bergseen, allen voran der Schrecksee, wie auch die Möglichkeit, Gipfel "mitzunehmen", so zum Beispiel das Gaishorn oder den König des Allgäus, den Hochvogel.

Die allgäuerfahrene Autorin Erika Spengler ergänzt den eigentlichen Grenzgänger-Weg um weitere Touren, die abseits, doch nahe dieses Weges erreicht werden können: hier locken die Landsberger Hütte mit der Schochenspitze, Rotspitze & Breitenberg bei Bad Hindelang, der Einstein im Tannheimer Tal, der Vilsalpsee und viele andere Touren die Wanderer mit wunderschönen Naturerlebnissen.

Alle Touren verfügen über eine Karte mit Wegeverlauf, Höhenprofil mit Gehzeiten und neben einer guten Beschreibung sind dem Leser alle notwendigen Infos an die Hand gegeben, die er zur Durchführung der Tour benötigt. Zu allen Wanderungen stehen auch GPX-Dateien zum Download bereit. Fehlt nur noch der "richtige" Wetterbericht und dieser Band im "Rucksackformat" mit feuchtigkeitsabweisender Polytex-Laminierung. Eine sehr gelungener Neuband der roten Wanderführer-Reihe von Rother!

   

Freudenthal, Lars: "Wanderungen für Senioren: Allgäu" nach oben!

broschiert, 128 Seiten, ISBN 978-3-86246-522-4
Preis: 14,99 €, J.Berg-Verlag 2018.

Mit dem Alter werden die Berg für einen Wanderer stetig etwas kleiner, vielleicht auch leichter – die Faszination für die Berge wird aber sicher nicht weniger. Zeit, um sich nach angemessenen und dennoch schönen, vielleicht auch zeitlosen Zielen umzuschauen: Lars Freudenthal stellt 33 Touren inmitten der Allgäuer Berge vor, die ja ohnehin zu den beliebtesten Urlaubszielen in Deutschland gehören.
Die Touren streuen von Oberstaufen im Westen, Füssen im Osten, Nesselwang im Norden und dem Kleinwalsertal im Süden quer über das gesamte Allgäu. Unter den Tourenvorschlägen sind zum einen Klassiker, die sicher jeder Allgäu-Liebhaber kennt, wie z.B. die Breitachklamm bei Oberstdorf, der Hündlekopf bei Oberstaufen mit seiner im Frühling berühmten Krokusblüte, das berühmte Nebelhorn mit seinem 400-Gipfel-Blick oder das Bolsterlanger Horn in der Hörnergruppe bei Sonthofen. Zum anderen werden viele gemütliche Spaziergänge vorgeschlagen, die zum genussvollen Naturerlebnissen einladen, so das Gemsteltal im Kleinwalsertal, das idyllische Obertal südlich von Hinterstein und das Werdensteiner Moor, wo man mit 720 m den höchsten Punkt der Runde erreicht hat.

Zu jeder Tour, zu jedem Spaziergang bekommt der Leser neben einer guten Beschreibung eine kleine Karte für die erste Orientierung, einen Steckbrief mit allen wichtigen Eckdaten wie Gehzeit, Streckenlänge, Ausgangspunkt, Anforderung usw. und schönes Bildmaterial, welches Lust auf die nächste Unternehmung macht. Infoboxen mit Ausflugtipps und Hintergrundinfos runden das informative Buch ab. Mehr als 300 Aufstiegsmeter kommen nirgends zusammen, mehr als höchstens vier Gehstunden sind es ebenfalls bei keiner Tour: hier wird nicht gestresst, keinem Gipfel hinterher gerannt, hier steht Naturgenuss ganz oben! Viel Spaß…!

   

Patitucci, Dan et. al.: "Wanderlust 2019" nach oben!

Spiralbindung, 13 Bilder, ISBN 978-3-667-11213-2
Preis: 34,90 €, Delius Klasing-Verlag 2018.
Fotografen: Dan Patitucci, Tobias Richter, Alexander Fuchs, Julian Garcia, Stefan Huwiler und Robert Harding.

Was passiert, wenn ein halbes Dutzend erstklassiger Landschaftsfotografen ihre Werke zum Thema "Wandern" zusammenlegen? Genau, das ergibt dann den vorliegenden, großformatigen (etwa 68 x 47 cm) Kalender mit 13 wundervollen Aufnahmen!

Ein ruhiges, stimmungsvolles Motiv aus der Schweiz leitet ein in ein Jahr voller großartiger Bergmomente, die schlichtweg alle Lust aufs Wandern machen. Sei es der weite Blick vom "Gipfel des Himmels", dem Himmeltindan in Norwegen, sei es der schneidige Hardergrat in der Schweiz (Teil des berühmten Brienzergrates), seien es die spektakulären Narrows in Utah oder der Haifoss-Wasserfall auf Island. Das schon fast meditative Titelbild aus der sächsischen Schweiz darf man nochmals im Oktober genießen, bevor die viergipflige Höfats aus den Allgäuer Bergen und der nepalesische Achttausender Annapurna mit seiner gewaltigen Südwand das Kalenderjahr vollenden. Aber natürlich fehlen bei den Motiven auch Klassiker wie die Drei Zinnen oder der höchste Alpengipfel, der Mont Blanc nicht.

Zu allen Motiven bzw. Regionen bekommt man kurz abgerissen einführende Informationen, so dass man erste Anhaltspunkte zu den jeweiligen Punkten erhält. Wer weiß, wohin einen die Wanderlust im nächsten Wanderurlaub treibt... Ein grandioser Begleiter durch das kommende Jahr 2019!

   

Funk, Gaby & Hohenester, Georg: "Wandern zu den schönsten Hütten der Allgäuer und Lechtaler Alpen " nach oben!

gebunden, 158 Seiten, ISBN 978-3-7654-5881-1
Preis: 19,99 €, Bruckmann-Verlag 2018.

Die Allgäuer und Lechtaler Alpen sind landschaftscharakterlich sehr eng miteinander verbunden, so dass sich viele Wanderer in beiden Regionen gleichermaßen wohl fühlen. Gaby Funk, langjährige Allgäu-Kennerin, und Georg Hohenester stellen 35 Hüttenanstiege vor, die quer über die Allgäuer & Lechtaler Alpen verteilt sind, sich jedoch schwerpunktmäßig an den jeweiligen Gebirgshauptkamm halten. Darunter sind natürlich viele bekannte Klassiker wie Prinz Luitpold-Haus, Rappenseehütte, Mindelheimer Hütte, Memminger und Augsburger Hütte, Landsberger Hütte usw., jedoch auch so manches nicht so hochalpin gelegene Ziel wie Willersalpe, Schwarzenberghütte oder die Otto-Mayr-Hütte. Also: es ist für jeden etwas dabei, lohnend sind ohnehin alle Ziele.

Die Autoren stellen stellen nicht nur die Anstiege zu den jeweiligen Hütten vor, sondern beschreiben auch mögliche Übergänge oder Gipfelziele. So liest man über den Anstieg zur Parseierspitze, zum Hochvogel, zur Wolfenebnerspitze oder zur Holzgauer Wetterspitze. Und natürlich wird auch auf die wunderschönen verbindenden Höhenwege eingegangen. Oder wer hat noch nichts vom Heilbronner Weg und dem Mindelheimer Klettersteig gehört? Mit 3-4 Seiten pro Tourenvorschlag bleibt genügend Platz für eine umfangreiche Beschreibung nebst tollen Fotos, die so recht Lust auf die nächste Tour aufkommen lassen.

Zu jedem Hüttenvorschlag gehören eine kleine Karte zur Orientierung, ein Hüttensteckbrief sowie ein Tourensteckbrief mit Angaben zur Schwierigkeit & Gehzeit, den zu bewältigenden Höhenmetern ect. So fällt die Auswahl des richtigen Zieles leicht - oder eben bei dieser traumhaften Bandbreite an lohnenden Zielen gerade nicht. Das Buch ist damit ein Muss für jeden Liebhaber dieser vielfältigen Bergregionen rund um die deutsch-österreischiche Grenze!

   

Dyhrenfurth, Norman G.: "Wozu ein Himmel sonst?" nach oben!

gebunden, 144 Seiten, ISBN 978-3- 7022-3689-2
Preis: 19,95 €, Tyrolia-Verlag 2018.

Im Herbst 2017 verstarb im Alter von stolzen 99 Jahren Norman Dyhrenfurth, Sohn des legendären Himalaya-Pioniers Günter O. Dyhrenfurth, und seines Zeichens selber berühmter Expeditionsleiter, Filmemacher und Buchautor. Als Norman schon nicht mehr glaubte, selber in den Himalaya zu kommen, konnte ihn sein Vater in die schweizerische Everest-Vormonsun-Expedition 1952 als Filmemacher vermitteln. Norman und der Everest - der Beginn einer großen jahrzehntelangen Leidenschaft! Es folgten viele weitere Expeditionen in den Himalaya wie in den Karakorum, doch der höchste Berg der Welt bleibt Normans Lieblingsziel: sein Meisterstück war zweifelsohne die Planung, Finanzierung und Leitung der erfolgreichen Everest-Expedition 1963, während der die erste amerikanische besteigung und vor allem die erste Überschreitung des Mount Everest gelangen, nachdem Hornbein und Unsoeld über den Westgrat und das Hornbein-Couloir zum Gipfel steigen und über den Normalweg der Erstbnesteiger absteigen. Ein Toter und schwere Erfrierungen bei den Gipfelsiegern sind zu beklagen, doch das gewagte Unternehmen gelingt dem Team.

Norman Dyhrenfurth schaut in diesem Buch einfühlsam zurück auf seine Everest-Expeditionen: 1952 mit den Schweizern, 1955 als Leiter einer Lhotse-Expedition und natürlich 1963 als Leiter der amerikanischen Expedition zum Mount Everest. Man spürt seine Liebe zu den hohen Berggipfeln, versteht, warum Norman kurz nach seiner ersten Expedition seinen Professorenjob an den Nagel hing. Norman führt die Expeditionstätigkeit des Vaters in die nächste Generation und muss sich um Eines nicht fürchten: dass man ihn nach seinem Tode allzu rasch vergisst. Denn das war immer wieder seine Befürchtung.

Dr. Michael Bilic umreißt abschließend auf elf Seiten das Lebenswerk des Norman Dyhrenfurth - ein Mann, der sein Leben ganz den Bergen gewidmet hat und sicher unvergessen bleiben wird!

   

Allmountain #8 nach oben!

kartoniert, 146 Seiten, ISSN 2192-2802
Preis: 9,80 €, Delius Klasing-Verlag 2018. Eine Beschreibung ist hier zu lesen.

Der Bergsommer steht vor der Türe. Welches Schlagwort repräsentiert wohl den Alpinismus besser als "Seilschaft"? Doch mit wem geht man die Seilschaft, die Verbindung am Berg ein? Das kann sehr manigfaltig sein: vorgestellt werden zum Beispiel der Fotograf, Kameramann und Bergsteiger Jimmy Chin, sein Seilpartner ist wenn man so möchte die Kamera, mit der er unter anderem Weltklassealpinisten wie Alex Honnold begleitet. Oder der Ausnahmebergsteiger Hansjörg Auer, der sich mit seiner free solo-Tour durch "Weg durch den Fisch" einen großen Namen gemacht hat , jedoch über ein riesiges Repertoire verfügt (und nunmehr aber auch schon als Schauspieler in Messners Regiedebut glänzte). Oder das Trio von Rydzewski, Barbaria und Klucker, die vor über 100 Jahren aktiv waren. Oder Gerlinde Kaltenbrunner: die erste Frau, die alle 14 Achttausender ohne Sauerstoffhilfe bestieg und die mit Ralf Dujmovits ihren Idealseilpartner fand. Oder Silvia Vidal: die Katalanin ist Spezialistin im technischen Klettern und fühlt sich im Karakorum ebensowohl wie im heimischen Spanien.

Diskuttiert wird natürlich auch wieder der technische Aspekt des Bergsteigens: die Fortentwicklung des berühmten Sicherungsgerätes Grigri, Für und Wider des Gehens am kurzen Seil, die "Evolution" des Rucksacks, Neuigkeiten auf dem Alpinmarkt und und und. Schön auch, dass das Magazin immer wieder generationenübergreifend ist und sich nicht nur mit der derzeitigen Elite befasst: so kann man zum Beispiel ein schönes Portrait über den Bergsteiger und Schlüssel-Schloss-Sammler Hanns Schell lesen.

Achja: in puncto "Seil" kommt man natürlich in den Bergen schon lange nicht mehr am Thema Slackline, oder besser Highline, vorbei: immer gewagter, immer höher über dem sicheren Boden wird balanciert und atemberaubende Bilder sind garantiert. Lukas Irmler und Samuel Volery zeigen, was sie nicht mit dem Seil, sondern auf dem Seil drauf haben. Irre!
Also: wieder und heuer zum 8. Male eine bunte Sammlung interessanter Beiträge und Artikel, die zum Lesen, Schmökern & Staunen einladen.

   

Deutscher Alpenverein: "Alpin-Lehrplan 6: Wetter und Orientierung" nach oben!

Broschur, 160 Seiten, ISBN 978-3-8354-1837-0
Preis: 30,00 €, blv-Verlag 2018.

Vor der allmählich näher rückenden Wander- und Hochtourensaison 2018 bringt der blv-Verlag den DAV-Alpin-Lehrplan 6 "Wetter und Orientierung" in 3., durchgesehener Auflage heraus. Ein ebenso wichtiges wie heikles Thema: wieviele Bergunfälle mit manchmal tödlichen Folgen könnten vermieden werden, wenn die Aktiven mehr Kenntnisse über das Wetter bzw. die Wetterentwicklung und die Orientierung im Gelände gehabt hätten?

Der Lehrplan 6 widmet sich diesen Themen ausführlich: zunächst werden auf 50 Seiten die notwenigen Grundlagen zum Verständnis des komplexen Themas "Wetter" gelegt: Luftdruck, Aufbau der Atmosphäre, Niederschlag, Temperatur und Wind sind wichtige Grundbegriffe. Doch auch Basiswissen für den Umgang mit Wetterkarten und das Zustandekommen von Tief- und Hochdruckgebieten werden auch für den Laien verständlich erklärt. Weitere knapp 30 Seiten erörtern Großwetterlagen wie z.B. den berühmten Föhn oder die gefürchteten Berggewitter und gehen auf grundsätzliche Klimagrößen in den Alpen ein. Das Kapitel "Wetter und alpine Gefahren" setzt sich mit dem wichtigen Thema der Wettervorhersage auseinander. Nicht jene, die man im Radio hören kann, sondern jene, die man anhand von Naturbeobachtungen machen kann. Hier gibt es wertvolle Tipps für das richtige Verhalten bei Starkregen, Nebel, Gewitter ect.
Auf gut 40 Seiten schließlich erhält der Leser alle wissenswerten Infos über die Orientierung mit Karte & Kompass, Höhenmeter & GPS. So macht die Tourenplanung daheim - egal ob analog mit der Karte oder digital am Rechner - richtig Spaß.

Der gut verständliche und doch nicht unwissenschaftliche Stil zieht sich durch das gesamte Buch, erläutert auch über die vielen farbigen Abbildungen. Eine sehr angenehm zu lesende Lektüre, die sich ausdrücklich nicht an in diesem Bereich wissenschaftlich Vorgebildete richtet. Ein wenig Vorwissen schadet freilich nicht, wenn es um das schnelle Verständnis der Fachtermini geht. Doch das versteht sich bei diesem Thema meiner Meinung nach von selbst.

   

Messner, Reinhold: "Berge versetzen" nach oben!

Broschur, 192 Seiten, ISBN 978-3-8354-1842-4
Preis: 20,00 €, blv-Verlag 2018.

Der Titel "Berge versetzen" ist ein Klassiker unter Messner vielen Werken, die er in den vergangenen etwa 50 Jahren publiziert hat: die Erstauflage erschien 1993, nun liegt, 25 Jahre später, die 9. Auflage vor: der Untertitel hat sich geändert, doch passt freilich noch immer: "Credo eines Grenzgängers" hieß es einst auf dem Buchtitel, nun wurde daraus "Risiko-Management in Perfektion" - beide Mottos dürften sich in Messners Fall wundervoll ergänzen. Messner lässt in zwölf ausgewählten Kapiteln sein erfolgreiches Leben, durch welches sich Niederlagen und Triumphe gleichermaßen ziehen, am Leser vorbeiziehen: sei es die erstmalige Durchsteigung der Rupalwand am Nanga Parbat 1970, die wagemutige Besteigung eines Achttausenders in nur einem 2-Mann-Team 1975, die Erstbesteigung des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff 1978, die Doppelüberschreitung zweier Achttausender 1984, die Durchquerung der Antarktis 1989/90 und Grönlands 1993 und und und...

In allen Texten, in allen Kapiteln, die teils im Tagebuchformat, teils im Fließtext geschrieben sind und dem Leser so eine gewisse emotionale Nähe zum Geschehen ermöglichen, wird eines deutlich: hätte Messner nicht die Eigenschaft, Risiken ins Kalkül ziehen zu können, instinktiv auf drohende Gefahren und Notlagen reagieren zu können und sich auch oft genug als Expeditionsleiter durchsetzen und eine Gruppe leiten zu können - er wäre nicht der erfolgreichste Bergsteiger des 20. Jahrhunderts geworden. Auch insofern passt der neue Untertitel des Buches durchaus ausgezeichnet.
Das Buch fasziniert nicht nur wegen der toll geschriebenen Seiten (dass Messner ein guter Erzähler - in Schrift und dem gesprochenen Wort - ist, weiß jeder, der ihn schon einmal live erleben durfte) und der vielen, oft ganz- und doppelseitigen Bilder, sondern weil bei der Lektüre eines klar wird: welche ungeheure Triebfeder hinter dem Menschen Reinhold Messner und seinem alpinen Lebenswerk steckt. Mit solcher Motivation, mit solchem Engagement für eine Sache, für ein Ziel, lassen sich tatsächlich, auch im eigenen Leben, "Berge versetzen".

   

Messner, Reinhold: "Wild" nach oben!

Hardcover, 312 Seiten, ISBN 978-3-397318-1
Preis: 20,00 €, S. Fischer-Verlag 2017. Nähere Infos auf der Verlagsseite.

Die dramatische Geschichte der Shackleton-Expedition 1914 ist bekannt: Shackleton und seine Mannschaft wollen die Antarktis durchqueren. Dann beginnt das Drama: die "Endurance", ihr Schiff, wird vom Packeis zerquetscht, Mannschaft und Material können, nebst einem Rettungsboot, gerettet werden. Nachdem man monatelang per Eisscholle am Rand der Antarktis entlang driftet, rettet sich die Mannschaft schließlich auf ein kleines Eiland, "Elephant Island" - ein kleiner, unbewohnter, sturmumtoster und kalter Flecken Erde. Shacketon entschließt sich, mit einigen Mannen Hilfe zu holen. Der Rest der Mannschaft, 22 Mann, bleibt unter der Führung von Frank Wild zurück: einen arktischen Winter lang müssen sie in Dunkelheit, Kälte und Verzweiflung überleben und planen mehrfach den kollektiven Selbstmord. Nur die Persönlichkeit Frank Wilds hält letztlich die Gesamtmannschaft am Leben und zusammen. Dank ihm überlebt die Mannschaft das, was im Klappentext als schlimmstes Gefängnis der Welt beschrieben ist; welches es zweifellos war.
Zu guter Letzt kann Shackleton, dem die Überfahrt nach Südgeorgien gelingt, eine Rettung organisieren, die am 30.08.1916 die Mannschaft auf Elephant Island erreicht. Alle dort Gebliebenen überleben!

Diese wahre, ungeheuerliche Geschichte ist sicher eine der Lieblings-Abenteuergeschichten von Reinhold Messner, der das Schicksal der Mannschaft um Frank Wild schon in vielen TV-Sendungen sichtlich berührt erzählt hat. Kein Wunder also, dass Messner endlich diese dramatische Geschichte voller Emphatie nacherzählt und sie dadurch sehr persönlich wirken lässt. Messner kennt Entbehrung, kennt Kälte, kennt die Antarktis und eben auch die Geschichte der Endurance-Expedition 1914 bis 1917. Dabei ist der bedeutenste Abenteurer unserer Zeit wie kein Zweiter in der Lage, die vielleicht unglaublichste Geschichte, die die großen Entdecker für uns bereithalten, hundert Jahre später wieder wach werden zu lassen. Mit dem zeitgnössischen Bildmaterial entsteht so ein großartiges Dokument einer Geschichte, die an sich zu unglaublich ist, um wahr zu sein.

   

Hoffmann, Michael: "Alpin Lehrplan 2: Klettern - Technik, Taktik, Psyche" nach oben!

Broschiert, 192 Seiten, ISBN 978-3-8354-1764-9
Preis: 30,00 €, blv-Verlag 2017. Nähere Infos auf der Verlagsseite.

Die Alpin-Lehrpläne des DAV sind seit Jahren eine feste Instanz in der lehrenden Alpinliteratur. Inzwischen gibt es derer sieben Bände und so wurde auch dem Mountainbiking ein Band eingeräumt. Das Thema "Klettern" ist freilich die größte Sparte und wird daher in zwei Bände dividiert: im ersten Teil geht um die nötige Ausrüstung und Sicherung, der vorliegende zweite Teil widmet sich dem Klettern selbst: "Technik, Taktik, Psyche" heißt es im Untertitel, doch auch Trainingsmethoden und wichtige Aspekte der Ökologie werden vermittelt.
Der Lehrplan richtet sich sicher nicht nur an den Bergführer oder Übungsleiter, sondern an jeden, der sich aktiv dem Klettersport verschreibt. Wenngleich das Buch keinen Kletterkurs im Fels ersetzen kann, so ist es hier eine wertvolle Ergänzung: nachdem die Grundlagen gelegt sind, wird das Buch rasch sehr konkret: Text und Bildfolgen ergänzen sicher hier großartig, wenn es um klettertechnische Details geht: wie setze ich den Fuß beim Reibungsklettern? Wie und in welchem Gelände stütze ich mit Foothook durch? Was ist bei der Gegendrucktechnik zu beachten? Wie halte ich den Körper beim Sturz? Usw. Biomechanische Vor- und Nachteile werden hier ständig erörtert und abgewägt.
Im Bereich "Taktik" geht es um wichtige Begriffe wie Speed, Bouldern, Toprope, Tourenplanung. Auch hier gibt der Autor Michael Hoffmann viele wertvolle Tipps & Hinweise.
In "Psyche" werden Möglichkeiten der Stressregulation, Konzentrationssteigerung und zum Einsatz positiver Energie vorgestellt, um dem Faktor "Angst" entgegen zu wirken.
Nachdem das Kapitel "Kondition" freilich mehr zu bieten hat als Wolfgang Güllichs legendäres Campusboard wird abschließend in "Ökologie" kritisch hinterfragt, ob ein Biwak am Wandfuß, Magnesia ect. wirklich immer sein muss (bzw. überhaupt erlaubt ist).
Der Lehrplan liegt nunmehr in der 4., neu bearbeiteten Auflage vor und ist auf den neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse gebracht. Er ist damit ein unverzichtbares Werkzeug in der autodidaktischen Ausbildung bzw. in Begleitung zu einem Kletterkurs des Alpenvereins.

   

Strauß, Andrea & Andreas: "Hochgefühl Höhenweg" nach oben!

Hardcover, 168 Seiten, ISBN 978-3-7654-6549-9
Preis: 30,00 €, Bruckmann-Verlag 2017. Nähere Infos auf der Verlagsseite.

Hoch über den Tälern wandern und wandeln, mit Blick auf hunderte Gipfel - ein Traum eines jeden Bergwanderers. Es muss nicht immer der große Gipfel sein, Höhenwege sind seit jeher beliebte Wanderziele: sie verbinden Hütten miteinander, überschreiten doch auch hohe Gipfel oder gar ganze Gebirgskämme und liefern so eine Vielzahl von Tourenmöglichkeiten. Das bergbegeisterte Autorenpaar stellt in ihrem Buch 37 Touren vor, die zweifellos Hochgefühle aufkommen lassen. Unter den Touren, die sich auf den nördlichen Alpenrand mit Allgäuer Alpen, Wetterstein, Karwendel, Rofan, Mangfallgebirge usw. konzentrieren sind prominente Touren wie der Heilbronner Weg, der Jubiläumsgrat, der Wilder Kaiser-Steig, die Watzmann-Überschreitung, der Mittenwalder Höhenweg und andere Unternehmungen zu finden. Doch auch die Zentral-Ostalpen sind mit einigen Vorschlägen wie der Überschreitung des beliebten Schönbichler Horns über den Berliner Höhenweg, der Gosaukamm-Umrundung und dem "Pinzgauer Spaziergang" vertreten.

Alle Tourenvorschläge verfügen über einen Steckbrief mit allen wichtigen Infos, einer Karte mit Wegverlauf, Höhenprofil und neben der kurzweilgen Beschreibung auch über wunderschönes Bildmaterial - da wird einem die Wahl nicht leicht gemacht. Eine kleine Vorauswahl ist über die Kategorisierung in "leicht", "mittel" und "schwer" möglich. Eine schöne, bunte Mischung, wobei die meisten Touren "leicht" oder "mittelschwer" sind. Viele Touren lassen sich durch Wegfall der jeweilig eingebauten Bergbahnen entsprechend verlängern. Das ist für jeden Höhenwegfan etwas dabei! Hochgefühle kommen bereits bei der Lektüre, beim Schmökern in diesem schönen Buch auf, mit dem sich doch die Tourenplanung für das nächste Höhenweg-Abenteuer kurzweiliger und spannender gestalten lässt. Praktisch hierzu sind nicht zuletzt die GPS-Tracks, die man sich auf der Verlagswebsite downloaden kann.

   

Moro, Simone: "Nanga im Winter" nach oben!

Hardcover, 287 Seiten, ISBN 978-3-7022-3623-6
Preis: 24,95 €, Tyrolia-Verlag 2017. Nähere Infos auf der Verlagsseite. Website des Autors: www.simonemoro.com

1953 wurde der Nanga Parbat als dritter Gipfel der vierzehn Achttausender bestiegen. Es war der legendäre Alleingang des Hermann Buhl. In den folgenden elf Jahren wurden alle übrigen Achttausender erstmals bestiegen, so dass es in der Folge galt, sich den großen Wänden dieser Berge zu widmen. 1970 wurde die höchste Steilwand der Erde, die Rupalwand des Nanga Parbat erstdurchstiegen. Es waren die Brüder Reinhold und Günther Messner, denen dies im Rahmen einer deutschen Expedition gelang. Die tragische Fortsetzung dieser Besteigung, es war die dritte Besteigung des Berges, ist hinlänglich bekannt.
Die Königsdisziplin des großen Achttausender-Bergsteigens ist sicher die wegen der extremen klimatischen Verhältnisse schwere Winterbesteigung. In den 80er Jahren konnten polnische Alpinisten sieben nepalesische 8000ererstmals im Winter besteigen, erst 2011 gelang der erste Karakorum-Achttausender. Simone Moro zwischen 2005 und 2011 drei Winter-Erstbesteigungen verbuchen. Mit dem Winter 2015/16 standen nur noch der Nanga Parbat und der K2 aus.
Natürlich gelingt ein solch extremes Vorhaben in aller Regel nicht im ersten Versuch. Es braucht – wie im Untertitel des Buchtitels zu lesen ist – „Ehrfurcht, Geduld und Willenskraft“. Diese Charaktereigenschaften braucht es zweifelsohne nicht nur direkt am Berg, sondern auch, um die Motivation eines zweiten, dritten Anlaufs aufrecht zu erhalten. Warum überhaupt auf solch hohe Gipfel? Warum dann noch bei derart eisigen Temperaturen, orkanartigen Winden? Schlafentzug, Hunger, hüfthoher Schnee, manchmal die Umkehr kurz unterhalb des Gipfels (2008 brach Moro nur 200 m unterhalb des Broad Peak-Gipfels ab). Warum? Es braucht eine enorme innere Motivation für all das. Simone Moro hat die schriftstellerischen Fähigkeiten, dem Leser seine große Faszination mitzuteilen, den Leser emphatisch werden zu lassen. Wir dürfen Simone Moro beim großen Bergsteigen zuschauen, ihn bei Triumph und Leid begleiten – 1998 kamen beim Versuch einer Winterbesteigung der Annapurna seine beiden Begleiter Anatoli Boukreev und Dimitri Sobolev ums Leben. Mit wechselnden Partnern versucht sich Moro dreimal im Winter am Nanga Parbat und wird im Februar 2016 endlich belohnt: der Gipfel gelingt!
Gemeinsam mit dem 16-seitigen Bildteil gelingt Simone Moro ein faszinierendes Buch des ganz großen Bergsteigens - der magische Nanga Parbat in der härtesten Jahreszeit! Ein ganz besonderes Bergbuch von und über einen Ausnahme-Alpinisten und seine Expeditionen an einem Ausnahmeberg.

   

Carrel, François: "Alexander und Thomas Huber" nach oben!

Hardcover, 264 Seiten, ISBN 978-3-89029-483-4
Preis: 22,00 €, Malik-Verlag 2017. Nähere Infos auf der Verlagsseite.

Thomas und Alexander Huber sind zwei exzellente Extremkletterer und das seit Jahrzehnten, doch zumeist redet man immer nur von den Huberbuam. Zum einen sind sie nun einmal Brüder, zum anderen sind ihnen viele ihrer bahnbrechenden Unternehmungen als Brüderpaar gemeinsam geglückt. Wenngleich beide Huberbuam auch viele Expeditionen und Kletterprojekte mit anderen und wechselden Partnern durchgeführt haben. François Carrels Buch über das Kletterpaar erschien 2017 in der französischsprachigen Originalausgabe und liegt nun, etwas gekürzt, auch in deutscher Sprache vor. Das Buch erzählt von den ersten Anfängen der Brüder, vom Vater, der gerne Bergführer geworden wäre, der aber daheim im strengen Elternhaus nicht verstanden wurde. Der Vater wiederholt bei seinen eigenen Kindern nicht den Fehler, sondern fördert und unterstützt die beiden Bergbegeisterten und so ist der weitere Weg vorgezeichnet. Idole wie Hermann Buhl, Kurt Albert oder Wolfgang Güllich, letztere „Kletterpäpste“ in den 70er und 80er Jahren, beeinflussen Stil und Motivationen der beiden heranwachsenden und sich rasch entwickelnden Kletterer.

All das, der weitere alpine Lebenswerk der jungen Jahre bishin zu spektakulären Unternehmungen wie der vorübergehende Speed-Rekord an der „Nose“ des El Capitan (wo auch so manch andere irrwitzige Tour gelang), der Zweitbesteigung des Ogre, der free solo-Durchsteigung der „Bellavista“ an der Großen Zinne, der Erstdurchsteigung der Südwand des Latok II, der ersten freien Begehung von "Bavarian Direct" am Mount Asgard auf Baffin Island – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen – lässt uns François Carrels Buch in zwölf spannenden Kapiteln miterleben. Gemeinsam mit dem tollen Bildmaterial und der guten Idee, eine gemeinsame Timeline durch vier Jahrzehnte Huberbuam-Klettern zu zeichnen, wird das sehr kurzweilig zu lesende Buch zu einem großartigen Gesamtwerk über die Brüder Thomas und Alexander abgerundet. Ein spannendes Buch zu zwei der ganz großen Bergsteiger, die auch gemeinsam noch so manchen Plan haben... The show must (and will) go on.

   

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