Reinhard Karl (1946 - 1982)

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Reinhard Karl ist am 3. 11. 1946 in Heidelberg geboren. Karl ist erst spät zum Bergsport gekommen, unternahm mit 17 Jahren seine ersten Klettertouren, wird von der Mutterzum DAV geschickt. Hier findet er auch Freunde, die ihn voll und ganz akzeptieren. Eine Akzeptanz, die ihm im beruflichen Alltag nicht zuteil wird: er wird aus der Automechanikerlehre gefeuert, holt über die Abendschuke das Abitur nach und studiert schließlich Geographie und Chemie, genießt die Vorzüge des Studentenlebens:

"Ich hab´ ausgeschlafen, ich konnte klettern und ab und zu sind wir mal zur Uni gegangen und haben Sachen angehört."
(Zitat Reinhard Karl)

Einen Studienabschluss macht Reinhard Karl nie, das dürfte ihm auch nie wichtig gewesen sein. "Der ganze Gesellschaftsverbesserungskäse, der mit zwanzig Sätzen die ganze Welt erklärt", ist nichts für ihn. So wird Karl professioneller Bergsteiger.

"Seine Bücher enthalten mit die besten Passagen, die in diesem Jahrhundert übers Bergsteigen geschrieben wurden."
(Reinhold Messner über Karls literarische Fähigkeiten)

Obschon Reinhard Karl etliche schwere Ostalpen, Dolomiten- und Westalpentouren gemeistert hat (Bonattipfeiler, Peutereygrat, Triolet-Nord, Gletscherhorn-Nord, Hasse-Brandler / Gr. Zinne, Freneypfeiler), gibt es von ihm nur recht wenige Neurouten. Wenn, dann warer auch hier vornehmlich in seinen Pfälzer Kletterfelsen unterwegs. Die freie Begehung des "Hangdog Flyer" (IX-) im Yosemite dürfte Reinhard Karls schwerste Route gewesen sein.

"Ich suchte mir mein Vorbild, mein Idol, einen, der mir zeigt, was möglich ist.
Dieser eine war Reinhard Karl."

(Alexander Huber)

Gipfelbuch (Auszüge):

1968 mit Bernd Kullman Walkerpfeiler und die fünfte Begehung der Direkten Nordwand der Droites.
1969 mit Bernd Kullman Durchsteigung der Eiger-Nordwand in (damals schnellen) anderthalb Tagen.
1975 Erstbegehung von "Mungoweg" am Honigfels / Pfalz (V / A1) mit Wolfgang König.
Yosemite: "The Nose" am El Capitan.
1976 Erstbegehung des "Pfalzwichser-Weges" (VI, A1) in der Pfalz
1977 am 2. Juni gemeinsam mit Helmut Kiene Erstbegehung der Pumprisse am Fleischbankpfeiler (Wilder Kaiser) - seinerzeit eine der weltweit ersten Routen im VII. Grad und in den Alpen die erste VIIer-Route überhaupt.
Yosemite: "Salathè" am El Capitan mit Richard Mühe.
1978 Mit Seilpartner Oswald Oelz Besteigung des Mount Everest im Rahmen einer Expedition unter Wolfgang Nairz. Damit ist Reinhard Karl der erste Deutsche, der den höchsten Berg der Welt besteigt.
Yosemite: "Son of heart" am El Capitan.
1979 Besteigung des Gasherbrum II.
Yosemite: "The Shield" am El Capitan.
1980 Versuch am Cerro Torre über die Maestri-Route. Wegen schlechten Wetters nur bis kurz unterhalb des Gipfels.
1981 mit einer Kleinexpedition versucht sich Karl am K2. Doch Schlechtwetter zwingen schließlich zum Aubbruch des Versuchs, durch die gefährliche und schwere Südwand einen Durchstieg zu finden.
1982 Erfolgreiche Expedition zum Fitz Roy. Über das Supercouloir gelingt der Gipfelaufstieg, nachdem er knapp unterhalb des Gipfels fast in den Tod gestürzt wäre und ihn nur ein alter Haken gehalten hatte.
Am 19. Mai 1982 um fünf Uhr morgens kommt Reinhard Karl in einer Eislawine am Cho Oyu ums Leben. Sein Zeltpartner Wolfgang Nairz überlebt schwer verletzt.

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