Tomaz Humar (1969-2009)

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Geboren am 18. Februar 1969 in Ljubljana (Slovenien). 1987 wurde der gelernte Elektriker Mitglied des hiesigen Alpinclubs. Tomaz Humar war verheiratet und hat zwei Kinder. Im Jahr 2000 erlitt Humar einen schweren Unfall bei Bauarbeiten an einem Haus. Ärzte prognostizierten, dass Humar nie wieder würde gehen können. Doch er erholte sich vollständig von dem Unfall und kehrte zu den großen Bergen der Welt zurück. 1996 bekam er für seine Erstbegehung an der Ama Dablam die höchste Auszeichnung im Bergsport verliehen, den "Piolet d´Or". Humar konnte (Stand 2002) auf über 1200 Besteigungen und über 60 Erstbegehungen zurückblicken. Humar kam 2009 am Langtang Lirung ums Leben.

Website: www.humar.com

Gipfelbuch (Auszug):

1994  

12. Oktober: Ganesh V (6986 m). Gemeinsam mit dem Leiter Stane Belak - darauf klettert Tomaz Humar durch die Südostwand - die erste Wiederholung der Japaner-Route einschließlich einer Variante auf 1000 Meter Länge in der 2800 Meter-Wand. Die Schwierigkeiten der Route: 90° IV-V (75° IV).

1995

Annapurna (8091m) am 6. Mai. Humar besteigt den Berg im Alleingang über die Nordflanke. Nach drei Tagen auf über 7500 Metern steht er nach einem Aufstieg über die Franzosen-Route auf dem Gipfel.

1996

Ama Dablam (6828m) am 4. Mai. Gemeinsam mit dem Expeditionsleiter Vanja Furlan gelingt die Erstdurchsteigung der Nordwestwand. Aufstieg im Alpinstil (VI 90° (70° V, A2+)). Der Abstieg erfolgt über den Südwestgrat. Als Akklimatisierung bestieg er den Imjatse, 6173 m. Für die schwierige Neuroute erhielt die Seilschaft die berühmte und prestigeträchtige "Goldene Eisaxt" ("Piolet d’Or"), die alljährlich für die innovativste Neuroute vergeben wird.
Bobaje (6808m), Soloaufstieg durch die 2500 Meter hohe Nordwestwand, Gipfel am 2. November. Schwierigkeiten: V 85° (50-70°). Es war die Erstbesteigung des Gipfels, im Alpinstil. Auch der Abstieg ist schwer: V+ 90°, (50-70°). Als Akklimatisierungstour hatte er den Api Lech, 5700 m, bestiegen.

1997

1. Oktober: Lobuce (6119 m)
9. Oktober: Pumori (7165 m)
31. Oktober: Nuptse (7742m). Tomaz Humar und Janez Jeglic durchklettern die Westwand des Nuptse-Nordwestgipfels. Sie klettern die schwere (90° IV-V (50-70°, V)), 2500m hohe Wand im Alpinstil. Am Gipfel wird Jeglic vom Sturm erfasst und über den Grat geweht - er überlebt das Unglück nicht!

1998

El Capitan (Yosemite-Park), Gipfel am 26. Oktober. Humar klettert als erster Europäer solo eine der schwierigsten technischen Routen der Welt: "Reticent Wall": VI., 5.9, A5, Wandhöhe 850 m - in fünfzehn Tagen! Beim Internationalen Berg-Filmfestival in Trento wird der über die Begehung gemachte Film ausgezeichnet.

1999

Dhaulagiri (8167 m). Humars bislang größtes Glanzstück: die Erstdurchsteigung der riesigen und extrem gefährlichen Südwand des Dhaulagiri. Nach einem Akklimatisierungsaufstieg an der Nordseite über die Route der Schweizer bis auf 7300 Meter steigt er am 25. Oktober in die Südwand ein und klettert in neun Tagen durch die Wand. Am 1. November erreicht er schließlich beim Ausstieg eine Höhe von etwa 8000 Metern und biwakiert ein letztes Mal. Am nächsten Tag steigt er, ohne den Gipfel zu besteigen, direkt über die Route der Schweizer ab, da er sich schwere Erfrierungen beim Aufstieg zugezogen hatte. Ein neuntes Biwak in dieser Höhe wäre zu riskant!
Die Schwierigkeiten bewertet er mit VII, 90°, M7+ bei einer gekletterten Wandhöhe von etwa 3000 Metern!!!

Bei seinem Abstieg findet er die Leiche der englischen Spitzenbergsteigerin Ginette Harrison, die bereits 5 Achttausender bestiegen hatte. Sie war in der vorangegangenen Woche beim Versuch, den Gipfel zu erreichen, in einer Lawine umgekommen. Am 3. November ist er wieder im "Advanced Base Camp" auf 5600 Meter. Hier wird er von einem Helikopter nach Pokhara geflogen.

Humar nach der Tour: "Mein Aufstieg durch die Südwand war hundert Mal härter als alles andere in der Vergangenheit!"
Der Film "Dhaulagiri Express" über die Besteigung wird ebenso beim Poprad-Filmfestival in Slovakia ausgezeichnet wie in Graz mit der Goldenen Kamera für den besten Bergsteiger-Film.
Als Humar auf dem Flughafen von Ljubljana landet, wird er von Reinhold Messner empfangen, der spontan aus Bozen angereist war. Für Humar war dies eine große Ehre.

2002 Besteigung der Shisha Pangma gemeinsam mit Maksut Žumajev, Denis Urubko, Aleksej Raspopov und Vasilij Pivcov.
2003

Tomaz Humar geht im Juli die Rupalwand am Nanga Parbat an. Er möchte über eine neue Route in der Rupalwand aufsteigen und über die Diamirseite absteigen. Doch die denkbar schlechten Verhältnisse machen die Umsetzung unmöglich. Nach mehreren Akklimatisierungstouren entlang der Messner-Route von 1970 bis auf 6500 Meter muss Humar die perfekt vorbereitete Expedition abbrechen.

Tomaz Humar und Ales Kozelj klettern vom 17. bis 21. Dezember eine 2500 m hohe Neuroute (VI+(A2) (IV - V+) 90° - 100° (60°- 70°) M5 - M6) in der Südwand des Aconcagua. Die Route mit dem Namen "Mobitel's Swallow - Johan's route" dürfte die derzeit schwerste Route in der Südwand sein. Die Begehung dauerte fünf Tage, einen weiteren Tag brauchten sie für die Travesierung des Berges und den Abstieg ins Tal. Am 23. Dezember erreichen sie wieder das Basislager. Humars Kommentar: Of all my ascents, this was one of the most difficult.”

2005 23. April besteigt Humar gemeinsam mit Aleš Koželj und Janko Operšnik den Cholatse (6440 m).
Im Juli versucht saich Humar abermals am Nanga Parbat und muss verletzt in einer aufwändigen Rettungsaktion in einer Höhe von etwa 6000 Metern vom Berg geholt werden.
2007

Am 28. Oktober erreichte Humar kurz vor 15 Uhr nepalesischer Ortszeit den 8047 Meter hohen Ostgipfel des Annapurna. Innerhalb von nur zwei Tagen kletterte der 38-Jährige im Alpinstil, ohne Helm, ohne Seil und Sauerstoffgerät im Alleingang auf einer neuen Route durch den rechten Teil der Südwand zum Gipfel.

2009

Am 10. November stirbt Tomaz Humar bei einer Expedition am Langtang Lirung (7227 m). Am 14. November wurde seine Leiche auf über 5 600 Metern Höhe gefunden. Aufgrund eines Beinbruchs beim Aufstieg hatte Humar bereits am 9. November einen Hilferuf abgeschickt und war tags darauf verstorben.

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