Kurt Albert
(28.01.1954 - 28.09.2010)

Kurt Albert

Bild: Kurt Albert.

"KURT ALBERT" steht für das Sportklettern im Frankenjura. Er führte den Begriff "Rotpunkt" ein und kletterte Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre zahllose Routen als Erster frei. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang sicherlich seine Erstbegehungen "Sautanz" (IX-), "Schleimspur" (IX-) oder "Magnet" (IX+).

Früh schon fand Kurt Albert Gefallen an der Kletterei. Seine Ziele waren klar definiert: Die klassischen Wände der Alpen. So gelang ihm bereits im Alter von 17 Jahren der Walkerpfeiler an der Grandes Jorasses und ein Jahr später die Eiger Nordwand. Zu der damaligen Zeit war das Klettern in der Fränkischen allein Training für die hochalpinen Routen, die es zu bezwingen galt. Die Frage war nicht, ob man die Touren des Frankenjura schaffte, sondern lediglich wie viele hintereinander. "Damals war es z. B. ein Ziel alle Routen im Pegnitztal an einem Tag zu klettern. Über das "Wie" haben wir uns keine Gedanken gemacht."

Rote Punkte im Fels
Dann aber kam im Jahr 1973 die Wende. Kurt Albert besuchte das Elbsandsteingebirge und mußte erstaunt feststellen, dass dort ganz anders geklettert wurde. Auf einmal war das "Wie" die alles entscheidende Frage und der rein sportliche Aspekt und nicht etwa das Bezwingen der Wand um jeden Preis, stand im Vordergrund. Kurt Albert gingen die Augen auf. Das war die wahre Seele des Klettersports, die er unbedingt ins heimatlichen Frankenjura übertragen wollte. Zusammen mit ein paar Freunden kam er auf die Idee, die frei überkletterten Haken mit roter Farbe anzumalen, um ein sichtbares Zeichen zu setzen. "Seht her - an diesem Haken muß man sich nicht hochziehen!" Schnell wurde dieser Gedanke jedoch wieder über Bord geworfen und man begnügte sich mit einem roten Punkt am Einstieg eines jeden frei gekletterten Weges. Mit dieser neuen, für die damaligen westdeutschen Verhältnisse revolutionären Einstellung, sahen sich die fränkischen Freikletterpioniere einem schier unermeßlichen Felspotential gegenüber.

Dazu schrieb Kurt Albert 1977 zusammen im Magazin Alpinismus: "Selbst einige Touren, die bisher als ausgesprochene Hakenleitern galten, erhielten ihren roten Punkt. Da tauchten Griffe und Tritte auf, die wir nie vorher wahrgenommen hatten." Dies war die Geburtsstunde des Rotpunkt-Gedankens. Interessanterweise existierte die Freikletterei zwar schon viel früher im Elbsandstein und in den USA, doch bald wurde der Begriff "Rotpunkt" - selbst im englischen Sprachraum mit "redpoint" - zum Synonym für freies Klettern.

Frühe Reisen in die USA zeigten dem noch jungen Kurt Albert die Notwendigkeit konsequenten Trainings auf, um schwierigste Wege durchsteigen zu können. Als auch noch der Pfälzer Wolfgang Güllich in die Fränkische zog, hatte sich das "Dreamteam" des deutschen Sportkletterns gefunden. Beide wurden im Alpin Magazin zur Seilschaft des Jahres 1981 ernannt. Kurt Albert zog es auch zu dieser Zeit immer wieder in die Berge, um dort ebenfalls neue sportliche Akzente zu setzen. So gelang ihm u.a. die erste Begehung von "Locker vom Hocker" (VIII-/VIII) und die erste freie Begehung des "Bayerischen Traums" (VIII-), die sich beide an der Schüsselkarspitze befinden. Die Liste von Kurt Alberts Erstbegehungen ist lang und speziell im fränkischen Fels hat er wahre Klassiker hinterlassen, die zum großen Teil auch die schwierigsten Routen Deutschlands darstellten. Besonders hervorzuheben sind Touren wie "Goldenes Dach" (VIII+), "Entsafter" (VIII+), "Erazerhead"(VIII+), "Sautanz" (IX-), "Humbug" (IX-), "Luftballondach" (IX) oder "Magnet"(IX/IX+).

Sein Einfluß auf den deutschen Klettersport kann gar nicht oft genug betont werden und drang sogar bis in höchste Kreise vor. So erhielt Kurt Albert 1985 neben Wolfgang Güllich und Sepp Gschwendtner das "Silberne Loorbeerblatt" - die höchste Sportauszeichnung der Bundesrepublik Deutschland.

Expeditionen und andere Reisen
Alles begann mit seiner ersten Expedition 1988 ins Karakorum. Albert lernte den "sturen Blick fürs Klettern" zu verlieren und sah die Möglichkeit seine Abenteuerlust zu befriedigen und gleichzeitig Neuland zu betreten. "Auf den Expeditionen mache ich immer wieder große Augen. Es gibt stets etwas neues zu entdecken und noch so viele schöne Felswände auf der Erde, die nur darauf warten, bestiegen zu werden." Speziell bei den neueren Reisen legte Kurt Albert immer größeren Wert darauf, alles aus eigener Kraft zu erreichen. Mal ging es mit dem Kajak zu den Felsen und mal mußte mit dem Segelboot das berüchtigte Kap Hoorn umschifft werden, um zum erklärten Ziel der Reise zu gelangen. Auch Träger, die Lasten schleppen, sind tabu. Die Expedition wird als große Einheit gesehen, die sowohl die Anreise als auch die Abreise miteinschließt. Daß er durch diese konsequente Verfolgung des Mottos "Alles aus eigener Kraft" zwangsläufig auch mit anderen sportlichen Disziplinen in Berührung kommt, empfindet Kurt als große persönliche Bereicherung.

Website: www.kurt-albert.de

Gipfelbuch (Höhepunkte):

Als Quelle für das Gipfelbuch diente vor allem www.kurt-albert.de.

1980 Kurt Albert und Norbert Sandner geklingt die 1. freie Begehung "Bayrischer Traum" (VIII-) an der Schlüsselkarspitze.
1981 Wolfgang Güllich & Kurt Albert: "Locker vom Hocker" (VIII), Schlüsselkarspitze.
1988 Übertragung des Rotpunktgedankens in den Himalaya: erste freie, hilfsmittellose Besteigung des "Nameless Tower" 6.242 Meter (8+)
1989 Erste Begehung von "EternalFlame" am Nameless Tower (9-), gemeinsam mit Wolfgang Güllich
1990 Patagonien: Erstbegehung am Paine Zentral Turm - "Riders on the Storm" (9)
1994 Grönland: Erstbegehung am Ulamertorsuaq - "Moby Dick" (9+)
1995 Patagonien - Fitz Roy: Erstbegehung des Royal Flush (9)
Kanada: mit dem Boot zum Berg "Fitzcarraldo" (Kanufahrt zum entlegenen "Cirque of the unclimbables" mit Erstbegehung)
Expedition Madagaskar: erste klettersportliche Erschließung im Antringitra Gebirge - "Rain Bodo" (9-)
1996 Erstbegehung von "Ge/be Mauer" (9) an den Drei Zinnen
1997 Expedition ins "Schweizerland" im Osten Grönlands "by fair means" mit Kajaks ohne Materialdepots und aus eigener Kraft. Erstbegehung von "Nordlicht" am Berg "Tupilak" (8+)
1998 Expedition Patagonien: Erstbegehung von "El Condorito" (9) am Aguja St. Exupery
1999 Expedition Patagonien: Erstbegehung "Vela y Viento" (9-) an der Aguja Mermoz
Expedition Antarktis Hart am Wind: Erstbegehung am "Cape Renard Tower" (8+).
2000 Patagonien: Besteigung des "Fitz Roy" über die Franko-Argentina Route
Odyssee 2000: Expedition nach Baffin Island "mit Seekayak zum Berg", Erstbesteigung des "Polar Bear Towers" über die Route "Odyssee2000" (9-).
2002 Kanada by fair means - Expedition zu den Lotus Mountains – 600km Wildwasser (SG 4) - Erstbegehung am Vampire Peak (SG 8+) und Besteigung des Lotus Flower Tower.
2003 Expedition nach Kenia mit Besteigung des Mount Poi (SG 9)
2006 Expedition in Venezuela – by fair means: mit Kanus über 200km durch den Dschungel der Grand Sabana zum Acopan Tepuis – Erstbesteigung über die Nordwand: „El Purgatorio“ (650m/SG 9)
2007 Expedition zum Sablija (Rußland - Ural) im August / September
2008 Expedition Castillo/Venezuela "El Nido del TirikTirik" (400m/ SG 7b)
2009 Erstbegehung am Roraima-Tepuis/Venezuela "Hotel Guácharo" (550m/ SG 7a+)

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